Serie "Only Margo": Mit der Stillpumpe auf OnlyFans
Margo (Elle Fanning) mag Fantasie. Fantasie ist besser als die echte Welt. Schon als Kind hat sie mit Puppen gespielt und neue Welten erschaffen. Dass diese Puppen Wrestling-Actionfiguren waren und die Fantasie dabei war, dass sie ihnen Namen wie "Mr. Pantypants" gegeben hat, ist die eine Sache. Die andere ist, dass Margo wirklich gern und gut schreibt. Das bestätigt auch ihr Literaturprofessor. Der ist allerdings ein befangener Zeuge, denn er fängt mit Margo ein Verhältnis an.
Affäre mit Folgen
Und bald hat das Folgen: Als der dritte Test immer noch zeigt, dass sie schwanger ist, hat Margo ein Problem. So heißt auch der Roman der Autorin Rufi Thorpe, auf dem die neue Apple+-Serie „Only Margo“ basiert, genauer gesagt heißt er „Margo's Got Money Troubles“. Denn neben all den Grausamkeiten, die das Muttersein parat hat – etwa Dammschnitte, die Coolpacs auf nicht gesellschaftsfährigen Stellen erfordern – ist es vor allem das ausbleibende Geld, das die plötzlich alleinerziehende Mutter belastet.
Denn sie kann ihren Job nur machen, wenn sie einen Babysitter hat, den wiederum kann sie sich aber nur leisten, wenn sie einen Job hat. Schon allein der Windelkauf reißt erhebliche Lücken im Konto und dann ziehen noch die Mitbewohnerinnen aus, weil sie sich neben dem Schreibaby nicht beim Lernen konzentrieren können. Ihre Mutter in engen Jeans und mit dem Schicksal des Alleinerziehens wegen Selbsterfahrung sowas von fertig (Michelle Pfeiffer) ist ihr keine Hilfe. Sie ist nicht nur die schlechteste Geburtsbegleitung der Welt („Sie macht das falsch!“), sie bringt das Kind auch beim ersten Babysittversuch zurück, weil sie sich von ihm „verurteilt“ fühlt.
Abgefahrene Idee
Eigentlich ein Glück, dass Margos entfremdeter Vater (Nick Offerman), ein Ex-Wrestler auftaucht und bei ihr einzieht. Nur als Babysitter ist er wiederum bedingt geeignet, kommt er doch gerade vom Heroin-Entzug. Aber er bringt seine Tochter – unabsichtlich – auf die Idee, wie sie ihr Börserl wieder auspolstern kann: OnlyFans. Das ist ein Onlineportal, auf dem man mit pornografischen bzw. Fetisch-Inhalten Marke Eigenbau ganz gut Geld verdienen kann. Es gibt nämlich für so ziemlich jede abgefahrene Idee ein zahlendes Publikum. Wie Margos Vorschlag, Fotos von männlichen Geschlechtsteilen individuell zu bewerten und mitzuteilen, „welches Pokemon es sein könnte und über welche Kräfte es verfügt“. Zack, die ersten 20 Dollar schon verdient.
„Only Margo“ ist zweifellos eine der besten Serien des Jahres, hier werden große gesellschaftliche Themen wie Armut und Opiatkrise sowie private Herausforderungen wie turbulente Familienstrukturen und entromantisierte Mutterschaft mit viel Witz, Tempo und Originalität angepackt, ohne dass die Figuren zu Karikaturen werden.
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