Dream-Team aus "Braunschlag 1986": „Es war schnell wieder alles da“
Nicholas Ofczarek und Robert Palfrader erneut als Pfeisinger und Tschach.
14 Jahre hat es gedauert, bis Regisseur David Schalko wieder an den fiktiven Ort seines bisher größten Serienerfolges zurückgekehrt ist: Braunschlag. Nicht nur Nicholas Ofczarek und Robert Palfrader standen wieder als Pfeisinger und Tschach vor der Kamera, sondern praktisch alle Schauspieler aus der Kultserie. Diese Besetzung wieder zu versammeln, sei „sehr schwierig“ gewesen, sagt Schalko, „da der Cast sehr groß ist und aus 15 Hauptdarstellern besteht, die alle sehr viel drehen und sehr viel machen, da war es bei manchen schwierig, überhaupt zwei Tage zu finden, wo’s geht. Aber es hat bei allen geklappt.“
Schalko, selbst im Waldviertel aufgewachsen, hatte anfangs nicht an eine Fortsetzung gedacht.
Die Schauspieler sind entsprechend früh – schon rund zwei Jahre vor dem tatsächlichen Dreh im Sommer 2025 – vorgewarnt worden, erzählen sie im Gespräch mit Journalisten. „Wir haben es schon sehr früh gewusst“, sagt Robert Palfrader. Alle seien sofort Feuer und Flamme gewesen, betont Palfrader mit einem „Ja mit drei Rufzeichen“. Er sei Schalko alle zwei Jahre „furchtbar auf die Nerven gegangen“. „Hoffentlich hören die Anrufe jetzt auf“, scherzt Schalko, der erneut beteuert, lange Zeit keine Fortsetzung geplant zu haben. „Braunschlag 1986“ ist seine allererste Fortsetzung. Die Fragestellung sei gewesen, „ob man wieder zurückkehren kann in diese Welt, und wie fühlt sich das an, so zu schreiben wie vor 14 Jahren und geht das überhaupt?“
In „Braunschlag“ (2012) täuschten Bürgermeister Gerri Tschach (Robert Palfrader) und Discobesitzer Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) eine Marienerscheinung in der Waldviertler Einöde vor, um den Ort touristisch zu beleben. Am Ende der achtteiligen Serie gipfelte dies in einem Atomunfall, lediglich Pfeisinger und Tschach blieben in der Sperrzone. In der zweiteiligen Fortsetzung „Braunschlag 1986“ (am 20. und 21. März, ORF 1, 20.15 Uhr) hat der sehr junge Investor B. B. (Arthur Vischer) eine neue Geschäftsidee: Er will den Ort zu eineer Art 80er-Jahre-Disneyland umbauen, als Reise in einer Zeit, in der z. B. Political Correctness noch keiner kannte. Die niederösterreichische Landespolitik sieht Potenzial – was an Parallelen zur Gegenwart denken lässt. Zahlreiche Erzählstränge werden wieder aufgegriffen, was auch ein Wiedersehen mit u. a. Raimund Wallisch, Thomas Stipsits, Sabrina Reiter, Stefanie Reinsperger, Manuel Rubey, Simon Schwarz und Christopher Schärf bringt.
Erstaunlich schnell
Dies habe dann aber „erstaunlich schnell funktioniert. „Man merkt an sich selber, dass man diese Dinge irgendwo als eigene Welt abgespeichert hat – und wenn man diese Welt wieder betritt, dann ist sie plötzlich da. Und das fand ich wahnsinnig schön.“
Auch für die Schauspieler sei alles „schnell wieder da“ gewesen, sagt Maria Hofstätter, die als Herta Tschach 14 Jahre nach dem Atomunfall wieder nach Braunschlag zurückkehrt. „Ich war richtig erstaunt“, meint sie. Palfrader sagt: „Wahrscheinlich bei keiner anderen Rolle, die ich dargestellt habe, wäre es so schnell wieder da gewesen.“
Herta Tschach (Maria Hofstätter) bringt ein neues Love Interest Helfried (Stefko Hanushevsky) in die Disco "Lametta" mit.
"Ein Mann ohne Eigenschaften"
„Irgendwas ist gespeichert“, stimmt Nicholas Ofczarek zu. „Dabei verfügt meine Rolle über keinerlei Fähigkeiten, er ist ein Mann ohne Eigenschaften. Ich bin irgendwann bei der ersten Staffel draufgekommen: Er kann nichts. Deshalb war das jetzt nicht so schwer.“
Eine Eigenschaft hat sein Richie Pfeisinger allerdings: Er war im Original im Grunde dauerfett – und bei der Fortsetzung dauerdicht, weil er in Ermangelung an Getränkelieferungen im verseuchten Braunschlag Marihuana anbaut. Ob diese andere Droge anders zu spielen war?
Ofczarek: „Man überlegt sich natürlich die verschiedenen Stadien dieser Ersatzdroge. Aber umstellen? Es entspricht meiner Vorstellung, wie das sein könnte, das ist Teil des Jobs.“ Schalko ergänzt, er lasse den Schauspielern bei dieser Erkundung freie Hand, „ich bin sozusagen ein gut bezahlter Zuschauer.“
Nina Proll erklärt die Arbeitsweise so: „Wir haben auch variiert, mit welcher Energie wir einsteigen. Zuerst ein bisschen kleiner, dann auf Vollgas. Wir haben verschiedene Energielevel ausprobiert und David entscheidet dann, was am besten funktioniert.“
Schalkos Kniff, um die Welt des kleinen Dorfs Braunschlag im nördlichsten Waldviertel zu reaktivieren, bestand darin, dass der auch wirtschaftlich abgestorbene Ort eine neue Einnahmequelle erhält. Durch eine Sonderverordnung kehrt in Braunschlag wieder das Jahr 1986 ein. Es dürfen nur Dinge benützt werden, die zu jener Zeit bereits bekannt waren, auch der Schilling kehrt zurück. „Braunschlag 1986 handelt von der Sehnsucht, in der guten alten Zeit zu leben, die aber vielleicht gar nicht so gut war, wie sie uns heute vorkommt“, sagt der Regisseur. „Schon damals wollten vermutlich viele lieber in der Vergangenheit leben, denn die Vergangenheit ist ein sicherer Ort. Auch weil man schon weiß, was passiert.“
Nina Proll als Elfi Pfeisinger: Noch immer zwischen zwei Männern?
Retro-Feeling
Ein „Ort“, an den die Schauspieler mit gemischten Gefühlen zurückdenken. „1986 war ein spezielles Jahr“, sagt Hofstätter, „mit der Affäre Waldheim, der beginnenden Aufarbeitung der Nazizeit; Tschernobyl war ein gewaltiger Schock. Es war schon ein Jahr, das man nicht vergisst. Was ich aber vergessen habe: Wie scheußlich die Mode war.“
„Jetzt gefällt mir die Mode von früher“ meint Proll.
Ofczarek sagt:„Bei dir hat man nicht gewusst, ob du im Kostüm bist oder im privaten Gewand ...“
Proll, lachend: „Das hast du jeden Tag gefragt!“
Schalko relativiert: „Die Simulation ist immer etwas anderes als das Echte. Wir stellen uns die 80er vielleicht anders vor, als sie wirklich waren. Es sind damals ja nicht alle ständig in bunten Klamotten rumgelaufen. Ich erinnere mich eher an eine sehr farblose Zeit.“
Und Proll, die ebenfalls im Waldviertel aufwuchs, sagt: „Ich hatte in der Kindheit immer das Gefühl, das wirkliche Leben findet woanders statt. Die Sommer waren schon sehr lang da oben. Und im Fernsehen gab es nur FS1 und FS2 und sonst halt nix.“
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