Netflix-Serie "Unfamiliar": Agenten in der Ehekrise
Agentenehepaar mit großen Geheimnissen: Simon (Felix Kramer) und Meret (Susanne Wolff) in „Unfamiliar“.
Der Job ruft oft in den ungünstigsten Momenten – das ist bei Agenten nicht anders. Meret (Susanne Wolff, „Sisi & Ich“) und Simon (Felix Kramer) wollen gerade den 16. Geburtstag ihrer Tochter Nina feiern, als ein Telefonat die Party frühzeitig beendet: Ein unbekannter Mann mit einer Schusswunde meldet sich und bittet um ihre Hilfe. Denn Meret und Simon greifen Spionen immer wieder unbürokratisch unter die Arme. Und da Simon auch Arzt ist, kann er praktischerweise diverse Wunden versorgen oder Operationen am Wohnzimmertisch durchführen. Doch der mysteriöse Patient will nicht nur Unterschlupf finden – er hat es auf das Duo abgesehen.
In der neuen Netflix-Serie „Unfamiliar“, von deutschen Medien gelobt und derzeit in den Top Ten des Streamingdienstes, wird nach dem Auftauchen des Störenfrieds in der Vergangenheit des Agentenehepaars gewühlt: Meret und Simon haben früher für den deutschen Geheimdienst BND gearbeitet und gelten offiziell als tot. In Berlin haben sie sich eine neue Identität aufgebaut und betreiben, wie sollte es anders sein, ein hippes Restaurant.
Doch das scheinbar bürgerliche Leben der beiden gerät in Gefahr. Spätestens als sich auch der russische Agenten-Bösewicht Josef Koleev (Samuel Finzi) in der deutschen Hauptstadt blicken lässt, wird klar, dass es um die Ereignisse bei einem folgenschweren Einsatz in Belarus vor 16 Jahren geht.
Feind am Frühstückstisch
Der Kombi aus Agententhriller und Beziehungsdrama haben sich bereits Serien und Filme wie „The Americans“ oder „Mr. & Mrs. Smith“ angenommen. Denn die Vorstellung, dass der Feind am eigenen Frühstückstisch sitzen könnte, oder dass man eheliche Konflikte auch während einer Verfolgungsjagd besprechen könnte, erweitert das actionreiche Katz-und-Maus-Spiel um eine emotionale Ebene.
Agentin mit Geheimnissen: Susanne Wolff in "Unfamiliar".
In „Unfamiliar“ (das Wörtchen „liar“, also Lügner“, wird im Intro extra hervorgehoben) geschieht das ohne das Komikelement von Angelina Jolie und Brad Pitt in „Mr. & Mrs. Smith“, sondern in bedrohlicher Atmosphäre vor der herrlich düsteren Kulisse Berlins.
Netflix hat dafür die Stars seiner vergangenen Produktionen zusammengetrommelt: Felix Kramer („Dogs of Berlin“) und Andreas Pietschmann („Dark“) als Agenten sowie den österreichischen „Tatort“-Kommissar in spe Laurence Rupp („Barbaren“) als opportunistischen BND-Chef mit zurückgegeltem Haar. Henry Hübchen („Commissario Laurenti“) gibt seinen dauerrauchenden Vorgänger.
Geheimdienstchef mit viel Haargel: Laurence Rupp.
Zunächst muss man eine Reihe von Standardsätzen erdulden: Grenzen für Ermittler? „Als ob mich das aufhalten könnte.“ Der Killer? „Wird nicht aufhören, bis wir alle tot sind.“ Natürlich werden ohne Verstärkung mitten in der Nacht verlassene Häuser aufgesucht. Und eine langjährige Agentin schafft es nicht, ihren Angreifer ausbruchsicher zu fesseln.
Spannend wird die Sache, als die beiden Eheleute merken, dass der jeweils andere Geheimnisse hat – über den eigenen Gesundheitszustand, diverse Bekanntschaften oder darüber, wie die Dinge damals in Belarus wirklich abgelaufen sind. Das Netz aus undurchsichtigen Verbindungen, flotten Actionszenen und Cliffhangern ergibt einen kurzweiligen Agententhriller.
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