"Himmel, Herrgott, Sakrament": "Kirche ist für viele immer noch wichtig"
Mit der katholischen Kirche hat Stephan Zinner eigentlich nicht so viel am Hut: „Das ist ein ganz schöner Apparat“, sagt der bayrische Schauspieler im KURIER-Gespräch. Er selbst ist evangelisch aufgewachsen, sei jetzt „nirgendwo mehr eingetragen“. Sich für seine aktuelle Serienrolle ausgiebig mit Glauben und Religion zu beschäftigen, habe aber „gar nicht geschadet“, findet der 51-Jährige.
In „Himmel, Herrgott, Sakrament“ gibt er den unkonventionellen Pfarrer Hans Reiser, am Freitag (10. April, 20.15 Uhr) startet im BR die zweite Staffel. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Buch des Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler, der immer wieder offen Kritik an der Kirche übt. „Er hat eine andere Idee von dem Ganzen. Es war interessant, ihn beim Gottesdienst zu besuchen, ihn in der Gemeinde und mit den Leuten zu sehen.“
Junge Gläubige
Dabei habe Zinner bemerkt, dass „auch sehr viele Junge wieder aktiv den Glauben suchen. Ich verstehe das: Wenn es wild um dich herum ist, dann suchst du etwas. Und Kirche und Religion an sich sind eine gute Möglichkeit, etwas zu finden. Für mich nicht, aber für andere.“ Die Kirche sei „für viele immer noch ein ganz wichtiger Punkt im Leben. Das muss man achten und wir tun es in der Serie auf unsere Art und Weise.“
Erneut auf der Kirchenbank: Anne Schäfer und Susi Stach.
Der BR hat nach der ersten Staffel den „erfolgreichsten Serienstart“ des Senders „in diesem Jahrtausend“ verkündet, im ORF erreichte man im Vorjahr einen Marktanteil von 33 Prozent. (Ein ORF-Ausstrahlungstermin für Staffel 2 ist derzeit nicht bekannt.)
Warum die Serie gut ankommt? „Ich glaube, der Pfarrer ist eine Figur, die immer noch eine ganz besondere Position hat.“ Alleine wegen des Zölibats, „das ja nicht mehr sein muss“. Generell scheint der Pfarrer eine beliebte Serien- und Filmfigur zu sein. Zinner erinnert sich etwa an den letzten Teil der „Knives Out“-Reihe „mit dem fantastischen Josh O’Connor. Der Hund is guat!“, sagt er im schönsten Bayrisch.
Die Grenzen, die der Rahmen der Kirche mit sich bringe, „schaffen einen geeigneten Raum für eine Geschichte, die dann die eine oder andere Mauer umschmeißt“, so Zinner. „Darum ist das interessant als Filmsetting.“
In „Himmel, Herrgott, Sakrament“ stößt sein Pfarrer Reiser etwa auf Widerstände, weil er eine Freundin hat (Anne Schäfer), ein lesbisches Paar segnen oder seinen Vater noch einmal trauen möchte. Dadurch kommt es zu Konflikten mit dem Kardinal (Erwin Steinhauer). Österreichische Beteiligung gibt es aber auch von Susi Stach als Stadträtin.
Pfarrer Reiser bei der Arbeit.
Bei so mancher religiöser Person hat die Geschichte des ungewöhnlichen Geistlichen übrigens etwas weniger Anklang gefunden: „Wir haben am Gotzinger Platz in München gedreht und ich bin in meinem Kostüm Richtung Kirche gegangen“, erzählt Zinner. „Da sind gerade drei ältere Damen aus der Pfarrei gekommen und eine hat gesagt: ,Herr Zinner, das wollte ich Ihnen sagen: So einen Pfarrer wie Sie brauche ich nicht.‘ Das ist eine Meinung, und das ist auch okay.“
Furchtbar grausig
In einer anderen Rolle ist der Schauspieler in der Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“ an der Seite von Johanna Wokalek zu sehen – zuletzt ermittelte das Duo im Fall „Ablass“, in dem eine Leiche in der Isar gefunden wurde: „Das war furchtbar grausig. Die Leiche war auch gut gemacht. Da muss man dann auch nicht viel spielen.“
Johanna Wokalek und Stephan Zinner stehen als Ermittlerduo in einer düsteren Szene der Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“ nebeneinander.
Für den nächsten, sechsten gemeinsamen Fall drehten die beiden mit dem Österreicher Adrian Goiginger. „Die Arbeit mit ihm hat mich sehr beeindruckt. Das Spannende ist, dass du jedes Mal einen neuen Regisseur oder eine neue Regisseurin bekommst, die anders arbeiten, aber trotzdem die Figuren weitererzählen.“
Ein Ausstrahlungstermin für den Krimi ist noch nicht fixiert. In Aktion sehen kann man Zinner in der Zwischenzeit aber auch auf Kabarettbühnen, etwa im Juli mit Hannes Ringlstetter im Theater im Park in Wien.
Und wird es mit „Himmel, Herrgott, Sakrament“ weitergehen? „Ich würde mich freuen“, so Zinner. Die Entscheidung liege aber bei anderen. „Eine Prophezeiung möchte ich nicht abgeben“, schmunzelt er.
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