Kultur | Medien
14.11.2018

Blick in die Abgründe der Menschen

Ästhetisch hochwertig, verstörend, düster ist „Parfum“ (ZDFneo) mit Friedericke Becht als Hauptdarstellerin.

Ein Mord führt in „Parfum“ (22 Uhr, ZDFneo) Profilerin Nadja Simon ( Friedericke Becht) zu fünf früheren Internatsschülern. Die hatten sich mit Süskinds Bestseller und der Idee der Manipulation durch Düfte beschäftigt. Was nicht ohne Folgen bleibt. Friedericke Becht über Sehnsüchte, das Frauenbild in dieser Serie und Juergen Maurer.

KURIER: Was ist Nadja Simon für eine Figur?

Friederike Becht: Sie ist eine toughe Kriminalbeamtin, die sich zur Fallanalytikerin weitergebildet hat. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und kommt in der männerdominierten Welt der Polizei gut klar. Auf den ersten Blick wirkt sie stark und unnahbar, vielleicht auch, weil sie das ausstrahlen will. Hinter dieser Fassade ist aber viel mehr. Das ermöglicht ihr, nachzuvollziehen, was die Täter antreibt. Ihr selbst bringt es aber auch ein Verlassenheitsgefühl, das sie in Fallen tappen lässt, in die einsame, zerrissene Menschen wie sie tappen.

Die Falle ist Staatsanwalt Grünberg. Diese Affäre tut nicht gut, sie lässt sich aber darauf ein.

Ich glaube, sie wünscht sich etwas Heiles in ihrem Leben. Einen Mann, der an ihrer Seite steht. Das mit Grünberg ist wieder etwas Instabiles. Wie das so oft ist, man begibt sich in Dinge, die man noch nicht geknackt hat, und dann dreht man sich im Kreis.

Welchen Zugang hatten Sie zu Buch und Film „Das Parfum“?

Ich kannte das Buch schon vorher, wir haben es in der Schule durchgenommen. Es hat mir damals schon gut gefallen. Das gilt auch für den Film. Zur Vorbereitung habe ich mir das alles noch einmal reingezogen, um Ansätze zu finden, die ich für unsere Geschichte brauchen konnte. Für die Serie muss man aber weder das Buch gelesen noch den Film gesehen haben. Das steht für sich.

Wo gibt es Berührungspunkte zwischen Film, Buch und Serie?

Was verbindet ist, dass sich die Figur des Grenouille in gewissen Aspekten der Rollen widerspiegelt. Es geht in „Parfum“ ja um eine Gruppe Jugendlicher, die, motiviert durch das Buch, mit Gerüchen experimentiert und die sich überlegen, was sie denn mit dem Geruch erreichen, manipulieren könnten. Ähnlich wie Grenouille sind diese Figuren alle ein bisschen verloren und gehen wahnsinnig weit für ihre Sehnsüchte und Begierden.

Im Vorfeld wurde das Frauenbild in der Serie thematisiert und kritisiert. Wie sehen Sie das?

Ich finde generell gut, dass man solche Fragen stellt, dass man sich überlegt, ob die Frau da schlechter dasteht als der Mann. Da ist durch #MeToo einiges in Gang gekommen. In „Parfum“ haben alle Figuren, unabhängig vom Geschlecht, einen Knacks. Männer wie Frauen sind hier letztendlich Opfer und Täter. Wie und warum, das ergründet sich nach und nach.

Ein Ermittler-Kollege ist der Österreicher Juergen Maurer.

Es war sehr schön, mit ihm zu arbeiten. Er ist ein Kollege, dem man sehr schnell vertrauen kann, man fühlt sich sicher mit ihm. Er ist ein sehr zugewandter, offener Mensch, mit dem man auch ausprobieren kann, ein suchender Schauspieler, mit sehr offener Kommunikation. Man kommt dadurch sehr gut zueinander, was für das Spiel sehr wichtig ist. Und er war witzig – in der Rolle nicht unbedingt, aber in den Momenten dazwischen.