Gerti Drassl in neuer ORF-Komödie: "Wir tragen alle Vorurteile in uns"

Gerti Drassl und Brigitte Hobmeier stolpern in der neuen TV-Komödie „So haben wir dich nicht erzogen“ (heute, 20.15 Uhr, ORF2) über den neuen Schwiegersohn.
Szene aus "So haben wir dich nicht erzogen": Gerti Drassl und Brigitte Hobmeier, erstere mit Brille und besorgtem Blick, die andere lächelnd, stehen in einem Raum.

Ihr Wochenende haben sich Inka (Gerti Drassl) und Balbina (Brigitte Hobmeier) definitiv anders vorgestellt. Denn als Tochter Hedwig (Alina Schaller) unangemeldet bei ihren Müttern vor der Tür steht, hat sie den ultimativen Elternschreck dabei: den Schwiegersohn in spe. Und der passt so gar nicht ins Bild der beiden Frauen aus der Großstadt, die stets wert auf eine moderne Erziehung gelegt haben: Andreas (Julian Pichler) kommt aus Tirol, ist Skilehrer und will heiraten. Der kann doch nur konservativ sein.

Dabei sind sich die Familien, die in der TV-Komödie „So haben wir dich nicht erzogen“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ORF2) aufeinanderprallen, „letztlich sehr ähnlich“, findet Hauptdarstellerin Gerti Drassl: „Das ist ja das eigentlich Lustige“, erzählt sie im KURIER-Gespräch.

Szene aus "So haben wir dich nicht erzogen": Alina Schaller und Julian Pichler in Uniform und mit Barett stehen draußen.

Bringt einen Überraschungsgast mit: Hedwig (Alina Schaller) mit Andreas (Julian Pichler).

„Die Geschichte zeigt auf, dass Eltern akzeptieren müssen, was Kinder für ihr Leben möchten.“ Drassl selbst habe von ihren Eltern die Freiheit bekommen, „einfach machen“ zu dürfen. Bei Inka und Balbina habe sie hingegen das Gefühl, „dass sie Probleme damit haben, ihre Tochter selbst entscheiden zu lassen – auch schon bevor dieser Andreas dazukommt. Und man merkt relativ schnell, dass das kein guter Weg ist.“

Wunsch

Aber auch in der Beziehung zwischen Inka und Balbina kriselt’s: Inka hat sich jahrelang um Familie und Haushalt gekümmert, während ihre Partnerin Balbina der Karriere nachgegangen ist.

„Ich habe es aber nicht so gesehen, dass sie ihre Bedürfnisse hinten angestellt hätte“, sagt die 47-Jährige über ihre Filmfigur. „Es war ihr Wunsch, sich der Familie zu widmen, ihre Tochter zu begleiten und ihre Frau zu unterstützen.“ Lange habe Inka das als guten Weg für sich empfunden. „Wir treffen sie allerdings zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben, wo das nicht mehr so ist. Sie sucht die Ursachen dafür erst mal im Außen. Am Ende der Komödie kommen aber alle drauf, dass man zuerst bei sich selber ansetzen muss. Das gefällt mir gut.“

Wiedersehen

Der Film bedeutete für Drassl ein Wiedersehen mit alten Bekannten – etwa mit Regisseur Michael Kreihsl, mit dem sie für „Liebe möglicherweise“ (2016) zusammengearbeitet hat, und mit Drehbuchautor Uli Brée, mit dem sie durch die „Vorstadtweiber“ verbunden ist. Auch die Kolleginnen und Kollegen vor der Kamera – etwa Thomas Mraz, als wichtiger Freund der Familie zu sehen – kannte die gebürtige Südtirolerin. „Es war in dem Fall auch gut, dass wir bereits so eine Basis hatten, um eine Familie zu spielen.“

Eine Szene aus "So haben wir dich nicht erzogen": Thomas Mraz mit Brille und Schal blickt überrascht, während Alina Schaller und Julian Pichler durch eine Tür schauen.

Thomas Mraz (re.) mit Alina Schaller und Julian Pichler in "So haben wir dich nicht erzogen".

Und gab es Bedenken, dass diese Geschichte mit zwei lesbischen Frauen in den Hauptrollen von zwei Männern geschrieben und inszeniert wurde? „Wir haben über all diese Dinge gesprochen. Ich habe mir am Anfang zum Beispiel Gedanken gemacht, weil ich selbst nicht in einer lesbischen, sondern in einer heterosexuellen Beziehung lebe.“ Drassl sei dann aber zu dem Schluss gekommen, „dass ich als Schauspielerin natürlich immer Figuren spiele, deren Leben ich nicht lebe, unabhängig davon, in welcher Beziehung sie sind.“

Eine Szene aus "So haben wir dich nicht verdient": Gerti Drassl und Carmen Gratl stehen in einem Raum und halten Ketten in ihren Händen.

Da prallen Welten aufeinander: Gerti Drassl mit Carmen Gratl aus der "Schwiegerfamilie".

Risiko

Schon Monate vor dem Dreh habe man sich getroffen, diskutiert und hinterfragt. Wenn man ein Projekt zusagt, „geht man natürlich immer ein Risiko ein. Man kann alles tun und alles dafür geben. Aber ich sitze nicht am Schnittpult, wähle nicht die Musik aus, entscheide nicht, welche Szenen drinnen bleiben.“

Den Beteiligten sei wichtig gewesen, „nachvollziehbare Beziehungen aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, und ich glaube und hoffe, das ist uns gelungen“, so Drassl, die demnächst auch wieder auf der Bühne steht: Im Sommer in Haag in "Der Geizige" unter der Regie von Leander Haußmann. Und davor ab 16. April in „Die Quelle“ von Calle Fuhr im Theater am Werk. Drassl spielt darin eine Managerin eines Öl- und Gas-Konzerns, „die durch die Begegnung mit einem Journalisten beruflich und persönlich herausgefordert wird“. Das Stück, in dem es um Whistleblowing geht, sei ein Thriller, „der bis zur letzten Sekunde fesselt“.

Brigitte Hobmeier hält einen Laptop vor sich, im Hintergrund ein Kamin und ein Gemälde.

Brigitte Hobmeier in "So haben wir dich nicht erzogen".

Dagegen sollte das Publikum vor dem Fernseher heute mehr zum Schmunzeln haben. Und, wenn es nach Drassl geht, eins mitnehmen: „Wir tragen alle Vorurteile in uns und das ist auch ganz normal und menschlich. Aber sobald man miteinander in Beziehung tritt und sich unterhält, lösen sich diese Vorurteile recht schnell auf. Ich wünsche mir, dass der Film das mitgibt.“

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