Franziska Weisz: "Im Fernsehen hat man Angst vor Harmonie"
„Das mach ich jetzt mal ganz lange nicht mehr“ – das dachte sich Schauspielerin Franziska Weisz nach ihrem Ausstieg beim Hamburger „Tatort“, wo sie bis 2024 als Kommissarin Julia Grosz im Einsatz war. „Dann aber ist dieses Projekt bei mir gelandet und die Rolle hat mir einfach gefallen“, erzählt Weisz im KURIER-Gespräch. Und so hat es die gebürtige Wienerin wieder ins Krimifach verschlagen: Ab Freitag (20.15 Uhr, ORF 2) ermittelt sie als Doro Beitinger in der Serie „Mordufer“.
Uneitel sei sie und lasse beim Reden „gerne mal den Bauch raushängen“, sagt Weisz über ihre Serienfigur. „Das sieht man bei Frauen eher selten.“
Nach Jahren der Care-Arbeit, in denen sich Doro um die Kinder und die pflegebedürftige Mutter gekümmert hat, kehrt sie zurück in ihren Job als Kriminalkommissarin am Bodensee. „Die ganzen Berufsanfänger von damals, die Männer, haben mittlerweile Karriere gemacht. Sie haben zwar auch Familie, aber Doro hat sich als Frau entscheiden müssen. Das ist einfach immer noch ein großes Thema“, so Weisz.
Interessant finde sie auch, dass Doro eine jüngere Chefin (gespielt von Maria Wördemann) hat. Ein Aspekt, der „unsere heutige Gesellschaft widerspiegelt. Wir sind alle noch eine alte Hierarchie gewohnt, die aber gar nicht mehr unserer Zeit entspricht.“ Oft werde davon gesprochen, „dass wir frischen Wind oder einen jungen Blick brauchen und schwups hat ein etablierter Konzern einen jungen Quereinsteiger an der Spitze. Die Menschen müssen aber erst mal lernen, damit umzugehen“, findet die 45-Jährige und meint damit sowohl die „älteren Semester“ als auch die neue Chefin.
Franziska Weisz und Maria Wördemann in "Mordufer"
Konfliktbeladen
Die Protagonistinnen verstehen sich dennoch gut – auch wenn die Beziehung zwischen den beiden ursprünglich konfliktbeladener angelegt gewesen sei. Im Casting seien die zwei Frauen jedoch „von Anfang an eher harmonisch miteinander“ gewesen, berichtet Weisz.
„Ich finde es toll, dass man sich dafür entschieden hat.“ Denn oft sieht es im TV anders aus: „Man hat im Fernsehen, gerade beim Krimi, offenbar Angst vor Harmonie. Vielleicht aus Sorge, dass es langweilig wird. Aber man kann gut auskommen und es auf einer menschlichen Ebene miteinander interessant haben.“
Weibliche Mordopfer
Im ersten Fall „Brennen soll sie“ müssen sich die zwei Ermittlerinnen mit einer verkohlten Leiche beschäftigen – eine Schönheitschirurgin wurde auf einem Scheiterhaufen verbrannt.
„Wir haben bewusst viele weibliche Mordopfer in der Serie, weil das die Realität widerspiegelt“, sagt Weisz mit Blick auf die hohe Zahl der Femizide. Das Thema Vermeidung werde in der dritten Folge behandelt: „Da hat eine Frau ein massives Stalker-Problem und wird von der Polizei nicht ernst genommen. Für die Frau geht das schrecklich aus. Das sind Dinge, die gesellschaftlich ernst genommen werden müssen.“
Franziska Weisz im "Bozen-Krimi: Teuflische Strafe"
Wahnsinnspensum
Entstanden sind die vier Folgen der Serie in 40 Drehtagen. Ein „Wahnsinnspensum“, wie Weisz betont. „Da haben wir zum Beispiel geschaut: Was können wir heute alles im Präsidium drehen? So kam es schon vor, dass alle Verdächtigen aus den ganzen vier Folgen an einem Tag bei uns aufmarschiert sind und wir komplett unchronologisch durch die Drehbücher gesprungen sind.“
Entschädigt hat dafür die Kulisse am Bodensee: „Davor habe ich mir gedacht: Ui, das ist ja komplett am Arsch der Heide“, sagt die Wahl-Berlinerin lachend. „Ich habe es dann aber sehr genossen, weil die Region wirklich traumhaft ist. Ich habe jeden Abend einen Sonnenuntergang fotografiert und bin nach jedem Drehschluss ins Wasser gesprungen.“
In einer anderen Rolle ist Weisz in der kommenden Woche zu sehen: Im „Bozen-Krimi“ (Donnerstag, 12. 3., 20.15 Uhr, ARD) gibt sie die Frau eines ermordeten Sternegastronomen, die selbst unter Verdacht gerät. Mit dem von Gabriel Raab gespielten Bozener Ermittler gab es dann auch ein Wiedersehen am Set am Bodensee: „Ich finde sehr lustig, dass der Kommissar im ,Bozen-Krimi‘, wo ich verdächtig war, zwei Monate später bei uns in ,Mordufer‘ einen Verdächtigen gespielt hat.“
Zurzeit ist Weisz aber mit weniger actionreichen Tätigkeiten beschäftigt: „Wenn gerade kein Dreh ist, fallen mir tausend private Projekte ein, die ich umsetzen kann“, so Weisz und fügt schmunzelnd hinzu: „Jetzt gerade bin ich dabei, meine Steuer zu machen.“
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