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Kultur Medien
07/03/2019

Harald Schmidt verstört die Millennials

In vorab kursierenden Interviewzitaten ätzt er über "Daddy Weichei" und ortet Sprachpolizei auf Social Media.

von Philipp Wilhelmer

Harald Schmidt macht wieder von sich reden: In dem ORFIII-Format "Kultur Heute" (Ausstrahlung morgen, Donnesrtag um 19.45 Uhr) meckert er über Väter, die sich um ihre Kinder kümmern und ortet eine Sprachpolizei auf Social Media. Kurz gesagt: Er verstört die Millennials mit Zitaten Marke "Alter weißer Mann".

ORFIII hat einige Passagen vorab zur Bewerbung der Sendung ausgesendet. Anbei eine Auswahl:

Schmidt über sein Rollenverständnis als (fünffacher) Familienvater:

„Sehr traditionell. Und um es klar zu formulieren: Ich habe mich nie zum Familientrottel machen lassen. Oder wie ich es nenne: Kategorie „Daddy Weichei“. Der Mitt- bis End-Dreißiger mit Struwwel-Pudelmütze und Baby vor dem Bauch. Die Mutter sitzt im Cafe und verändert die Welt und er kriecht dem vollgekotzten Baby im Hipp-Cafe auf allen Vieren hinterher. Nicht meine Welt. Wer das will: Bitte!“

Über das neue Männerbild:

„Man ist eigentlich in Deutschland verpflichtet, zu sagen: Der größte Moment in meinem Leben war, als ich bei der Geburt meines Kindes dabei war. Das ist Pflicht. Und dann noch die rustikale Version: Mir schoss das Wasser waagrecht aus den Augen, denn da habe ich gemerkt, wie klein ich bin.“

Über Social Media:

„Heute würde ich mir sehr genau überlegen, was ich auf einer Bühne mache. Man muss heute damit rechnen, dass alles über ein soziales Netzwerk gleich rausgeht, verkürzt, falsch mitgeteilt und falsch kommentiert wird. Und dann ist man in einem Strudel drin, auf den ich keine Lust habe. Mit den heutigen Maßstäben, auch der Political-Correctness, der Sprachpolizei und des links-liberalen Mainstreams hätte ich meine Show nach einer Woche abgenommen bekommen.“

Über das Ende seiner Late-Night-Show:

„In der Schlussphase meiner Show hatte ich so gut wie kein Publikum mehr in meiner Show. Und die, die wir hatten, waren dafür bezahlt, dass sie kommen. Das waren Leute, die zu 4 Quizshows am Tag gehen, die haben überhaupt nichts mehr verstanden. Das hätte man in den Deutschen Pavillion nach Venedig schicken sollen. Das war ein Kunstprojekt, da kriegen andere 2 Millionen Euro Fördermittel dafür.“​

Über Künstler Ai Weiwei:

„Da ertrank ja vor einem Jahr ein Junge, der von der Türkei nach Griechenland kam. Alle Welt war geschockt von diesem Foto. Und dann legt sich der dicke Ai Weiwei auch noch auf den Strand und stellt dieses Foto nach, um uns das ins Bewusstsein zu holen. Das halte ich für obszön. Das ist das kommerzielle Ausbeuten von Elend, von Leuten, die keine Wahl hatten.“

Mit Sebastian Kurz würde Schmidt gerne Mittagessen, weil....  „ich es unglaublich bewundere, wenn einer in diesem Alter schon so eine Karriere gemacht hat.“

Emotional bewegt ist Schmidt, wenn.... „ich Schauspielerinterviews höre, wo sie glauben, sie würden politisch was bewirken.“

Die "Ehe für alle" findet Schmidt gut, weil.... „man sich sonst unbeliebt macht.“