Die Fälle der Gerti B.: Susi Stach über Staffelstart und Wiener Grant
Heidi (Mariam Hage) wurde Gerti (Susi Stach) als Chefin vor die Nase gesetzt. Auch in Staffel zwei gibt es deswegen Brösel im Kommissariat.
Die Gerti ist jemand, die einem Koma-Patienten, an dessen Zustand möglicherweise sie schuld ist, schon mal die Meinung geigt, weil wie kann man so deppert sein. Und wenn sie dann schief angeschaut wird, sagt sie: „Wieso, man soll doch mit ihnen reden ...“ Schief angeschaut wird sie in dem Fall natürlich (unter anderem) von Heidi, die ihre Chefin ist. Und das ist ja auch das Problem. Denn die Chefin wollte eigentlich Gerti selbst werden. Auch in der zweiten Staffel von „Die Fälle der Gerti B.“, die am Montag (20.15 Uhr) auf ORF1 startet, gibt es deswegen Bröseln im Floridsdorfer Polizeikommissariat. Aber Mariam Hage (Heidi) und Susi Stach (Gerti) versichern im Gespräch mit dem KURIER: „Man kann sich eine Weiterentwicklung erwarten. Die Gerti muss sich damit abfinden, dass die Situation so ist.“
Scherbenhaufen
Beide betonen auch, dass der Konflikt der beiden „nicht einfach ein Zickenkrieg“ ist. Aber: „Knirschen wird es schon immer wieder“. Die neuen Folgen beginnen am „Scherbenhaufen, den die beiden hinterlassen haben“, erzählt Hage. Das war zum Beispiel eine nicht so geglückte Verfolgungsjagd, siehe Koma-Patient. Gerti hat zudem – nach und trotz Nervenzusammenbruch ihres Mannes Bertl – eine Eheauszeit eingefordert und wohnt jetzt im Gartenhäuschen. Heidi versucht die Stimmung im Büro ausgerechnet mit einem Sesselkreis-Teambuilding-Coaching zu verbessern.
Kaffee und Gemeineres
Für Gerti ist das Neuland, das sie lieber nicht betreten hätte. „Sie ist gewohnt, dass sie alleine dasteht. Dass sie nur auf sich selbst schaut, sich mit ihren Ellbogen durchsetzen kann“, erklärt Susi Stach. Warum das so ist, wird in der Serie auch weiterhin durch Rückblicke erklärt. Denn Gerti war die erste Frau in der Polizeistation in den 80er-Jahren und hat es dementsprechend sehr schwer gehabt. Stichwort Kaffee machen und gemeinere Diskriminierungen. Dann wurde sie auch noch mit ihrem verhasstesten Kollegen gemeinsam auf Streife geschickt. Der Kranzler, mit dem sie sich schließlich so halbwegs zusammengerauft hat, spielt übrigens in der neuen Staffel eine wichtige Rolle.
Plötzlich Seniorenheim
Übrigens stehen auch für Ex-Puffbesitzer Franco, den pensionierten „Entertainer aus der Erotikbranche“, ein anderer Mann, der Gerti seit den 80ern begleitet, verwirrende Veränderungen an. Er lebt plötzlich im Seniorenheim und weiß nicht warum.
Die Zeitreisen 40 Jahre zurück zeigen aber auch, worin sich Heidi und Gerti ähneln, nicht umsonst findet Hage, dass sie sich „gegenseitig einen Spiegel vorhalten“: Ehrgeizig müssen sie nämlich beide sein und einiges aushalten. Und das verbindet wiederum auch die Schauspielerinnen mit den Figuren: „In diesem Beruf musst du auch resilient sein, wenn du dich behaupten willst“, sagt Hage. Sie mag an ihrer Heidi, „dass sie manchmal etwas schrullig, manchmal etwas hart ist. Und ihren Glauben daran, dass sich Dinge zum Guten entwickeln können.“
Susi Stach wiederum freut sich, dass sie bei ihrer Gerti einiges von sich selbst einbringen kann: „Sie ist so alt wie ich, sie hat dieselben Fettschnuzn wie ich, sie spricht dieselbe Sprache wie ich. Es ist einfach schön, eine ältere Frau spielen zu dürfen, die im Beruf steht, die Probleme hat, die nicht großmütterlich sind.“ Denn Stach ist auch der Meinung: „Ich glaube, dass sehr viele Menschen solche Figuren gern sehen, weil sie ihnen näher sind.“ Eines ist glücklicherweise dann doch anders: „Ich lache definitiv wesentlich mehr im privaten Leben“, sagt Stach – lachend.
Gesicht darf fallen
Wobei der Grant der Gerti legendär ist und auch kultiviert wird: „Wir haben das Glück, dass wir einen großartigen Regisseur (Sascha Bigler, Anm. ) haben, der auch die Dialoge so schreibt, dass man einfach das Gesicht runterfallen lassen darf.“ Eigentlich geht es noch weiter, sagt Hage: „Es heißt sogar oft: Grins bitte weniger.“
Noch etwas, das sonst eher reduziert werden soll, wird von Bigler mitunter mehr eingefordert: Mundart. Für Stach, die auch als Dialektcoach tätig ist, eine große Genugtuung. „Es ist so schön. Wie Heimkommen.“ Dass der zutiefst wienerische Einschlag der Serie deren Verbreitung hemmen könnte, das glauben die beiden nicht. Hage erzählt, dass sie von Social-Media-Followern aus Deutschland oft gefragt werde, wann die Serie den Sprung über die Grenze machen würde. „G’schissener versteht jeder, glaub ich“, sagt sie keck.
Dialekt ist wie Oper
Und Stach erzählt, dass sie deutschen Kolleginnen die DVD geschickt habe und die hätten bis auf wenige Worte alles verstanden. Genauso ein afghanischer Elektriker, der seit zehn Jahren in Österreich lebt. „Es ist halt wie in der Oper, da versteht man auch nicht jedes Wort, aber man fühlt es, wenn es vom Herzen kommt“, findet Hage einen schönen Vergleich.
Und manchmal würden sie beide selbst noch neue Wörter lernen, das Publikum kann sich da gern anschließen – „wir haben eben einen Bildungsauftrag“, scherzen die zwei.
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