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TV-Kritik
11/06/2021

Das war Gottschalks "Wetten, dass ..?"-Comeback

Einmal ging’s noch: Gottschalk, und mit ihm Österreich, Deutschland und die Schweiz, saßen wieder für „Wetten, dass ..?“ gemeinsam auf der Couch.

von Georg Leyrer

Schon bei den langen, langen Standing Ovations zu Beginn wusste man: Sendezeit einhalten ist etwas für Anfänger.

Nicht aber für Thomas Gottschalk. Vor allem dann nicht, wenn der Lieblingsonkel des deutschsprachigen Fernsehpublikums was zu feiern hat. 40 Jahre „Wetten, dass ..?“, das war von Anfang an ein Hochfest der nostalgischen Verklärung, ein gegenseitiges Schulterklopfen von Moderator und Publikum: Wir waren dabei.

Beim 40. Geburtstag der legendären Sendung. Und vor allem: damals, als Samstagabendshows noch der Kitt waren, der die Gesellschaft zusammenhielt. Als herrlich nutzloser Unsinn wie Dartpfeile in einer unsichtbaren Weltkarte dorthin zu werfen, wo vielleicht Kasachstan liegt, irgendwie zum gemeinsamen Gesprächsstoff zwischen Karawankentunnel und Sylt wurde. Als am Schluss, wenn Gottschalk dann endlich fertig war mit seiner Sendung, die Wasserlieferanten alle Hähne öffneten, weil ganz Deutschland und ganz Österreich und die ganze Schweiz zeitgleich aufs Klo ging und dann die Spülung zog.

Wetten, der ..?

Die Zeiten sind vorbei: Fernsehen ist heute etwas anderes. Aber einmal noch saß er da wieder, auf der gleichen Couch, und vielleicht ist es die nachlassende Sehstärke des Fernsehkritikers, aber Gottschalk sah immer noch aus wie damals.

Er machte auch Witze wie damals, und ein paar Witze darüber, wie es heute wäre, Witze zu machen (natürlich werde er gendern, höhö, „Wetten der, wetten die, wetten das“). Er stellte dem entzückenden jüngsten Wettkandidaten, der herrlich nutzlosen Unsinn machte wie sich an den Füßen durch eine U-Bahn-Attrappe zu hangeln, die Frage des Abends: „Du bist im Fernsehen, weißt du noch, was das ist?“ Der wiederum konterte auf die Frage, ob er Gottschalk schon mal gesehen hatte, mit einem verwunderten „wen?“.

Es war das alles ein Rückblick auf die großen Zeiten des deutschsprachigen Fernsehens, was auch immer das heißt. Und Gottschalk kann es immer noch, und es funktionierte auf seine Art immer noch: Der herbstblonde Moderator zeigte auch nicht mehr jungen Kollegen wie Joko & Klaas, wer der Meister der Gesprächsführung Abteilung „dahinplätschernde Plattitüde“ ist. Er führte, völlig schmerzbefreit, Verkaufsdialoge zu deren neuen Alben mit ABBA und Helene Fischer, wie zur besten Prime Time am Shoppingkanal für Musik von der Stange. Und da zog der Gedanke vorbei, dass damals, als „Wetten, dass ..?“ noch nicht retro war, die Liebe zum Schlager etwas war, das man dem Nachbarn lieber verheimlichte.

Da war sie auch gleich wieder, diese einzigartige Eigenartigkeit der Show. Österreichische Sprinter wetteiferten gegen ein von Feuerwehrleuten mit Wasser angetriebenes Gokart um die Wette. Später wurde mit einer Klobürste Musik gemacht.

Und wer sich da doch kurz fragte warum, der war von der Arbeitswoche offenbar nicht ausgepowert genug, um sich willenlos genug dem „Wetten, dass ..?“-Fluss hinzugeben: nicht fragen, zuschauen.

Und nein, es war keine Illusion, dass alle wieder diese übergroßen Sakkos tragen, die zur Hochblüte von „Wetten, dass ..?“ schon schrecklich, aber immerhin in Mode waren. Was sie jetzt offenbar wieder sind, wie zwei junge Influencerinnen zeigten.

Man soll wirklich nichts wegschmeißen aus dem Kleiderkasten!

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Gerührt, und geschüttelt

Das Publikum und Gottschalk waren gerührt, von sich, von der Vergangenheit (Nostalgie ist übrigens immer ein Zeichen von Statistik-Schwäche).  Am Schluss bekam auch der Erfinder der Show, Frank Elstner, einen Auftritt. Der schlug vor, ein Mal im Jahr die Show zu machen, was nicht einmal Gottschalk so richtig zu wollen schien. Alles, und damit ein Stück TV-Geschichte, endete - what else? - mit einer Baggerwette.

In diesem Sinne: Baba, „Wetten, dass ..?“, es war sehr schön mit dir.

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