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Kultur Medien
06/19/2019

Doku über faire Mode: Welche Alternativen es zu Fast Fashion gibt

Eine neue TV-Doku zeigt heute (Mittwoch, 20.15 Uhr) in 3sat, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung hergestellt wird.

von Nina Oberbucher

Manchmal könne er seinem Sohn Süßigkeiten kaufen, erzählt ein Mann, der nicht erkannt werden möchte. Geld zur Seite zu legen, sei aber nicht drinnen. Er arbeitet in einer Fabrik, in der Kleidung hergestellt wird – und zwar nicht weit weg von Europa, in China oder Bangladesch, sondern in Rumänien.

Nachhaltigkeit und Mode? "Ein Widerspruch"

Die Dokumentation „Faire Mode statt Fast Fashion – eine Gewissensfrage“ blickt heute, Mittwoch, (20.15 Uhr) in 3sat hinter die Fassaden der Modeindustrie. Und dort bietet sich ein düsteres Bild, das die österreichischen Filmemacher Kurt Langbein und Anna Katharina Wohlgenannt zeigen: Denn, so erfährt man gleich zu Beginn von Modedesignerin und Hochschulprofessorin Martina Glomb: „Nachhaltigkeit und Mode ist prinzipiell ein Widerspruch“.

Umweltverschmutzer Textilindustrie

Rund 60 Teile werden in Deutschland pro Kopf und Jahr gekauft – 40 Prozent davon bleiben ungetragen. Mode ist zum billigen Wegwerfprodukt geworden und die Nachfrage nach immer günstigerer Ware bleibt nicht ohne Folgen für die Umwelt: Ein Viertel der industriellen Wasserverschmutzung geht auf das Konto der Textilindustrie, wie in der Doku erklärt wird.

Und auch die Menschen leiden darunter – vor allem jene, die unsere billige Kleidung produzieren. In Bangladesch starben 2013 beim Einsturz einer Textilfabrik tausend Menschen.

Das Gebäude war zwar als baufällig bekannt, aber die Produktion wurde trotzdem fortgesetzt.

Was also tun?

Alternativen zur Wegwerfmode

Die Doku beleuchtet nicht nur die dunklen Seiten des Modekonsums, sondern zeigt auch mögliche Alternativen auf: So wird etwa der Flachsbauer Stefan Fölser in Oberösterreich besucht, der maßgeschneiderte Leinenjeans anbietet. Ab Bestellung dauert es zwar mehrere Wochen bis zur Lieferung – die neue Hose ist dafür ökologisch und hat nur ein Zehntel des Weges der konventionellen Variante zurückgelegt.

Die Wienerin Katharina Mühlberger setzt für ihre Kollektionen auf Biobaumwolle von einer Kooperative aus Indien, die sozial benachteiligte Frauen unterstützt.

Und die Schweizerin Chloed Baumgartner macht aus alten Herrenanzügen und Hemden einzigartige Röcke und Blusen.

Nachhaltige Mode sei zwar teurer, wie Professorin Glomb erklärt. Dafür halte sie auch länger. Und vielleicht müssten auch Konsumenten lernen, einzelne Stücke wieder mehr zu schätzen – und gegebenenfalls auch zu reparieren.

Haben oder Sein

Um Nachhaltigkeit geht es in 3sat auch direkt im Anschluss an die Dokumentation: Um 21.05 Uhr ist „Haben oder Sein“ aus dem Jahr 2017 – ebenfalls von Kurt Langbein und Anna Katharina Wohlgenannt – zu sehen. Begleitet werden fünf Familien, die sich für umweltschonendere, maßvollere Lebenswege entschieden haben. Dabei ist etwa die Familie Schmidt, die seit Ende der 1980er Jahre eine Biolandwirtschaft betreibt, aber auch ein ehemaliger Bankbeamter, der in der Doku von seinem neuen Leben als Mönch berichtet.