Nicole Beutler: „Triste Krimis in tristen Milieus gibt es viel zu viele“
Die deutsche Krimikomödie „Fabian und die mörderische Hochzeit“ ist neu auf Amazon Prime. Als einzige Österreicherin spielt Nicole Beutler in einer durchaus entscheidenden Rolle mit. Dazu gekommen ist sie über ein willkommenes Überbleibsel der Pandemie, ein E-Casting. Da filmt man sich selbst in der Rolle und sendet das Video an die Casting-Entscheider.
„Das ist sehr hilfreich für Schauspielerinnen wie mich, die gerne international arbeiten. So hat man die Chance, auch in Produktionen besetzt zu werden, wo man nicht schnell mal bei einem Live-Casting dabei sein kann.“ Für diesen Film war der Heimvideo-Dreh ein Vergnügen: „Im E-Casting war die Figur noch exaltierter, als sie jetzt im Film ist, da konnte ich richtig aufdrehen.“
Es ist nicht die erste Produktion für ein Streamingportal, bei der Beutler mitspielt, sie ist etwa auch in der BBC-Netflix-Serie „Die Schlange“ zu sehen. Sind solche Drehs anders? „Nein, von der professionellen Arbeit am Set her ist es egal, wo man arbeitet. Aber man merkt bei Amazon oder Netflix, dass Geld da ist. Das sind keine Low-Budget-Produktionen.“
Die Streaming-Größen sind für die Schauspielzunft seit einigen Jahren eine erfreuliche Betätigungserweiterung: „Als Netflix, Amazon und Co. kamen, habe ich sofort gesagt, dass das eine riesige Chance für alle nicht-englischsprachigen Schauspielerinnen und Schauspieler ist, international mitmischen zu können“, sagt Beutler.
Und fügt hinzu: „Dann kam leider dieser fatale Fehler, dass man FISAplus, die Filmförderung, für 2026 deckelt. Und Großproduktionen, die schon geplant haben, hier zu drehen, wie ,Tribute von Panem‘ und ,White Lotus‘, riesige Produktionen mit wahnsinnig vielen Gewerken, die hier beschäftigt worden wären, springen alle ab.“
Britisch angehaucht
Die anglophile Schauspielerin (und Chansonniere) sieht den Reiz in „Fabian und die mörderische Hochzeit“ nicht nur in den britischen „Krimigenen“ des Films. „Was mich angezogen hat, war, einen Krimi komödiantisch zu erzählen. Triste Krimis, die in tristen Milieus spielen und wo alles nur scheußlich und grauslich ist, gibt es zuhauf und meines Erachtens viel zu viele. Die deutsche Filmbranche wurstet einen Krimi nach dem anderen raus.“ Der Hunger nach anderen Erzählungen sei aber da: „Zu mir sagen sehr oft Leute: ,Wir sehen Sie gern im Fernsehen, aber Krimis schauen wir nicht an.‘“
Die Hauptrolle in „Fabian“ spielt Bastian Pastewka. In der Impro-Serie „LOL“ ist er dafür gefürchtet, jeden zum Lachen zu bringen – und Lachen ist das Einzige, was da verboten ist. Beim Dreh bestand die Gefahr nicht, sagt Beutler: „Er ist einer der liebenswertesten Kollegen überhaupt.“ Würde sie denn in „LOL“ bestehen? Da muss sie überlegen: „Ich bin ja kein Comedian. Ich sage von mir selber immer, ich bin nur bedingt lustig. Was ich aber könnte, ist ernst bleiben. Ich behaupte, den Test würde ich lange bestehen – dass ich ein Pokerface bewahre.“
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