Gleiche Bezahlung im Pop: „Es hat sich noch nicht viel verändert“

Virginia Ernst über ihr „#WeAre – Starke Stimmen, Starke Frauen“-Konzert und die Benachteiligung von Musikerinnen bei den Gagen
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„Sichtbarer“, sagt Virginia Ernst, sei das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau in den vergangenen Jahren durch Aktivitäten am Weltfrauentag geworden. „Es gibt mehr Aufmerksamkeit für das Thema Gleichberechtigung, aber an der Situation an sich hat sich leider noch nicht viel verändert.“

Seit 2018 veranstaltet die 35-Jährige am 8. März ihr „#WeAre – Starke Stimmen, Starke Frauen“-Konzert. Heuer sind im Globe in Wien u. a. Billie Steirisch, Natalie.nie, Esther Graf, Proschat Madani (sie wird lesen) und Michael Niavarani, als Globe-Hausherr ein langjähriger Unterstützer der Aktion, mit dabei. Das Hauptziel ist wie seit Beginn der Konzertserie: jungen Künstlerinnen, egal, aus welchem Genre sie kommen, eine Bühne zu geben.

Geringere Gagen

„Ich glaube nicht, dass das, was wir machen, in Sachen Gleichberechtigung lebensverändernd ist“, erklärt Ernst. „Die Idee ist nur, zu zeigen, dass wir in Österreich, Deutschland und der Schweiz tolle Künstlerinnen haben, damit sie auch im Radio gespielt werden und bei den Gagen so viel verlangen können wie die Männer.“

Zahlen, um wie viel Musikerinnen für Live-Auftritte weniger bezahlt bekommen als Musiker, kann Ernst nicht nennen. Denn über Geld wird in der Branche selten gesprochen. Aber: „Mir wurde so oft gesagt: ,Wir brauchen dir nichts zu bezahlen, denn du brauchst ja die Werbung, die dir der Auftritt gibt!‘ Ich habe Stadtfeste für 250 oder 500 Euro gespielt. Ich habe auf der Hauptbühne beim Donauinselfest für 1.000 Euro gespielt. Damit habe ich meine Musiker bezahlt. Aber mit einer fünfköpfigen Band ging das auch nur, weil die mir manchmal entgegengekommen sind und gesagt haben, ich verlange statt 250 oder 350 Euro nur 100, weil wir dich mögen. Klar, wegen der Breitenwirkung sagst du zu einem Donauinselfest nicht nein. Aber ich habe jahrelang wirklich jeden kleinen Auftritt angenommen, aber damit nie etwas verdient.“

Ernst kann nicht sagen, ob Männer beim Donauinselfest besser bezahlt werden. „Aber aus meiner Erfahrung und mit dem, was sich herumgesprochen hat, ist es definitiv so, dass Musikerinnen weniger verdienen als Musiker. Und sie bekommen vor allem auch weniger Auftritte und sind bei größeren Veranstaltungen nur als Quotenfrauen dabei, werden auf den Plakaten an letzter Stelle genannt.“

Dass die auftretenden Frauen bei „#WeAre“ faire Gagen bekommen, finanziert Ernst über Sponsoren und den engagierten Einsatz des winzigen Teams, das die Veranstaltung organisiert. Es besteht aus ihrer Mutter Andrea und ihrer Frau Dorothea. Ein bisschen frustriert war Ernst wegen dieser Zustände im Musikbusiness in den vergangenen Jahren, hat sich daraus zurückgezogen und stattdessen auf ihre Familie konzentriert. Sie und ihre Frau Dorothea haben zwei Buben und ein rund ein Monat altes Mädchen. „Wir haben zu Hause einen sehr chaotischen Kindergarten“, sagt sie, sichtlich erfreut darüber.

Wollen statt müssen

Wie wichtig ihr die Familie ist, zeigt sie jetzt mit ihrem neuen Song „Love Is The Only Thing“, den sie am 8. März im Globe vorstellen wird. „Ich habe früher Eishockey gespielt, war als Sportlerin sehr diszipliniert und deshalb auch später in der Musik sehr auf die Karriere fixiert. In ,Love Is The Only Thing‘ denke ich darüber nach, was zählt, wenn du alt und schrumpelig bist. Du wirst dann nicht an die Karriere zurückdenken, sondern an deine Familie, daran, wer hinter dir gestanden ist, wenn du tief gefallen bist, und wer jetzt noch an deiner Seite ist.“

Dass Ernst trotz aller Schwierigkeiten jetzt doch wieder neue Musik veröffentlicht, liegt daran, dass sie für das Einkommen auf Comedy Sketches im Internet und Podcasts umgesattelt hat. Dadurch bekam sie wieder Lust aufs Musikmachen: „Jetzt kann ich das machen, weil ich will und nicht, weil ich muss. Und das ist ein sehr großer Unterschied.“

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