Das Kalush Orchestra

© REUTERS/YARA NARDI

Kultur Medien

Publikumsvoting: Ukraine gewinnt 66. Eurovision Song Contest

Das Kalush Orchestra holte die Sangeskrone wie erwartet in das vom Krieg gebeutelte Land.

05/15/2022, 10:56 AM

Die Ukraine gewinnt den 66. Eurovision Song Contest. Die Folklore-Rapformation Kalush Orchestra triumphierte am Samstagabend wie zuvor erwartet bei der musikalischen Megashow von Turin gegen 24 Konkurrenten und holt den Sieg zum dritten Mal in das derzeit von Russland angegriffene Land. "Bitte helfen Sie der Ukraine, Mariupol, helfen Sie jetzt Asowstal", hatte S√§nger Oleh Psiuk am Ende des Songs "Stefania" die Zuschauer aufgefordert. 

Nachdem weit nach Mitternacht der Sieg in Blau-Gelb feststand, schob Psiuk das unausweichliche "Slava Ukraini!" (Ruhm der Ukraine) nach. 

Spanien √ľberraschte

ESC-Europa zeigte sich wie im Vorfeld erwartet solidarisch mit dem vom russischen Angriffskrieg gebeutelten Land. 439 von 468 möglichen Punkten vergaben die 39 restlichen Länder, das sind fast 94 Prozent. Auch beim Jury-Voting lag das Kalush Orchestra mit 192 Punkten im Spitzenfeld (Platz 4).

Die Ukraine verwies damit Gro√übritannien auf Platz 2, gefolgt von Spanien. √Ėsterreichs Teenagerduo LUM!X feat. Pia Maria war hingegen bereits im 1. Halbfinale des Bewerbs ausgeschieden. Der gr√∂√üte Musikbewerb der Welt wird in Dutzenden L√§ndern weltweit ausgestrahlt - von Australien bis zum Nordkap. Allj√§hrlich verfolgen dabei gut 120 Millionen Menschen alleine die Endrunde der Show.

Selenskij-Aufruf

Bereits untertags hatte der ukrainische Pr√§sident Wolodymyr Selenskij mit einer Videobotschaft zum Votum f√ľr sein Land aufgerufen: "Europa, stimm f√ľr das Kalush Orchestra!"

Auch in Turin war der Abend mit einer Friedensbotschaft gestartet, begann die Megashow doch mit einem voraufgezeichneten Einspieler von einem Altstadtplatz der Industriemetropole, auf dem 1.000 Menschen John Lennons "Give peace a chance" intonierten. Daraufhin wurde in die ESC-Halle Pala Olimpico geschaltet, in der das Publikum den Rhythmus aufnahm.

Der KURIER-Livekommentar zum Nachlesen:

Buntes Feld

Abseits der vordersten Pl√§tze und der politischen Konnotation angesichts des russischen √úberfalls auf die Ukraine zeigte sich heuer ein gewohnt buntes Feld der Teilnehmer, wenn auch mit deutlicher Balladenschlagseite. Dabei gab es teils das Bekannte zu sehen - wenn man etwa an die mit Torerotango bekleidete spanische Kandidatin Chanel mit "SloMo" denkt, die zuverl√§ssig die altbekannte Stranddiscosparte bediente und es damit aufs Stockerl schaffte. Oder wenn Portugal in Person von Mauro im Gesangskreis unter dem Titel "Saudade, saudade" wie stets mit fadoschwerem Gem√ľt die Sehnsucht beschwor.

Aber es trauten sich auch zahlreiche L√§nder mit neuen, zumindest f√ľr sie avantgardistischen Formaten vor das europ√§ische Publikum. So hatte Griechenland heuer mit der Halbnorwegerin Amanda Georgiadi Tenfjord auch nordisch Depressives zu bieten, ging es doch bei "Die Together" ums gemeinsame Sterben, w√§hrend auch Frankreich √ľberraschte und keinen franz√∂sischsprachigen Song ins Rennen schickte. Der Elektrok√ľnstler Alvan und das Frauentrio Ahez sangen ihre bassgetriebene Nummer "Fulenn" auf Bretonisch. Islands Westernschwestern Systur interpretierten mit "Me√į H√¶kkandi S√≥l" Country mit Wikingertouch. Und schlie√ülich nahm auch Serbien Abstand von Balkanrhythmen, sondern hatte mit der Architektin Konstrakta und ihrem Beitrag "In Corpore Sano" gegen den Gesundheitswahn eine beinahe avantgardistische Nummer am Start, die am Ende mit Platz 5 belohnt wurde.

Im Folgenden die Ergebnisliste des 66. Eurovision Song Contest von Turin:

PLATZ

LAND

ACT

SONG

PUNKTEZAHL

1

Ukraine

Kalush Orchestra

Stefania

631

2

Großbritannien

Sam Ryder

Space Man

466

3

Spanien

Chanel

SloMo

459

4

Schweden

Cornelia Jakobs

Hold Me Closer

438

5

Serbien

Konstrakta

In Corpore Sano

312

6

Italien

Mahmood & Blanco

Brividi

268

7

Moldau

Zdob Ňüi Zdub & Advahov

Brothers TrenuleŇ£ul

253

8

Griechenland

Amanda Georgiadi Tenfjord

Die Together

215

9

Portugal

Maro

Saudade, Saudade

207

10

Norwegen

Subwoolfer

Give That Wolf A Banana

182

11

Niederlande

S10

De Diepte

171

12

Polen

Ochman

River

151

13

Estland

Stefan

Hope

141

14

Litauen

Monika Liu

Sentimentai

128

15

Australien

Sheldon Riley

Not The Same

125

16

Aserbaidschan

Nadir Rustamli

Fade To Black

106

17

Schweiz

Marius Bear

Boys Do Cry

78

18

Rumänien

WRS

Ll√°mame

65

19

Belgien

Jérémie Makiese

Miss You

64

20

Armenien

Rosa Linn

Snap

61

21

Finnland

The Rasmus

Jezebel

38

22

Tschechische Republik

We Are Domi

Lights Off

38

23

Island

Systur

Me√į H√¶kkandi S√≥l

20

24

Frankreich

Alvan & Ahez

Fulenn

17

25

Deutschland

Malik Harris

Rockstars

6

"Gänsehaut" aus Italien

Bleiben als ESC-Meilenstein wird auch der italienische Beitrag "Brividi" (Gänsehaut) - das erste offen schwule Liebesduett im Tournament, interpretiert von Mahmood & Blanco. Den Triumph der Rockband Måneskin aus dem Vorjahr im niederländischen Rotterdam, der den Wettbewerb nach Turin brachte, konnte das Duo allerdings nicht wiederholen. Ihre seit dem Vorjahresgewinn auf der Starleiter stetig nach oben kletternden Amtsvorgänger waren indessen vor Bekanntgabe der Ergebnisse erneut zu hören - mit ihrer neuen Single "Supermodel".

Damit komplettierte M√•neskin das breite Angebot an Musikern auch abseits der Kandidaten in Turin, hatten die Veranstalter sich doch auch daf√ľr entschieden, mit der S√§ngerin Laura Pausini einen der italienischen Stars der Zunft und mit Mika einen Popstar der fr√ľhen 2000er als Co-Moderatoren zu engagieren.

Das Abstimmungsergebnis der √∂sterreichischen Jury beim 66. Eurovision Song Contest steht fest. Zum bereits dritten Mal pr√§sentierte √Ė3-Moderator Philipp Hansa die Wertungen der rot-wei√ü-roten Experten und Expertinnen. Dies waren heuer die einstige ESC-Kandidatin Simone (Stelzer), Deutschpops√§ngerin Tina Naderer, Austro-Isl√§nder Thorsteinn Einarsson, Schlagerstar Die Mayerin sowie der Musiker Wolfgang Lindner. Die Jurywertung im √úberblick:

12 Punkte

Großbritannien

10 Punkte

Portugal

8 Punkte

Niederlande

7 Punkte

Schweden

6 Punkte

Armenien

5 Punkte

Norwegen

4 Punkte

Griechenland

3 Punkte

Italien

2 Punkte

Spanien

1 Punkt

Schweiz

√Ėsterreich kam im Halbfinale nur auf Platz 15

√Ėsterreichs Starter LUM!X und Pia Maria kamen im Halbfinale √ľbrigens nur auf Rang 15 der 17 teilnehmenden L√§nder. Das ist den Detailergebnissen des ersten Halbfinales zu entnehmen, in dem das Teenagerduo den Eintritt ins Finale verpasst hatte. Demnach erreichte √Ėsterreich 42 Punkte, dahinter rangierten nur noch Bulgarien mit 29 und Slowenien mit 15 Punkten.

F√ľnf Punkte - und damit die meisten - sendete das armenische Publikum an √Ėsterreich, vier das isl√§ndische, schweizerische, kroatische und albanische. Das Publikum des Siegerlandes Ukraine vergab im Televoting drei Punkte an das √∂sterreichische Duo, ebenso wie das Publikum aus Norwegen. Zwei Punkte kamen per Televoting aus Griechenland, D√§nemark, Moldawien und Italien, einer aus Lettland. Von den Jurys kamen lediglich sechs Punkte hinzu: Drei aus Italien, zwei aus Griechenland und einer aus Frankreich.

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