© Servus TV / Marco Riebler

Interview
07/22/2021

"Fahndung Österreich": ServusTV geht erneut auf Verbrecherjagd

Infochef Hans Martin Paar über das Konzept, die Resonanz beim Publikum und die handwerkliche "Hoheit" bei der Sendung

von Christoph Silber

Versuchter und tatsächlicher Mord, Kindesentziehung und "Notdienste“, die schaden statt zu helfen: ServusTV löst zum zweiten Mal die "Fahndung Österreich“ aus (20.15 Uhr). Infochef Hans Martin Paar  präsentiert sechs ungelöste Fälle sowie Ermittler und Experten in Kooperation mit Innen- und Justizministerium und den Kriminalämtern.

Wie war nach der ersten Folge die Resonanz beim Publikum, wie jene bei Ministerien und Kriminalisten? Gibt es Fahndungserfolge?

Ohne Übertreibung darf ich sagen, dass die Resonanz auf allen Ebenen enorm positiv und erfreulich war. Zum einen, was die präsentierten, ungelösten Kriminalfälle betrifft. Dazu hat es aus der Bevölkerung mehr als 200 Hinweise gegeben. Viele davon konkret und für die Ermittler – laut deren Aussage – ausgesprochen hilfreich und relevant. Details werden wir am Donnerstag in der nächsten Sendung präsentieren können. Diese enorme Beteiligung bereits bei der ersten Sendung hat auch unsere Kooperationspartner bei der Polizei und den Ministerien sehr beeindruckt und in ihrer Entscheidung für die in dieser Form exklusive Kooperation mit ServusTV bekräftigt, was uns natürlich sehr freut. Die Rückmeldungen zur Sendung insgesamt runden den gelungenen Start ab – viele Zuseher haben uns geschrieben, dass so eine Sendung in Österreich gefehlt hat.

TV-Format

Unter den sechs Fällen  von "Fahndung Österreich“ ist diesmal auch der Raubmordversuch an einem Taxifahrer 2009 in der Wiener Neustadt

Podcast

Bereits aufbereitet findet sich der spektakuläre Fall auf Dunkle Spuren, Österreichs erstem True-Crime-Podcast. Mittlerweile 18 Fälle bietet das preisgekrönte Podcast-Angebot aus dem KURIER Medienhaus. Dieses umfasst noch u. a.  den täglichen Info-Podcast KURIER Daily, KURIER to hear oder Fake Busters   

 

Gab es einen Fall, der besonders viele Reaktionen nach sich zog? Wie erfolgt eigentlich die Auswahl der Fälle?

Ich möchte der Sendung noch nicht vorgreifen. Überrascht hat uns in jedem Fall, dass auch zum ältesten „cold case“ Europas, dem Fall des vergifteten Grazer Tanzschullehrers, viele spannende Hinweise eingegangen sind. Die Auswahl der gezeigten Fälle erfolgt in enger Abstimmung mit den Ermittlern und Ministerien. Dabei geht es zunächst rein um ermittlungstaktische Notwendigkeiten, die von Fall zu Fall unterschiedlich sind. Aus dieser Vorauswahl wählen wir dann jene Fälle, die filmisch möglichst authentisch und plausibel umzusetzen sind, damit die Zuseher einen guten Gesamteindruck erhalten. Eine gewisse Durchmischung der Themen ergibt sich dabei fast automatisch, die Bandbreite der Verbrechen ist naturgemäß beinahe grenzenlos.

Aktive Teilnahme

Die Einspieler sind eher lang, aufwändiger und beziehen auch Einschätzungen von z. B. Bekannten mit ein. Ist das Teil des Sendungskonzept?

Ich denke gerade die Mischung aus nachgestellten Szenen mit Interviews von Betroffenen und Angehörigen hebt das Konzept von „Fahndung Österreich“ wohltuend von ähnlich  gelagerten Sendungen ab. Die Emotionen mancher Befragten verstärken in meinen Augen das Gefühl der Dringlichkeit des Aufrufs zur aktiven Teilnahme – wer kann helfen? Bei den mit Schauspielern gestellten Szenen ist es wiederum so, dass wir die Intensität und den Anteil der tatsächlich passierten Gewalt sogar drastisch reduzieren und kürzen, weil es sonst schlicht unerträglich wäre.

Ist das auch so von den Kriminalisten gewollt?

Die Ermittler sind ja aktiver Teil der Zuspieler-Filme. Ihre Aussagen darin sind quasi der rote Faden, der zugleich wertvolle Einblicke in die Arbeit der Kriminalisten bietet, Einblicke, die man so nirgendwo sonst erhält. Zudem sind wir in permanenter Absprache über inhaltliche Details, der Anspruch lautet höchstmögliche Akkuratesse. Die handwerkliche „Hoheit“ über die filmische Darstellung und Gestaltung obliegt zwar der Redaktion, das Feedback der Ermittler war aber ausgesprochen positiv, was uns sehr freut.

Fall 1 - Raubmordversuch an einem Taxifahrer 2009 in der Wiener Neustadt

Fall 2 - Kindesentziehung im Burgenland: Eine Mutter wird verdächtigt, im Februar 2019 mit ihrem damals 8-jährigen Sohn untergetaucht zu sein.

Fall 3 - Serie von Banküberfällen in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz.

Fall 4 - Rätselhafter Mord im Mafiamilieu in Kärnten aus dem Jahr 2008.

Fall 5 - Zwei Vermisstenfälle aus Linz und Tirol aus den Jahren 2015 und 2016.

Fall 6 - Zum Thema Prävention: Wie man sich vor betrügerischen „Notdiensten“ schützen kann

 

Wird Prävention zu einem institutionalisierten Fixpunkt der Sendung oder soll das, wie etwa bei der Geldwaschmaschine in der ersten Folge, weiter über Fall stattfinden?

Der Plan wäre, dies weiter zu kombinieren. Also konkrete Fälle, aus denen die Zuschauer wichtige Präventions-Tipps mitnehmen können. Gerade der von Ihnen angesprochene Fall hatte eine Flut an Rückmeldungen zur Folge, auch unsere Berichte über Betrug via Email, oder SMS.

Was hat ServusTV zu dieser Sendung bewogen, kam der Anstoß dazu aus dem Sender oder von Ministerien bzw. Polizei?

Die Idee wurde tatsächlich bei einem Programm-Meeting geboren, als in der Runde die Frage auftauchte, warum es eigentlich so eine Sendung in Österreich nicht mehr gibt. Dass aus der Frage so schnell eine konkrete Sendung wurde, ist der einzigartigen Philosophie von ServusTV zu verdanken. Das Justiz- und das Innenministerium haben sich erfreulicherweise sehr rasch interessiert gezeigt. Die Kooperationsbereitschaft der Polizei ist enorm, die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend, wofür wir sehr dankbar sind.

Danke für das Interview.

 

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