Die Neo-Herausgeberin Eva Schütz.

© Kurier/Jeff Mangione

Kultur Medien
03/02/2021

Eva Schütz und Richard Schmitt: Ein "mittiges" Medienprojekt

Die türkise Politnetzwerkerin und der Journalist, den Strache gut findet, starten exxpress.at

von Philipp Wilhelmer

Online und TV soll ein neues Medienprojekt der Wiener Unternehmerin Eva Schütz bringen. Unter dem Namen exxpress.at wird es eine „24/7 Berichterstattung“ geben.

Die Ausrichtung: Mitte bürgerlich. Der Chefredakteur: Richard Schmitt, ein polarisierender Boulevardreporter.

Zwei bemerkenswerte Persönlichkeiten haben sich in diesem Projekt zusammengefunden. Die Juristin Eva Schütz wollte noch im Sommer für die Wiener ÖVP kandidieren, ihr Mann Alexander Schütz hat der Partei Großspenden zukommen lassen, während sie im Kabinett des türkisen Finanzministers Hartwig Löger tätig war.

Lob von Strache

Schmitt wiederum wurde vom ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im berühmten Ibiza-Video gelobt. Er fiel immer wieder mit blau-affinen Artikeln auf, als er noch das Onlineportal krone.at leitete. Ein Gastspiel bei Wolfgang Fellners oe24.at währte nicht einmal ein Jahr. Wird das ein türkis-blaues Flügelmedium? Schütz, die als Herausgeberin fungieren wird, winkt im KURIER-Gespräch ab. Sie sei politisch engagiert, das habe sich aber nicht nur auf die ÖVP beschränkt: „Ich war auch bei den Neos, bei der ÖVP, habe aber auch schon grün gewählt, als ich jünger war.“ Sie verortet sich selbst im wirtschaftsliberalen Eck.

Unternehmerfreundliche Richtung

„Ich komme sicher aus einer unternehmerfreundlichen, wirtschaftsfreundlichen politischen Richtung. Wenn sich die Standpunkte der ÖVP damit decken, dann kann ich das nur unterstützen“. Sie habe jedenfalls sehr oft erwägt, „politisch tätig zu werden.“ Über die Spenden ihres Mannes, des millionenschwere C-Quadrat-Gründers Alexander Schütz, sagt sie: Er habe wie viele das Bedürfnis nach politischer Erneuerung gehabt, deshalb habe er Sebastian Kurz Spenden zukommen lassen. „Ich persönlich habe 2014 für die Neos gespendet.“

Schmitt "polarisiert"

Und wie sieht sie Schmitt? „Er ist jemand, der polarisiert, der ein Blattmacher ist, jemand, der Reichweite erzielen kann.“ Die FPÖ-Nähe ihres Chefredakteurs weist sie zurück: „Ich würde das nicht ganz so stehen lassen. Das wurde bewusst breitgetreten, um ihn in ein bestimmtes Licht zu rücken. “ Laut Schütz wird exxpress.at „gesellschaftlich mitte-bürgerlich positioniert“. Sie selbst werde die Herausgeberinnenrolle einnehmen. Die Zielgruppe sei 18 plus, sprich: Jeder, der Internetzugang hat. „Ein mittiges Medium.“

ÖSTERREICHISCHE MEDIENTAGE 2018: SCHMITT

Private Mittel

Fünfeinhalb Millionen für drei Jahre

Das ambitionierte Projekt ist vorerst für drei Jahre ausfinanziert, so Schütz: Fünfeinhalb Millionen Euro sind dafür bereitgestellt. Einen Teil übernimmt sie aus privaten Mitteln, ein Teil kommt aus der liechtensteinischen libertatem-Stiftung (Laut Stiftungszweck „zur Förderung der Meinungsvielfalt“) und ein weiterer Teil kommt von befreundeten Unternehmern, die das Ansinnen, ein solches Medium zu gründen, unterstützen. 18 Mitarbeiter seien bereits engagiert, geplanter Start ist der 15. März für das Onlineportal, im April könnte schon der Fernsehsender on air gehen, wenn auch zunächst nur via Streaming. „Wir werden uns aber um eine Fernsehlizenz bemühen“, so Schütz. Der Sender soll von sieben bis zehn und auch abends über eine Newssendung verfügen. Danach soll es eigene Formate geben: „Unterhaltung, History, ein Lifecoach“.

Und das alles für fünfeineinhalb Millionen? „Wir werden natürlich auch Werbeeinnahmen erzielen“, wendet Schütz ein, um nachzuschieben: „Wir wissen, es ist ambitioniert.“

Leistungssportlerin und Juristin

Ambition ist der Neo-Herausgeberin nicht fremd: Sie kommt aus einer Wiener Eisenbahnerfamilie und begann schon früh mit Leistungssport. Sie studierte in Amerika, dann in Wien fertig und arbeitete als Anwältin. „Ich bin zielstrebig, diszipliniert, und habe doch immer versucht, eine gewisse Unabhängigkeit von meinem Mann zu haben.“

Nicht immer nur negativ

Ihr Wunsch ist es, Österreich als positiven Wirtschaftsstandort zu betrachten, gerade nach Corona: „Wir wollen raus aus dieser Negativberichterstattung und zeigen, was Österreich alles kann. Weg von der Pleitewelle hin zu einer Gründerwelle.“ Die Zustände seien ohne Zweifel schlimm, „aber es nützt ja doch nichts, wenn ich es nur ständig wiederhole“. Und wie würde Millionärin Schütz das Thema Erbschaftssteuer publizistisch betrachten? „Man muss das sehr differenziert anschauen. Nur die ganz Reichen zu besteuern bringt keine wesentlichen Einnahmen. Man müsste auch den Mittelstand besteuern. Da muss man sich schon überlegen, ob das sinnvoll ist. Solange Menschen legale Möglichkeiten haben, werden sie das nutzen.“

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