Sexualstraftäter Eichinger (Harald Windisch) will nach der Haft auf Norderney untertauchen - und trifft ein Schulmädchen (Elisa Schlott) auf der Flucht, das ihm viel Geld bringen könnte

© ZDF und Sandra Hoever/Sandra Hoever/ZDF

Kultur Medien
03/20/2021

Harald Windisch: „Schauspiel ist immer Risiko"

Der Tiroler über den Krimi „Ostfriesenangst" (20.15, ZDF), die Rolle des Vergewaltigers, Corona-Mühen und neue Projekte

von Christoph Silber

Er ist vielleicht ein Mörder, jedenfalls ein Serien-Vergewaltiger, das „Monster von der Au“ nannten ihn die Zeitungen. Das BKA hat Eichinger (Harald Windisch) als rückfallgefährdet eingestuft. Nach seiner Freilassung versucht er unterzutauchen, doch was ihm fehlt ist Geld. Auf Norderney trifft Eichinger ein Schüler-Pärchen, das ebenfalls auf der Flucht ist – hat es bei einer Watt-Wanderung einen Lehrer verschwinden lassen, wie Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) vermutet? Für Eichinger könnte die beiden zur Geld-Quelle werden. Ein Unbekannter hat bei ihm einen Film geordert. Mit nur einer Regie-Anweisung: „Ich möchte, dass es dem Mädchen weht tut. Richtig weh.“

Grenzerfahrung

„Ostfriesenangst“ ist die fünfte, sehr düster gehaltene Verfilmung einer Romanvorlage von Klaus-Peter Wolf (20.15, ZDF). Für den Tiroler Harald Windisch („Das Wunder von Wörgl“) ist die Darstellung des Sexualstraftäters eine Grenzerfahrung. „Gewartet habe ich auf diese Rolle nicht, das gebe ich zu. Für einen Krimi-Leser ist so eine Figur wohl ganz okay, zum Spielen ist das schon was Anderes. Man stellt ja nicht einfach mal einen Vergewaltiger dar und ich wüsste auch nicht, wenn ich fragen könnte“, meint er im KURIER-Gespräch.

Geholfen hat Windisch eine einfache wie beängstigende Erkenntnis. „So etwas hat niemand auf seiner Stirn stehen. Es kann also jeder sein und so ist das zu spielen.“

Katharsis

In vielen Gesprächen mit Regisseur Hannu Salonen („Oktoberfest 1900“) wurde eine Vita Eichingers entwickelt. „Dieser Mensch weiß ursprünglich nicht, was Empathie ist oder Liebe - er hat sie nie erfahren. Anders als im Buch hat er im Film den Weg der Katharsis begonnen, seine Vergangenheit und seine Dämonen wird er aber nicht los. Trotzdem hoffe ich, dass Eichinger das Publikum in seiner nahe liegenden Meinung zwischendurch ins Wanken bringen kann.“

Große Worte werden im „Ostfriesenangst“ nicht gemacht, viel erspielt sich Windisch nur mit seinem Gesicht - mit Mimik, Blicken, auch Tränen. „Diese Rolle eines Getriebenen zu erarbeiten und dabei nicht plakativ zu werden, das war wirklich diffizil.“

Eineinhalb Jahre sind die Dreharbeiten her. „Ich habe kein Problem damit, so eine Rolle gespielt zu haben“, sagt der 55-Jährige im Rückblick. „Schauspiel ist immer Risiko, und wenn ich eine Rolle übernehme, dann zu 100 Prozent.“

Hubschrauber-Einsatz

Auf der anderen, der vorgeblich richtigen Seite des Gesetzes steht der Innsbrucker im ZDF/ServusTV-Zweiteiler „Il Pastore“, der im Sommer/Herbst 2020 von Regisseur Andreas Prochaska umgesetzt wurde und im Herbst zu sehen sein wird. Es ist eine Mafia-Geschichte, die vor allem in Südtirol spielt und in der Windisch als ermittelnder Carabiniere den Winzer Matteo (Tobias Moretti) ins Visier nimmt.

Zu einem Gutteil wurde auf italienisch gedreht, was Windisch mal studiert hat. „Die Auffrischung meiner Sprachkenntnis hat viel Spaß gemacht und einmal mit italienischen Kollegen zu arbeiten, war spannend“, lacht er. Vor dem Produktionsteam zieht er den Hut. „Unter Corona-Bedingungen, speziell auch mit den Unsicherheiten wegen Aus- und Einreisen, einen solchen Dreh über die Bühne zu bringen, ist eine enorme Leistung.“

Unsicherheiten

Auch Windisch war ein „Unsicherheitsfaktor“. Denn gleichzeitig stand er noch für „Walking on Sunshine“ und im Zillertal für Adrian Goigingers Einsiedler-Drama „Märzengrund“ vor der Kamera. „Eine so eine intensive Geschichte und eine unfassbar schöne, karge Landschaft“, erinnert er sich.

Die Parallelität der Produktionen erklärt sich aus dem Rückstau durch die Corona-Dreh-Pause. „In meinem Fall was es ein Hin und Her. Zwischendurch war schon überlegt worden, Hubschrauber für den Transport einzusetzen. Aber ich bin wirklich froh und dankbar, dass wir das alle hingebracht haben.“

Korrumpl-Dasein

Derzeit dreht Windisch wieder für „Walking on Sunshine“. Sein Karl Czerny-Hohenburg, inzwischen Begleiter der Bundeskanzlerin, kann von karierten Mänteln ebenso wenig lassen wie vom Korrumpl-Dasein. „Er kann halt nicht aus seiner Haut – und soll auch nicht.“ Mit „Walking on Sunshine“-Regisseur Chris Raiber geht“s danach auch weiter. Ab April wird fürs Kino das Großstadtmärchen „Unter der Haut der Stadt“ mit Verena Altenberger gedreht. „Auch da gehöre ich zu den eher skurrilen Figuren.“ Doch das stört Windisch nicht. „Ich bin froh, dass es so läuft –wenn ich daran denke, wie das vor fünf Jahren noch war. Die harte Arbeit zahlt sich aus, die Performance wird immer besser und vor allem ist die Leidenschaft für diesen Beruf jetzt auf 100 Prozent“, sagt der ROMY-Nominee des Vorjahres.

 

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