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Kultur Medien
01/27/2021

Melisa Erkurt: Journalismus für junge Menschen auf Instagram

Die Journalistin hat den ORF-Report verlassen und gründet eine neue Plattform. Sie fordert mehr Transparenz im Journalismus.

von Philipp Wilhelmer

Die Journalistin und Bildungsexpertin Melisa Erkurt hat beim ORF-"Report" wieder aufgehört. Sie gründet nämlich ein eigenes Medium: Ein Netzwerk von jungen Menschen für junge Menschen.

Erkurt, die im Vorjahr mit „Generation Haram“ eines der meistdiskutierten Bücher über das heimische Bildungswesen veröffentlicht hat, setzt ihre Erfahrungen aus Workshops mit Schülerinnen und Schülern um und startet mit dem Magazin Biber das „Biber Newcomer-Netzwerk“, das heute, Mittwoch, an den Start geht. Der Name: Die Chefredaktion. Ein Spiel mit bestehenden Machtstrukturen in der Medienbranche, die jungen migrantischen Menschen oft verschlossen bleiben. „Und außerdem spielt es mit dem Wort Boss“, sagt Erkurt zum KURIER. Sie selbst hat sich den Jobtitel „Programmdirektorin“ gegeben – eine Anspielung auf die gleichnamige mächtige Position im ORF.

Was unterscheidet Die Chefredaktion von Medien wie etwa dem KURIER? Einerseits der Verbreitungskanal: Das Medium geht ausschließlich auf der Social Media-Plattform Instagram online. Ein Umstand, der dem Nutzverhalten der angepeilten Zielgruppe geschuldet ist: Die ist laut Erkurt 14 bis 24 Jahre alt und treibt sich leidenschaftlich auf Instagram herum. „So wie wir jetzt Journalismus machen, werden wir nie die junge Zielgruppe erreichen“, glaubt Erkurt – „weil wir sie nicht mitnehmen.“

Ein Leitmotiv ist Transparenz: Wie die Redaktion zusammengestellt wird, ist ebenso Teil der Berichterstattung wie die Auswahl und Gewichtung von Themen oder Gesprächspartnern. „Das ist ein richtiges Making-of“, so Erkurt. „Wir definieren Journalismus neu. Es funktioniert nicht mehr, dass wir sagen, ,der Journalismus ist neutral und bezieht keine Stellung’. Die neue Zielgruppe will, dass wir unsere Haltung offenlegen. Sie wollen wissen, wie Redakteurinnen und Redakteure arbeiten. Das muss alles transparent gemacht werden.“

Zudem vermische sich auf Instagram und anderen Social Media-Plattformen zunehmend die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus. Demgegenüber steht die alte journalistische Haltung, sich nur nicht zur Partei zu machen: „In manchen Chefredaktionen gilt schon gendern als aktivistisch. Die Jungen finden es hingegen aktivistisch, wenn ein Chefredakteur mit dem Kanzler was trinken geht.“ Eine Haltung, die Erkurt selbst nicht teilt, aber sie appelliert, transparent mit solchen Annäherungen umzugehen.

Kein Migrantenkanal

Gesucht werden junge Migrantinnen und Migranten, deren Stimme in vielen herkömmlichen Medien nicht genügend gehört wird. Hier schließt sich ein Kreis, so Erkurt: „Junge Themen kann man ohne Diversität nicht denken. Das setzen Jugendliche voraus.“ Teilhabe von migrantischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird groß geschrieben, allerdings richtet sich das Angebot auch an die junge Mehrheitsgesellschaft: „Das ist kein Migrantinnenkanal“, betont die „Programmdirektorin“. die_chefredaktionPhilipp Wilhelmer

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