Alfred Biolek übergibt Schmuckstücke einem Museum

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Kultur Medien
07/23/2021

Moderator und Talkmaster Alfred Biolek gestorben

Der "Grandseigneur" des deutschen Fernsehens war schon länger gesundheitlich angeschlagen. Er wurde 87 Jahre alt.

Der Entertainer Alfred Biolek ist tot. Er starb am Freitagmorgen. Der frühere Fernsehmoderator und Talkmaster sei in seiner Kölner Wohnung friedlich eingeschlafen, sagte sein Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie der Deutschen Presse-Agentur. Biolek war seit längerem gesundheitlich angeschlagen gewesen. Er wurde 87 Jahre alt.

Offen gelebte Toleranz

Biolek hatte als „Grandseigneur“ des deutschen Fernsehens über Jahrzehnte die Erneuerung der deutschen TV-Landschaft vorangetrieben. Zwei Formate hat er wesentlich mitbegründet: die Talkshow und die Kochshow. Aber er hat nicht nur das Fernsehen geprägt, er hat über dieses Medium auch die Gesellschaft beeinflusst. Am Ende seines Lebens konnte er mit großer Genugtuung feststellen, dass die Deutschen ein wenig so geworden waren wie er: dem guten Essen zugetan, offen für alle möglichen kulturellen Einflüsse aus dem Ausland und im Allgemeinen tolerant gegenüber Minderheiten.

"Von den großen Ländern - Frankreich, England, Italien, Spanien - hat sich Deutschland am weitesten geöffnet und verkrustete Strukturen aufgebrochen", sagte er rückblickend der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings machte er in seinen letzten Lebensjahren eine Einschränkung: Dass die Rechten wieder aktiv würden, das finde er schlimm, sagte er. Vielleicht könnten die Menschen eben doch nicht aus der Geschichte lernen.
 

Als Justiziar begonnen

Der Anwaltssohn Biolek wurde am 10. Juli 1934 in Freistadt - heute Tschechien - geboren und verlebte eine behütete Kindheit in einem großbürgerlichen katholischen Elternhaus. Nach dem Krieg floh die Familie in den Westen, und wie sein Vater studierte Biolek Jura und promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaften. Zeitlebens hatte er immer etwas von einem zerstreuten Professor: Die runde Brille, die Kärtchen, mit denen er vor der Kamera hantierte, die vielen "Ähs", die abgebrochenen Sätze.

Bioleks Karriere wäre heute undenkbar. Als Justiziar begann er 1963 beim neugegründeten ZDF, wechselte aber bald darauf ins Redaktionelle. Bei seinem ersten Auftritt vor der Kamera gab er "Tipps für Autofahrer".

1970 kam er zum WDR nach Köln und entwickelte dort mit Rudi Carrell die Samstagabendshow "Am laufenden Band", die erfolgreichste Sendung der 1970er-Jahre. Parallel sammelte er im "Kölner Treff" erste Moderationserfahrung und bekam 1978 seine eigene Sendung, "Bio's Bahnhof". Danach war er im deutschen Fernsehen 30 Jahre ständig präsent. Allein seine Talkshow "Boulevard Bio" lief zwölf Jahre lang. Seine Ära endete erst 2007 mit der letzten Folge der Kochsendung "Alfredissimo".

Kenner der Kulturszene

"Bio" war ein enormer Kenner der Kulturszene nicht nur in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in den USA, in England und den Niederlanden. Er war es, der Monty Python und Herman van Veen nach Deutschland holte, der zum ersten Mal Sting im Ersten auftreten ließ. In seiner Wohnung in Köln empfing er Weltstars wie Tina Turner zum Essen. Sein schönstes Kompliment bekam er von Sammy Davis jr. in "Bio's Bahnhof": "Ich bin seit 53 Jahren im Showbusiness, und ich muss sagen, dies ist die originellste und am Besten zusammengestellte Fernsehshow, in der ich jemals auftreten durfte."

Mit seiner Homosexualität hat sich Biolek lange schwergetan Erst im Alter von etwa 30 Jahren gestand er sich selbst ein, dass er schwul war, gab bei dieser Gelegenheit all seine Anzüge in die Altkleidersammlung und trug eine Zeit lang nur noch Pullover und Lederjacke. Öffentlich sprach er nie darüber. Sein Outing übernahm ein anderer: Der Filmemacher Rosa von Praunheim verkündete 1991 in einer RTL-Sendung, Biolek sei "stockschwul". Der empfand das zunächst als "unfair", doch später war er froh darüber: "Ich habe da einen Schlag bekommen, der sehr wehgetan hat, aber irgendwo hat dieser Schlag eine Verspanntheit gelöst, die danach weg war."

Schwerer Sturz

Lange war Biolek ein fester Bestandteil der Berliner Gesellschaft. Wenn er eines seiner rauschenden Feste gab, kamen alle: der Regierende Bürgermeister, der Ex-Kanzler, der Bundespräsident. Doch dann veränderte sich sein Leben von einem Tag auf den anderen: 2010 stürzte er auf der Treppe, zog sich Kopfverletzungen zu und fiel ins Koma. Danach war sein Gedächtnis weg. Erst beim Lesen seiner Autobiografie kehrte die Erinnerung zurück.

In der Reha fiel ihm das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse ein: „Nimm Abschied und gesunde!“ Biolek: „Mir ist klar geworden, dass ich eine neue Stufe gehen musste. Ich musste von Berlin nach Köln zurückgehen.“ Denn ihm war aufgefallen, dass er in Berlin zwar viele Bekannte hatte, seine richtigen Freunde aber überwiegend in Köln wohnen. Allen voran kümmerte sich daraufhin sein Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie um ihn.

Von seiner Wohnung aus blickte er über die Wipfel des Stadtgartens mit uralten Bäumen. Dort ging er immer spazieren und sah den Kindern einer nahe gelegenen Schule zu, die dort die Pause verbrachten. Einen Partner hatte er nicht mehr, aber sein Adoptivsohn Scott und seine Freunde kümmerten sich liebevoll um ihn. Zum Kochen oder Verreisen war er zu schwach, aber er konnte immer noch ins Restaurant oder in die Philharmonie gehen.

"Keine Vorstellung, was nach dem Tod passiert“

Angst vor dem Tod hatte Biolek nicht, und er kann auch genau sagen, warum: „Ich habe keine Vorstellung davon, was nach dem Tod passiert, aber ich bin ganz offen, und mit der Haltung werde ich auch das ertragen. Ich habe das Gefühl, ich werde den Tod genauso entspannt erleben wie alle Dinge in meinem Leben.“

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