Kultur | Medien
20.11.2018

Europäische Serien räumen bei den International Emmys ab

Bei den US-Awards punkteten TV-Leistungen aus Europa. Ein Erfolg, der gefährdet ist.

Großer Bahnhof für die internationale Fernsehbranche: In der Nacht auf Dienstag wurden in New York die 46. International Emmy Awards verliehen und exzellente Leistungen des TV-Schaffens, das außerhalb der USA gesendet wurde, ausgezeichnet. Ins Rennen gingen insgesamt 44 Nominierte aus 20 Ländern, ausgewählt aus 1400 Beiträgen.

Waren vor der Feier noch Produktionen aus den großen TV-Märkten wie Brasilien (sechs Nominierungen) oder Kanada (vier) die Favoriten, hieß es danach: The Winner is Europe. Dorthin gingen mehr als die Hälfte der Preise (siehe Kasten rechts).

Darunter waren auch die Königsklassen: Beste Drama-Serie wurde „La Casa de Papel“ („Haus des Geldes“) aus Spanien – sie ist in Österreich bei Netflix zu sehen. Beste(r) TV-Film/Mini-Serie wurde „Man in an Orange Shirt“ – die BBC-Produktion erzählt die Geschichte eines schwulen Großvaters. Die Deutsche Anna Schudt („Ein Schnupfen hätte auch gereicht“) wurde beste Schauspielerin.

Und Lars Mikkelsen gewann mit der Produktion „Herens Veje“ die Auszeichnung als bester Schauspieler. Der Däne spielt in der zehnteiligen Serie das tyrannische Oberhaupt der Familie Krogh, in der seit neun Generationen das Amt des Seelsorgers und Predigers von den Männern der Familie ausgefüllt wird. Die Serie von Adam Price, dem Schöpfer der Politserie „Borgen“, ist ab Donnerstag, 29. November (20.15 Uhr) bei ARTE zu sehen. Der deutsch-französische Kultur-Sender war als Co-Produzent beteiligt – eine Besonderheit, weil bislang der öffentlich-rechtliche Sender DR in aller Regel allein produzierte.

Populismus

So aber konnte teilweise der bislang höchst erfolgreiche dänische Weg in Sachen fiktionaler Produktion beibehalten werden: alle Macht und alle Zeit für den Drehbuch-Autor, der sich einem national wichtigen Thema mit internationaler Tragweite widmet – hier nun der Kampf mit den Religionen. Zweieinhalb Jahre konnte Price die Serie entwickeln.

Das kostet Geld, das der DR nicht mehr hat und künftig noch weniger haben wird – dafür hat die neue rechtsliberale Minderheitsregierung, die auf die rechtspopulistische Dänische Volkspartei angewiesen ist, gesorgt. Es wurden die Abschaffung der Rundfunkgebühren und die Finanzierung aus dem Steuertopf beschlossen und das Budget um 20 Prozent gekürzt. Damit verbunden ist der Verlust Hunderter Jobs, von Radio- und TV-Sendern und von Programmen.

Ein Weg, der laut Kritikern auch in Österreich drohen könnte, womit eine zuletzt erfolgreich begonnene Entwicklung abrupt gestoppt wäre: heimische Produktionen für den internationalen Markt. Wie es SATEL-Chef Heinrich Ambrosch in der KURIER-Zugabe im Sommer skizzierte: „‚Soko Donau‘ im ORF machte für uns im Hintergrund erst möglich, ‚Freud‘ fünf Jahre zu entwickeln.“ Oder eben auch nicht.

Die Preisträger

Bei den 46. International  Emmy Awards, die Montagnacht im New Yorker Hilton vergeben wurden, kamen die Gewinner aus insgesamt zehn Ländern: Belgien („Did You Get The Message?“), Israel („Nevsu“), Portugal („Ouro Verde“), Spanien („La Casa de Papel“),  Niederlande („Etgar Keret: Based on a True Story“), Großbritannien („Man in an Orange Shirt“ und „Goodbye Aleppo“), Chile („Una Historia Necesaria“) und den USA („El Vato“ Staffel 2).
 Die  Deutsche Anna Schudt, die seit 2012 auch zum  Dortmunder  „Tatort“-Team gehört,  wurde als beste Schauspielerin gekürt. Die 44-Jährige konnte sich mit ihrer Leistung im autobiografischen RTL-Film „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ durchsetzen. Darin verkörpert sie die (RTL-)Komikerin  Gaby Köster und deren Weg zurück ins Leben nach einem Schlaganfall.