Der Lockerbie-Anschlag als Netflix-Serie: „The Bombing Of Pan Am 103“
Fast 40 Jahre ist es her, dass der Terroranschlag auf die Pan-Am-Maschine 103 die Welt erschütterte: Kurz vor Weihnachten 1988 explodierte eine Bombe an Bord eines Flugzeugs, das von London nach New York unterwegs war. 270 Menschen starben – darunter Passagiere und Crew sowie Einwohner der schottischen Stadt Lockerbie, über der die Maschine abstürzte. Eine britische Miniserie zeichnet die Ereignisse nach – „The Bombing Of Pan Am 103“ wurde bereits im Vorjahr von der BBC gezeigt und ist jetzt auch hierzulande via Netflix verfügbar.
Die erste der insgesamt sechs Episoden beginnt im Wartebereich des Flughafens Heathrow, wo Teddybären gedrückt und Weihnachtspackerl unter den Arm geklemmt werden. Wenig später treibt mysteriöser Lärm die Menschen von Lockerbie nach draußen, wo sie mitansehen, wie brennende Maschinenteile auf ihre Heimat herabstürzen.
Kriminalpolizist Ed McCusker (Connor Swindells, „Sex Education“) ist einer der ersten am Ort des Geschehens, manövriert sein Auto zwischen zu Boden gefallenen Gepäckstücken und Flugzeugteilen zu seinem Ziel. Auch der Teddybär, der eben noch geherzt wurde, liegt zwischen den Trümmern.
Gemeinsam mit seinen Kollegen macht sich McCusker an die Arbeit. Fundstücke müssen nach Sprengstoffspuren untersucht werden, Kleidungsstücke gereinigt und an die Angehörigen übergeben werden, Leichen aus Platzgründen in der Eishalle gelagert werden. Genau dort, wo McCusker mit seiner Tochter eigentlich unbeschwerte Weihnachtsfeiertage verbringen wollte. Nun muss er sich stattdessen mit belastenden Ermittlungen beschäftigen – und mit dem Kampf um Zuständigkeiten. Denn nicht nur die Behörden in Schottland, sondern auch jene in London sowie das amerikanische FBI mit dem selbstbewussten Dick Marquise (Patrick J. Adams, „Suits“) fühlen sich berufen, mitzumischen.
Trotz der dramatischen Geschichte will hier nicht so recht Spannung aufkommen. Die Ereignisse werden chronologisch abgearbeitet, es gibt zahlreiche Meetings, Telefonate und Ansprachen. Dabei wird aber eher über die Arbeit geredet, anstatt dass man sie im Detail zu sehen bekommt. Auch, wenn man hier sicherlich zeigen wollte, wie viele Personen involviert waren, hätte der Fokus auf weniger Beteiligte nicht geschadet. So bleibt nicht nur Ed McCusker ein wenig blass. Interessant wird es, wenn die britischen und amerikanischen Ermittler mit ihren unterschiedlichen Ansichten und Ansätzen aneinandergeraten. Insgesamt fragt man sich aber, ob eine Doku hier nicht die bessere Wahl gewesen wäre.
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