Harald Windisch strebt das Scheinwerfer-Licht nur bei der Arbeit an

© Satel Film/Andreas Lepsi/LEPSIFOTO

Kultur Medien
10/06/2019

Harald Windisch spielt, „wenn es sich richtig anfühlt“

Film, TV oder Theater: Der Tiroler kann Charakteren viele Seiten abgewinnen. Wie im Polit-Thriller „Wiener Blut“ (20.15, ORF2)

von Christoph Silber

Die Wiener Staatsanwältin Fida Emam (Melika Foroutan) wird vom Polizisten Markus Glösl (Harald Windisch) zu einem vermeintlichen Suizid an die Donau geholt. „Warum soll sich einer hier aufhängen, wenn er von der Brücke hupfen kann?“, fragt Glösl sich und die Staatsanwältin. Deren Antwort – „vielleicht ist er wasserscheu“ – beseitigt die Zweifel nicht. Die folgenden Ermittlungen führen zu Geldwäsche, Freunderlwirtschaft, Islamisten-Terror und rechten Netzwerken. Nebstbei wird noch eine ägyptisch-wienerische Familien-Geschichte um drei sehr verschiedene Frauen erzählt.

Der Thriller „Wiener Blut“ (20.15 Uhr, ORF2), von Barbara Eder inszeniert und von Martin Ambrosch geschrieben, ist vordergründig eine spannende, politische Geschichte mit Anklängen von Ibiza, was zum Zeitpunkt des Drehs nur der Name einer Insel war. „Das, was es hier zu sehen gibt, ist die Realität – wenn auch in einem fiktionalen Film abgebildet. Hinter vorgehaltener Hand weiß das eh jeder“, stellt Schauspieler Harald Windisch fest.

Von der emotionalen Seite her betrachtet, sei „Wiener Blut“ aber ein Film, in dem viele „ihren Sehnsüchten nachlaufen, ihre Identität suchen“, sagt der Tiroler. Auch Glösl, der sich kaufen lässt, „aber zu seinem Glück wieder zurückfindet.“ Das eröffnet dem eine Zukunft, sollten die Quoten passen und mehr aus „Wiener Blut“ werden...

Leidenschaft

Es sind sehr unterschiedliche Charaktere, als die Windisch derzeit vor allem im Fernsehen zu sehen ist. „Diese Vielfalt an Rollen macht Spaß und das Spielen ist ja eine Leidenschaft.“ Derzeit dreht er wieder für „Walking on Sunshine“. Als Karl Czerny-Hohenburg und Tilias Mann ist er dort ja auch schon an der Korruption angestreift.

Ganz anders wird man ihn im ORF-Drama „Ein Dorf wehrt sich – Das Geheimnis von Altaussee“ im Dezember erleben. Darin geht es um die belegte Rettung von Kunstwerken in den letzten Tagen des Nazi-Regimes. „Der Film ist viel näher an der Historie, als es Clooneys ,Monuments Men‘ war“, betont der 52-Jährige. Es sei ein ruhiger, trotzdem emotionaler Film über die Bergleute und Widerstandskämpfer. „Der schönste Satz darin ist für mich: ,Wir müssen uns wehren – mehr als den Kopf kann es uns nicht kosten.‘ Und darum geht es ja: Gegen Unrecht etwas zu tun.“

Trotz erhöhter Präsenz zieht’s den Familienvater medial nicht in die erste Reihe. „Es gibt Kollegen, die können das besser.“ Seiner Zurückhaltung wegen „dauert halt alles etwas länger. Aber es fühlt sich richtig an. Ich habe aber auch gelernt, dass man manchmal anders sein muss.“

Windisch hielt auch seinen Auftritt in „James Bond: Spectre“ geheim und danach klein: „Das ist eine Randnotiz, weil es auch ein Randauftritt war. Aber es war spannend, auf dem großen Set in den Pinewood Studios gewesen zu sein. Ich weiß nun, dass alles möglich und Sam Mendes ein wunderbar ruhiger Regisseur mit genauen Vorstellungen ist – und das habe ich in Österreich auch. Wir machen das schon nicht schlecht.“ Nächste Gelegenheit, das zu zeigen, ist der anstehende Dreh für den Nordtiroler Landkrimi.

Windischs Leidenschaft, hört man durch, gilt weiter auch dem Theater, wofür er noch während der Schule in Innsbruck engagiert wurde – und aus dem er für zwei Jahre ausstieg, weil ihm der Erfolg zu schnell ging. Später kam München, um danach überhaupt zurück an den Start, ans Kellertheater, zu gehen.

Obwohl er so viel dreht, sagt er: „Wenn ich mich schon für diesen Beruf entschieden habe, dann möchte ich ganz gern auch Theater spielen.“ Wie im Werk X, wo „Gegen die Wand“ im 7. Jahr läuft und davor als Kasimir in der Josefstadt. Und wie wäre es mit schreiben oder inszenieren? „Wenn es sich richtig anfühlt.“

Zur Person: Harald Windisch

Geboren 1966,  absolvierte er die Schauspielausbildung am Innsbrucker Kellertheater und spielte früh in freien Produktionen in Wien und Innsbruck und dann am Volkstheater München bei Ruth Drexel. Ein Fix-Engagement lehnte er ab und er nahm sich eine Auszeit.

Weitere Stationen waren u. a.  Tiroler Landestheater, Bregenzer Festspiele, Berliner Ensemble und die Josefstadt.

Zuletzt spielte der Innsbrucker vor allem fürs Fernsehen und Kino (Auswahl): „Der stille Berg“, „Vals“, „Das Team“, „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ und  „Das Wunder von Wörgl“.