Den Sieg Italiens gegen Österreich sahen in ORF1 im Schnitt fast zwei Millionen Zuseher

© APA/AFP/BEN STANSALL

Kultur Medien
06/29/2021

Fußball-EM im ORF: "Unwiederbringliche Momente" und bange Minuten

Sportchef Trost über Österreichs Ausscheiden und die Quoten, die Übertragung nach Christian Eriksens Zusammenbruch und Anna Lallitsch

Sonst hält es Hans Peter Trost eher mit Buddha. Aber bei einem Match wie dem Österreichs gegen Italien bei der EM „ist es natürlich, dass man auch als Journalist emotional wird“. Der ORF-Sport-Chef hatte doppelt Grund dafür, denn „hätte Arnautovic’ Tor gezählt, hätte Österreich gewonnen“, ist er überzeugt – und Top-Quoten, wie die zwei Millionen Zuseher beim Ausscheiden, „die auch unsere Arbeit bestätigen“, wären garantiert.

Dass es möglich gewesen wäre, hätten die Gesichter der Spieler gegen Ende der 90 Minuten ausgestrahlt und „das wurde sehr fein von der internationalen Regie eingefangen. Das wertet Übertragungen auf, wenn die Hauptakteure, hier die Spieler, mehr im Mittelpunkt stehen. Das erzählt ein Spiel nochmals anders“, meint Trost. Doch am Ende zählt leider nur das Ergebnis.

Auf Quoten-Kurs

Während in Deutschland das Interesse zunächst geringer war als bei der EM 2016, ist man beim ORF aktuell auf Kurs (siehe Grafik): Der Schnitt der Spiele liegt aktuell bei 720.000 Zusehern. Je jünger das Publikum, desto höher ist der Marktanteil. Die Geschlechterparität beim TV-Publikum muss warten: Der Marktanteil liegt bei Frauen (12 Jahre und älter) bei 26, bei Männern bei 45 Prozent. Die große Ausnahme: Österreich – in der Verlängerung des Italien-Matches lag das Verhältnis bei 62 zu 70 Prozent. „An einem unwiederbringlichen Moment teilzuhaben, darum geht es und das kann der Sport bringen.“

Einen anderen Moment hätten sich alle lieber erspart. Im Match Dänemark gegen Finnland brach Christian Eriksen auf dem Spielfeld zusammen, konnte aber wiederbelebt werden. Über die Übertragung dieser bangen Minuten wurde danach viel diskutiert. „Es gab intern wie extern Kritik an unserer Vorgehensweise. Ich stehe aber dazu. Ich finde auch, dass die internationale Regie, die letztlich für die Bilder verantwortlich ist, gut mit der Situation umgegangen ist. Man kann die Wirklichkeit nicht ausblenden“, unterstreicht Trost.

Informationsbedürfnis

Dass das ZDF nach einiger Zeit ausgestiegen ist und den „Bergdoktor“ zeigte, ist für ihn das beste Gegenargument. „90 Prozent des ZDF-Publikums in Österreich hat dann weggeschaltet – weil es ein Informationsbedürfnis gab. Die suchen sich das dann halt irgendwo im Internet samt entsprechender Mutmaßungen. Die Begleitung des TV-Publikums ist gerade an so einem Punkt wichtig.“

Dieses Match hatte aber auch erfreuliche Seiten. Mit Anna Lallitsch war erstmals eine Frau als Kommentatorin bei einer Herren-EM eingesetzt. „Sie hat die Schwierigkeit diese Situation sehr gut gemeistert.“ Das gelte auch für Helge Payer. Trost freut, dass die Reaktionen auf Lallitsch’ Premiere „in einem hohen Ausmaß positiv bis freundlich“ waren. „Wir werden deshalb mit ihr in ORF 1 die nächsten Schritte gehen, die heißen Cup und Europa League. Das wird ein Aufbau mit dem Ziel WM in Katar, wo es viel mehr Spiele gibt und dementsprechend mehr Einsätze“, sagt Trost.

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