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Kultur Medien
06/14/2021

"Loki" auf Disney +: Die Renaissance der nordischen Götter

Tom Hiddleston spielt einen Antihelden, der einst eher Opern-Abonnenten und Edda-Lesern bekannt war

Von Gabriele Flossmann

Wenn sich Hollywood in der nordischen Mythologie bedient, sind wir im Comic-Universum von Marvel gelandet. Der Gott des Unfugs kehrt zurück: Loki, der Gott des Feuers, des Schabernacks, des Bösen und der Verwandlung. Loki ist ein dämonischer Trickster, halb Gott, halb Riese, ein Gestaltenwechsler, der sich in Adler, Stute, Lachs, eine Fliege oder altes Weib verwandeln kann.

Aus dem Super-Antagonisten einer Reihe von „Avenger“-Filmen ist nun ein Serien-Star geworden. Dank Disney+ geht die windigste Figur der nordischen Mythologie nun „on air“.

Aus diesem Anlass stellten sich die Regisseurin Kate Herron, die bereits mit der Komödie „Sex Education“ auf sich aufmerksam machte, und die Hauptdarsteller Tom Hiddleston (Loki) und Owen Wilson (Mobius M. Mobius) einer Pressekonferenz, in der sie Eindrücke in die neue „Loki“-Serie vermittelten.

Vor den Marvel-Filmen war Loki eigentlich nur noch Mythenforschern, Opern-Abonnenten und älteren Comic- und Edda-Lesern ein Begriff. In der mittelalterlichen Epik zog er als windiger Ausputzer mit Thor und Odin um die Häuser. In Wagners Rheingold diente er dem „Godfather“ Wotan als Berater. In der Edda wird Loki als schön von Gestalt, aber bös von Gemüt und sehr unbeständig beschrieben.

In den Marvel-Heften wurde er dagegen eher unattraktiv dargestellt. Mit grantig-wilder Miene und gehörntem Helm. Aufgehübscht durch seinen Darsteller Tom Hiddleston, kommt Loki in Film und Fernsehen wieder Edda-getreu als Feschak daher.

Auch in der neuen Serie. Als attraktive Mischung aus Irrsinn, großäugiger Verletzlichkeit und physischer Grazie. Aus der Nebenfigur nordischen Sagenwelt ist – dank Marvel – inzwischen ein Popstar geworden.

Heute ist Loki ein Symbol der Queerness und ein Held der nerdigen Außenseiter. In den Comic-Heften wird übrigens immer wieder angedeutet, dass Loki bisexuell sein könnte. Bei der Pressekonferenz wollte man auf dieses Thema aber nicht eingehen.

Eher darauf, dass Tom Hiddleston die vergessene nordische Sagengestalt zum intellektuellen und sexualpolitischen Leitbild machen wolle. Die Schurken, so Hiddleston, seien immer interessanter als die Helden. Und er vergleicht seine Interpretation des Loki mit Shakespeare-Bösewichten – wie etwa den Coriolanus, den er schon auf einer Londoner Bühne gespielt hat. Loki ist demnach nicht irgendein „guy you love to hate“, also einer, den man gerne hasst.

Doch nicht tot

Wer den Antihelden auf der Leinwand verfolgt hat, weiß auch, dass er in „Avengers: Infinity War“ sein Ende durch Thanos fand. Weil er den Tesseract kontrollierte, einen pulsierenden Energiewürfel, der es möglich macht, in verschiedenen Zeitlinien zu reisen. Die neue Serie geht davon aus, dass Loki nicht tot ist, sondern dass ihm mit dem Diebstahl des Tesseract die Flucht durch eine Teleportation an einen unbekannten Ort gelungen ist. Damit hat er das Zeit-Raum-Gefüge des Universums verändert.

Eine Organisation namens TVA (Time Variance Authority) zwingt den gefangen genommenen Loki, gemeinsam mit Mobius M. Mobius, gespielt von Owen Wilson, das Chaos wieder in Ordnung zu bringen.

Loki springt somit in die wichtigsten Momente des Marvel Cinematic Universe, um den Zeitstrahl wieder zu korrigieren – mit reichlich Widerwillen, versteht sich.

Überhaupt feiern die alten nordischen Götter derzeit eine Renaissance. Auf der großen Leinwand, kleineren Bildschirmen aber auch in kleinen heidnischen Vereinen, die die Marvel-Protagonisten als Chance sehen. In der Hoffnung, dass Odin, Thor und Co. mittels Popkultur ihr braunes Image verlieren.

Denn Rechtsextreme benutzen die germanische Mythologie, um sie im Sinne ihrer Ideologie umzudeuten. Mal sehen, ob ein so diverser Loki, wie ihn Tom Hiddleston verkörpert, auch dagegen etwas tun kann.

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