Liebe in Zeiten der Mafia: Neuer Roman von Roberto Saviano
Man muss gestehen: Eigentlich geht einem der Tonfall von Roberto Saviano in seinem neuen Roman „Meine Liebe stirbt nicht“ zuweilen ziemlich auf den Wecker.
Dieses Pathos! Diese oft unangenehme Nähe im Blick zu diesem, eh klar, wunderschönen jungen Paar, von dem hier die Rede ist. Diese angestaubten Kulturdebatten der 1970er.
Am Schluss aber, wenn man dann die bittere Traurigkeit kaum aushält, möchte man sich bei ihm entschuldigen. Denn vielleicht, so gesteht man dem Italiener, der mit seinen Mafiaerzählungen („Gomorrha“) und -recherchen berühmt wurde, zu, vielleicht muss man diese übergroße Geschichte wirklich so erzählen.
Verrat
Es ist schließlich eine Geschichte von der Liebe. Und noch dazu eine Geschichte davon, dass man – wenn man liebt – trotzdem verraten wird. Es ist eine wahre Geschichte.
Die Florentinerin Rossella Casini – sie blickt einen vom Cover an – verliebte sich in den 1970ern in den Sohn eines reichen Bauern aus dem Süden. Wie das so ist mit jungen Menschen, war es die unsterbliche, die höchste Liebe, zumindest für Rossella.
Francesco, genannt „das Prinzchen“, aber ist in einem Umfeld aufgewachsen, in dem das Höchste die Familie ist.
Ja, genau die.
Es herrscht Mafiakrieg dort, wo Francescos Vater einer der Reichsten ist. Junge Männer werden ermordet, es brennt eine Fehde im Herzen der kalabrischen ’Ndrangheta wie bei Shakespeare. Nein, seine Heimat sei nichts für Rossella, sagt Francesco.
Und dann nimmt er sie doch mit hinunter.
Zu glauben, dass die Liebe gegen die Mafia siegt, ist natürlich naiv. Aber Saviano packt einen genau dort, wo man eigentlich schon glauben will, dass das in Wirklichkeit so sein müsste.
Rossella Casini hat das auch geglaubt. Das Buch ist ein beklemmendes Andenken an sie.
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