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Kultur Medien
03/01/2019

Tartarottis Opernball: Die Wurst war nicht gedopt

TV-Tagebuch: Guido Tartarottis beinahe ernst gemeintes Opernball-Protokoll.

von Guido Tartarotti

* Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.* 

Und schon wieder ist Opernball.

Im Vorfeld gab es diesmal heftige Diskussionen. Werden die berühmten Würsteln, bekanntlich etwa so teuer wie das Defizit von Venezuela, heuer durch Leberkäsfaschingskrapfen ersetzt?

(Die Leberkäsfaschingskrapfen, heuer im Fasching DER Hit im Internet, gibt es übrigens wirklich. Via Twitter wurde die längste Bezeichnung für diese ... Speise gesucht. Das Ergebnis: Pferdekäseleberkäsemarillenmarmeladefaschingskrapfen. Das sind 53 Buchstaben, also mehr, als die Grünen Wähler haben.)

Oder müssen die Würsteln aus aktuellen Gründen heuer eine Dopingkontrolle überstehen? Nein, müssen sie nicht, solange sie nicht bei der Langlauf-WM teilnehmen wollen.

Oder, auch das wurde diskutiert: Werden die Würsteln heuer karfreitagsmäßig halbiert? Schließlich fand die Regierung eine salomonische Lösung: Jeder hat das Recht auf sein persönliches Würstel. Er muss es halt auch selber bezahlen.

Am Anfang des Opernballs geht es ja immer um die sogenannte Feststiege. Das ist eine Art fernöstlicher Kampfsport, verschärft durch die Tatsache, dass man dabei Abendkleid und/oder Frack tragen muss. Möglicherweise wird „Feststieging“ demnächst olympisch, wobei stets gedopte russische Würste gewinnen werden.

Conchita Wurst am Opernball:

Conchita Wurst mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen, seiner Frau Doris Schmidauer und Auma Obama (von rechts nach links)

Der Begriff „der schönste Ballsaal der Welt“ wird übrigens um genau 19.43 Uhr erstmals erwähnt.

Der Begriff „Ball der Bälle“ wird übrigens um 20.12 Uhr erstmals erwähnt.

Um 20.17 Uhr ging es dann los, die Gardemusik spielte den „47er Regimentsmarsch“ von Franz Josef Wagner. Christoph Wagner-Trenkwitz sagte dazu „Auch sein Gschaftlhubermarsch würde gut herpassen“, und wie so oft gibt es keinen Grund, Wagner-Trenkwitz zu widersprechen.

Danach wurde die Fassade der Oper als Frisur von Donald  Trump verkleidet. (Besser, denn als Frisur von Kim Jong-Un.)

Um 20.20 Uhr war dann endlich erstmals Alfons Haider im Bild.

Um 20.22 Uhr war dann endlich Mirjam Weichselbraun im Bild, und zwar spielte sie eine Hexe.

Um 21.13 Uhr steht Alfons Haider im Lebkuchen.

Um 21.14 Uhr sieht man endlich die wichtigste Person des Abends, also Richard Lugner. Und die zweitwichtigste Person Elle Macpherson. Einigkeit darüber, ob man sie Fierson, Förson, Fersen oder Gerlinde Kroawidleiter ausspricht, ist übrigens nicht herzustellen.

Christoph Wagner-Trenkwitz (wie man den ausspricht, weiß man), sagt: „Richard Lugner strahlt aus voller Gesichtshaut.“

Um 21.17 Uhr sieht man das gehäkelte Klopapierhauberl mit DJ Ötzi darunter.

Um 21.20 Uhr spielt Mirjam Weichselbraun eine Kuhglocke und sagt: „Es ist nicht die erste Kuh, die Mirjam heißt und die nach mir benannt wird.“

Ein guter Gag von Kari Hohenlohe und Wagner-Trenkwitz: „Wir hören jetzt einen Ausschnitt aus der Oper ,Die beliebte Nationalbank‘. – „Nicht ganz - ,Rheingold‘.“

Um 21.30 Uhr war dann endlich Sebastian Kurz zu sehen.

Um 21.50 spricht Bundespräsident Van der Bellen über die Chancen internationaler Zusammenarbeit. Barack Obamas Schwester spricht über starke Stimmen für junge Menschen – und muss dann trotzdem sagen, ob sie tanzen will.

Danach kommt die übliche Eröffnung inklusive „Alles Walzer“.

22.31 DJ Ötzi hat kein Kapperl mehr auf.

Der Rest  des Abends war dann … Wurst. Ohne Doping.