"Euphoria" Staffel 3: Die Schule ist vorbei, die Probleme bleiben
Gleich zu Beginn der neuen Staffel von „Euphoria“ steckt Rue Bennett (Zendaya) fest. Ihr Auto will sich in der mexikanischen Wüste keinen Zentimeter vorwärts bewegen. Und auch in ihrem Leben kommt die drogenabhängige Rue nicht vom Fleck: Erneut wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt, auch wenn sie die High School längst hinter sich gelassen hat.
Mit „Euphoria“ ist dieser Tage eine der erfolgreichsten HBO-Produktionen zurückgekehrt (hierzulande bei HBO Max und Sky zu sehen). Die 2019 gestartete Serie über das Erwachsenwerden in einem rauen Amerika entwickelte sich zum Social-Media-Phänomen, die Schauspielerinnen und Schauspieler – darunter Zendaya, Sydney Sweeney, Jacob Elordi, Hunter Schafer – sind mittlerweile Hollywood-Stars.
Showrunner Sam Levinson, der selbst auf eine Drogenvergangenheit zurückblickt, hat mit „Euphoria“ das düstere Gegenstück einer fröhlichen High-School-Serie geschaffen. Seine jungen Protagonistinnen und Protagonisten leben in einer Welt voller Drogen, Gewalt und Missbrauch; sind permanenter Bewertung und Sexualisierung ausgesetzt. Für die krassen Bilder, mit denen Levinson davon erzählt, erntete er immer wieder Kritik. Zuletzt wurden Gerüchte über Verstimmungen hinter den Kulissen lauter, Schauspielerinnen kritisierten auch die zahlreichen Nacktszenen. Von seinem Stil ist Levinson in der neuen Staffel dennoch nicht abgewichen.
Rue, die das Geschehen aus dem Off schildert, ist zwar seit dem Ende der Schulzeit clean geblieben, schmuggelt jetzt aber Drogen aus Mexiko in die USA, um Schulden bei einer Clanchefin zu begleichen. Mit gewohntem Hang zum Grauen zeigt Levinson, wie Rue in Plastik gewickelte Fentanylpäckchen schluckt, um sie auf der anderen Seite der Grenze wieder aus ihrem Körper zu holen und unter Zuhilfenahme eines Nudelsiebs aufzufangen. Gleich darauf werden die Spaghetti fürs Abendessen abgeseiht. Bei ihrem Versuch, aus diesem Kreislauf auszubrechen, stolpert Rue über den Glauben, der sie zunehmend fasziniert. Gleichzeitig setzt sie ihre Hoffnung auf einen Nachtklubbetreiber, der Partys mit lasziv tanzenden Frauen feiert.
Sydney Sweeney in "Euphoria".
Fiesling Nate (Elordi) hat die Firma seines Vaters (der verstorbene Eric Dane) übernommen und ist mit Schul-Schönheit Cassie (Sweeney) verlobt. Um sich ihre Traumhochzeit finanzieren zu können, setzt sie auf OnlyFans (siehe Kritik unten) und filmt sich in Dessous als unterwürfiges Hundewelpe mit Leine. Rues Ex-Liebe Jules (Schafer), das lässt sich dem Trailer entnehmen, ist nun „Sugar Baby“ eines reichen Mannes.
Levinson lässt keine Gelegenheit aus, spärlich bekleidete Frauen zu zeigen und mit der Kamera ja nicht zu kurz draufzuhalten. Wie schon bisher scheint jeder Versuch, sich ein besseres Leben aufzubauen, sinnlos: Es gibt kein Entrinnen, weder vorm eigenen Schicksal noch vorm Voyeurismus des Showrunners. Langeweile kann man der Serie nicht vorwerfen, wesentlich interessanter als das ausgedehnte Suhlen im Elend wäre jedoch ein Ausweg daraus. Der scheint zumindest nach der ersten Folge der neuen Staffel in weiter Ferne.
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