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"Gomorrha – Wie alles begann": Die Vorgeschichte der Mafiaserie

Das Prequel erzählt die Geschichte von Don Pietro und Donna Imma. Der Tonfall unterscheidet sich dabei von der Originalserie.
"Gomorrha"-Prequel: Fünf junge Männer in Kleidung der 1970er Jahre stehen vor Bäumen.

Beim Titel „Gomorrha“ hat man gleich ein klares Bild vor Augen: Blut, Schießereien, brennende Autos und Männer mit kaltem Blick. Der italienische Autor Roberto Saviano hat mit seinem Roman über die Machenschaften der neapolitanischen Mafia 2006 einen Weltbestseller geschrieben, der sein Leben nachhaltig verändert – sprich: gefährdet – hat. Es folgten ein Kinofilm (2008) und eine Serie mit fünf Staffeln (2014–2021), die den Inhalt in krasse Bilder übersetzten.

Und so glaubt man kurz, in der falschen Serie gelandet zu sein, als zu Beginn von „Gomorrha – Wie alles begann“ (Originaltitel: „Gomorra – Le origini“) eine Gruppe fröhlicher Teenager in Schlaghosen zu einem beliebten Discosong tanzt. Keine Sorge, es wird schon noch brutal. Aber nicht sofort.

Das neue Spin-off (zu sehen bei HBO Max) erzählt in sechs Folgen die Vorgeschichte der Mafiabosse Don Pietro und Donna Imma, die in der Originalserie – sorry, Spoiler – ein dramatisches Ende gefunden haben.

Essen, bis zum Platzen

Für das Prequel geht es zurück ins Neapel der 70er Jahre: Der jugendliche Pietro (Luca Lubrano) und seine Freunde wachsen in einer Stadt auf, in der es große Träume schwer haben. Sehnsuchtsvoll blicken sie auf jene, denen es besser geht, und schwören sich: Eines Tages wollen sie in dieselben teuren Lokale gehen und essen, bis sie platzen. Dafür, das ist ihnen klar, müssen sie hart arbeiten. Zunächst sind es kleinere Gaunereien. Schon bald lockt aber eine Gelegenheit, die größere Anerkennung verspricht.

Denn der etwas ältere Angelo (Francesco Pellegrino), der mit seinem Ledermantel und den kajalumrandeten Augen ein wenig wie ein Rocksänger aussieht, betreibt in einem Hinterzimmer ein improvisiertes Casino. Als dieses überfallen wird, gibt Pietro einen entscheidenden Hinweis. Stolz steigt er mit Angelo und seinen Männern ins Auto, um die Drahtzieher zur Rechenschaft zu ziehen. Mit versteinerter Miene nimmt er dann zur Kenntnis, was das wirklich bedeutet.

Abgelehnt

Regie bei „Gomorrha – Wie alles begann“ führte Marco D’Amore, der in der Schwesternserie den Ciro Di Marzio spielte. Als er gefragt wurde, ob er das neue Projekt inszenieren möchte, habe er zunächst abgelehnt, wie D’Amore in Interviews erzählte. Nachdem er zehn Jahre mit diesem Universum verbracht hatte, habe er sich gefragt, was es denn da noch zu erzählen gäbe. Doch man habe sich hier entschieden, eine andere Richtung einzuschlagen.

Die neue „Gomorrha“-Serie ist wesentlich langsamer und sanfter erzählt. Im Mittelpunkt steht die jugendliche Leichtigkeit, die auf eine harte Realität trifft. Es gibt gleich in der ersten Folge – der einzigen, die bisher zu sehen ist – mehrere Tote, aber kein großes Gemetzel. 

Zwischendurch wird gescherzt und gelacht und natürlich geht es auch um die Liebe: Denn Pietro trifft bald auf Imma (Tullia Venezia), eine Vorzeigeschülerin aus gutem Hause, die in den USA Karriere als Musikerin machen möchte. Trotz der offensichtlichen Unterschiede werden die beiden ein Paar. Da ist die Hoffnung, dass alles einmal besser wird. Das Tragische ist, dass man weiß, wie sehr sie enttäuscht werden.

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