Melissa Naschenweng in TV-Film: "Von Männern nicht Freude nehmen lassen"
Zu Beginn von „Herzklang – Zurück zu mir“ könnte man glauben, man ist in einem Konzertfilm von Melissa Naschenweng gelandet. Doch es ist der erste Auftritt der Sängerin als Hauptdarstellerin in einem Film. Die Figur Melanie habe nur bedingt mit ihr zu tun, sagt sie im Gespräch: „Melie ist, anders als ich, eine Schlagersängerin, die noch am Anfang steht, da erlebt man auch Enttäuschungen. Es ist wichtig, zu lernen, damit umgehen zu können.“
[MEHR: Weiter unten finden Sie eine Langversion des Interviews mit Melissa Naschenweng.]
Trotz wachsender Fangemeinde beginnt Melie zu zweifeln. Zudem bemerkt sie, dass ihr Freund und Songschreiber Marc (Michael Steinocher) fremdgeht. Sie flüchtet sie in ihre Kärntner Heimat und bewirtschaftet die Alm ihrer gebrechlichen Großmutter.
Das hat dann doch viel mit Melissa Naschenweng zu tun, die selbst oft ihre Heimatverbundenheit betont. Die 35-Jährige sagt: „Ich wollte auch diesen Spagat erklären, den viele noch immer nicht verstehen: Dass es möglich ist, daheim im Stallgewand die Schafe zu melken und am nächsten Tag mit glitzerndem Schickimicki-Outfit auf der Bühne zu stehen. Das heißt nicht, dass der Mensch plötzlich ein anderer ist.“ Sie finde es „schade, dass eine Frau sich immer erklären muss. Bei Männern wird nur geschaut: Wie ist die Musik? Cooler Typ, passt, fertig. Für Frauen ist der Weg nach oben viel schwieriger. Daher war es mir wichtig, dass man den Heimatbezug, der mich auch ausmacht, hier sieht.“
Im Stallgewand bei den Schafen.
Nicht weit zu Papas Schnitzel
Man kann von einer Wiederbelebung des Genres Heimatfilm sprechen, sieht man doch idyllische Bilder aus der Bergwelt Kärntens und Osttirols, wo gedreht wurde. Dahinter steckte oft mehr als 12 Stunden Arbeit pro Tag, wie Naschenweng betont. Da sei es „einfach ein gutes Gefühl“ gewesen, nur „zu wissen, dass es zum Schnitzel ins Gasthaus von meinem Papa nur eine halbe Stunde gewesen wäre.“
Die gekränkte Schlagernovizin Melie (Naschenweng) zieht sich in die heimatlichen Berge zurück. Den feschen Naturburschen spielt Ferdinand Seebacher.
Im Film lernt Melie den Nationalpark-Ranger Ben (Ferdinand Seebacher) kennen. Zu Beginn verläuft das recht freundschaftlich. „Es würde nicht zu ihr passen, wenn sie sich gleich mit einem anderen trösten würde“, sagt Naschenweng. „Sie versucht erst einmal, mit sich selbst ins Reine zu kommen.“
Ob sie sich manchmal gewünscht habe, die Rolle impulsiver anzulegen?
Naschenweng antwortet lachend: „Na dann hätt' sie Melissa heißen müssen!“ Eine solche Entwicklung „in Richtung Melissa“ sei denkbar – falls das Projekt weiterverfolgt werde. Für einen Film alle ein, zwei Jahre sei sie offen, aber: „Die Musik bleibt klar meine Nummer eins.“
Kitzbühel heiß diskutiert
Ist „Promis, Partys, Pistentratsch“ - nach der heurigen Ausgabe mit DJ Ötzi und Lisa-Marie Friedle - für sie noch ein Thema?
Naschenweng: „Ich hab’ erst vor Kurzem gesehen, dass das Thema heiß diskutiert wurde. Dieses Jahr hatte ich keine Zeit, aber es war der Moderationsjob, der mir bisher am meisten getaugt hat und es könnte schon passieren, dass ich nächstes Jahr in Kitzbühel wieder vor der Kamera stehe.“
Männergehabe im Business
Zurück zum Film, wo die Probleme zur Alm kommen. Marc, der mit Melies Managerin Nina (Katharina Pichler) anreist, sagt zu Melie, dass sie ohne ihn nichts wäre.
Ob sie so ein Verhalten im Schlagerbusiness kenne?
„Mein Opa hat schon vor zehn Jahren gesagt: ,Eine Künstlerin ist eine Chefin und keine Angestellte. Alles brauchst du dir nicht gefallen lassen.‘ Das wollte ich durchziehen, aber es war schwer. Da war der Ziehharmonika-Koffer schon öfter zu als offen. Gott sei Dank war mein Papa immer an meiner Seite und hat mich darin bestärkt, mir nicht von Männern, die glauben, über mich bestimmen zu dürfen, die Freude nehmen zu lassen.“
Rom-Com zum Lachen
Auch bei „Herzklang“ erwarte sie Gegenwind: „Es wird natürlich Leute geben, denen das nicht taugt.“ Aber sie glaube, „es ist ein cooler Film für Ostern zum beieinander sitzen.“ Ihr gefalle, „dass er nicht nur romantisch ist. Es ist eine Rom-Com, es gibt auch was zu lachen. Für mich hat der Film einen besonderen Charm und eine Leichtigkeit und Lockerheit. Es passiert eh so viel Drama auf der Welt. Hier muss einmal kein Mord aufgeklärt werden.“
Immerhin sind aber zwei Mineraliendiebe, die illegale Felssprengungen durchführen, dingfest zu machen.
„Die Watsch'n, die ich da ausgeteilt habe, die hab’ ich natürlich auch gern gespielt“, meint sie lachend.
"Gegen das Internet kann man nicht gewinnen"
Das ganze Interview mit Melissa Naschenweng zu „Herzklang“
KURIER: Sie hatten ja schon kleinere Auftritte in den Filmen "Pulled Pork" und "Neo Nuggets", und jetzt Ihre erste Hauptrolle. Was war da der Unterschied?
Melissa Naschenweng: Sicher geht‘s bei den ersten Projekten noch ein bissl darum, die grundlegenden Sachen zu lernen. Bei dem Film war natürlich viel mehr zu tun und das hat mir schon Spaß gemacht. Für mich war wichtig, dass es mit Musik zu tun hat, damit ich mich gut in die Rolle hineinversetzen kann. Aber Melie ist, anders als ich, eine Schlagersängerin, die noch am Anfang steht und da erlebt man natürlich auch seine Enttäuschungen. Es ist wichtig zu lernen, damit umgehen zu können. Und das lernt die Melie jetzt.
Melanie kommt da in einen Konflikt mit einem Mann, der ihr mehr oder weniger sagt, sie wäre nichts ohne ihn. Kennen Sie so etwas
Als junge Sängerin ist es so, dass es immer wieder Männer gibt, die dir sagen wollen: „Ich kenn mich aus und ich sage, wie der Hase läuft.“ Mein Opa hat mir aber schon vor fast zehn Jahren gesagt: "Eine Künstlerin ist ein Chefin und keine Angestellte. Alles brauchst du dir nicht alles gefallen lassen." Das wollte ich durchziehen und damit habe ich schon viele Erfahrungen sammeln dürfen. Nichts passiert umsonst, aber es war schwer. Da war der Ziehharmonika-Koffer schon öfter zu als offen. Aber Gott sei Dank war mein Papa immer an meiner Seite und hat mich bestärkt, weiterzumachen und mir nicht von Männern, die glauben, über mich bestimmen zu dürfen, die Freude nehmen zu lassen.
Sie betonen immer wieder, dass diese Verbundenheit mit ihrer Familie sehr wichtig ist. Sie fahren immer wieder ins Lesachtal. Spiegelt sich das nicht auch in dem Film wider?
Eine Überlegung bei dem Film war: Wenn ich schon sechs Wochen aus meinem Familienleben aussteige, dann möchte ich meine Musik auch einbringen. Und ich wollte auch diesen Spagat erklären, den viele noch immer nicht verstehen: Dass es möglich ist, daheim im Stallgewand die Schafe zu melken, und am nächsten Tag mit einem Schickimicki-Outfit auf der Bühne zu stehen. Dort ist es part of the game, dass es ein bisschen mehr glitzert. Das heißt aber nicht, dass der Mensch plötzlich ein anderer ist. Ich finde es total schade, dass eine Frau sich immer erklären muss. Bei Männern wird nur geschaut: Wie ist die Musik? Cooler Typ, passt, fertig. Für eine Frau ist der Weg nach oben viel schwieriger. Daher war es mir auch wichtig, dass man diesen Heimatbezug, den ich Gott sei Dank nach wie vor habe, und der mich auch ausmacht, hier sieht. Wenn ich nicht immer wieder mal nach Hause kommen würde und das Handy ausschalten und durchatmen könnte, dann wäre ich niemals zu acht Amadeus Awards gekommen. Das gehört bei mir einfach zusammen.
Die Dreharbeiten fanden auch in der Nähe Ihrer Heimat statt. Wie war das für Sie?
Genau, wir haben viereinhalb Wochen im Nationalpark Hohe Tauern gedreht, in Matrei, Felbertauern und Dellach im Drautal, und den Rest in Wien. Für mich war es einfach ein gutes Gefühl, allein schon zu wissen, dass es zum Schnitzel ins Gasthaus von meinem Papa nur eine halbe Stunde gewesen wäre. Mit dem Wissen quasi daheim zu drehen, waren auch 12 bis 14 Stunden pro Tag leicht machbar. Heimat gibt Kraft!
In der Geschichte ist Melanie diesem Naturburschen zuerst fast ein bisschen freundschaftlich verbunden, wollte man bewusst nicht eine reine Love Story erzählen?
Melanie ist ja ganz frisch im Liebeskummer. Es würde nicht zu ihrem Charakter passen, wenn sie sich gleich mit einem anderen trösten würde. Sie ist ein Mädl, das ganz genau weiß, was sie will. Sie versucht erst einmal, mit sich selber ins Reine zu kommen und hat nicht den Gedanken, sich gleich wieder jemanden aufzureißen, das wäre irgendwie strange.
Melie ist auch sehr naturverbunden, familienbewusst und wirkt allgemein recht friedfertig. Hätten Sie sich manchmal gewünscht, das ein bisschen energischer spielen zu können?
Na dann hätt' sie Melissa heißen müssen! (lacht) Das unterscheidet die beiden definitiv. Aber wer weiß, was sie noch lernt. Vielleicht geht es ja irgendwann weiter, dann könnte man die Melanie schon ein bisschen in Richtung Melissa umschreiben. Also wenn ich so zurückdenke: Ich habe mich am Anfang auch wenig getraut, habe immer versucht, Ja zu sagen. Man braucht eine gewisse Erfahrung und einen Background, zu wissen, dass man auch allein da stehen kann. Mittlerweile traue ich mich schon Einiges, da bin ich schon ein bisschen härter geworden.
Ohne jetzt direkt vergleichen zu wollen, aber Hansi Hinterseer hat auch mehrere Filme gemacht, Haben Sie auch den Plan, jetzt mehr in die Schauspielerei zu gehen?
Wenn ich die Schauspielerei mit Musik verbinden kann, ist es sicherlich ein Thema, aber ich habe so viele Live-Auftritte. Die Musik bleibt ganz klar meine Nummer eins. Ich habe eine Band, eine Crew von zwanzig Leuten. Die lasse ich jetzt nicht alle hängen, nur weil ich plötzlich glaub‘, ich muss jetzt Filme machen. Aber alle 1-2 Jahre ein Film würde sich schon ausgehen, habe ich mir gedacht. Aber das entscheide ich ja nicht allein, getaugt hat es mir auf jeden Fall sehr.
Humorige Szenen mit Michael Steinocher und Katharina Pichler.
Sind Sie schon gespannt auf die Social-Media-Reaktionen?
Es wird natürlich Leute geben, denen das nicht taugt, das ist wie bei der Musik. Ich finde es gut, dass der Film zu Ostern läuft, ich glaub, es ist ein cooler Film für Familien zum beieinander sitzen. Es kommt meine Musik vor, für die Leute, die sich für mich als Melissa interessieren, kommt ein bisschen von meinem Weg vor. Auch ein bisschen Natur ist dabei - für die Leute, die gern Heimatfilme schauen. Aber was ich an dem Film besonders finde, ist, dass er nicht nur romantisch ist. Es ist ja eher eine Rom-Com. Der Michael Steinocher und die Katharina Pichler haben schon einiges dazu beigetragen, dass die Leute auch was zu lachen haben. Für mich hat der Film einen besonderen Charme und eine Leichtigkeit und Lockerheit. Es passiert eh so viel Drama auf der Welt. Es ist einmal kein Film, wo ein Mord aufgeklärt werden muss. (lacht)
Ein bisschen Verbrechen kommt schon vor. Wenn diese Mineraliendiebe hopp zu nehmen sind ...
Ja. Die Watsch'n, die ich da ausgeteilt habe, die hab‘ ich natürlich auch gern gespielt. Im echten Leben würde das ja bestraft werden. (lacht)
"Ich mach es für die Leute, denen es gefällt"
Im Film kommen auch die Fan-Reaktionen prominent vor. Inwieweit ist für Sie Social Media nur ein Tool, um Ihre Inhalte zu verbreiten oder beschäftigt Sie das auch selbst stark?
Ich mach' das alles selber. Das gehört zu den Sachen, die ich tagsüber am meisten bediene. Es gehört einfach dazu, man erwischt die Leute, natürlich erwischt man auch die Leute, die man eigentlich nicht erwischen will. Aber das ist auch part of the game. Man muss auch damit umzugehen lernen, gegen das Internet kann man nicht gewinnen, weil man nie fertig wird damit, sich zu erklären. Ich sag immer: „Ich mach‘ nur Musik, ich tu‘ keinem was.“ Wem das nicht taugt, der kann auch einfach was anderes hören. Mehr ist es nicht. Wenn Leute mir ihre wertvolle Zeit schenken und sich über mich aufregen, dann mach ich scheinbar etwas richtig. Von dem her bin ich mittlerweile sehr gechillt, was das angeht und denke so: Ich mache es für die Leute, denen es gefällt, für die anderen mache ich es eh nicht.
Sie wirken so alterslos im Auftreten, aber sie bedienen einen gewissen Typ von Frau. Wie sind denn so Ihre weiteren Pläne? Kann es da noch mehr in Schauspielerei gehen? Werden Sie sich musikalisch vielleicht auch einmal in eine andere Richtung entwickeln?
Natürlich sind wir wieder dabei, neue Lieder aufzunehmen. Das wichtigste ist für mich die Musik, und das wird sie immer bleiben. Es macht eine riesige Freude, mit so einer coolen Band auf der Bühne zu stehen. Oft ist es nicht gut, wenn man sich zu viele Gedanken macht, wie man sich weiterentwickeln könnte, sondern einfach bei dem bleibt, was funktioniert. Natürlich wird es ein paar Ausflüge in Kooperationen geben. Ich habe zum Glück einen Beruf, bei ich so viel ausprobieren kann und das liebe ich. Ich möchte Leute auch motivieren, mutig zu sein. Nicht immer funktioniert alles, aber es ist ja wurscht. Wir sind auf der Welt, um Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen. Ich bin aber Musikerin - und der Film war ein wunderschöner Ausflug. Wenn es wieder ein Angebot für so einen Ausflug gibt, dann ich werde euch darüber berichten und werde es natürlich wieder machen.
Und zu "Promis, Party, Pistentratsch": Wollen Sie das - nachdem heuer DJ Ötzi und Lisa-Marie Friedle an der Reihe waren - im kommenden Jahr wieder machen?
Ich hab erst vor Kurzem gesehen, dass das so ein heiß diskutiertes Thema war. Dieses Jahr hab ich dafür keine Zeit gehabt, aber ich muss sagen: Es war der Moderationsjob, der mir bisher am meisten getaugt hat und es könnte schon passieren, dass ich nächstes Jahr in Kitzbühel wieder vor der Kamera stehe. (lacht)
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