Altkanzler Franz Vranitzky, Silvana Meixner, Helmut Brandstätter.

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Kultur | Medien
05/06/2019

Ari Rath-Preis an Helmut Brandstätter und Silvana Meixner

Zeiler: "Extrem froh über starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk" - Hielt Laudatio auf Meixner.

Der „Ari Rath Preis für kritischen Journalismus“ 2019 ist am Montagabend an die Leiterin der ORF-Sendung "Heimat Fremde Heimat", Silvana Meixner übergeben worden. Ihr Laudator war Time Warner-Chief Revenue Officer Gerhard Zeiler, der in seiner Rede für einen starken ORF plädierte. "Ich wüsste schon Einiges, was ich gerne anders hätte im ORF, aber das verblasst alles hinter dem Faktor, dass das Wichtigste im ORF erfüllt wird, - die tatsache, eine unabhängige Berichterstattung zu garantieren", so Zeiler. Er mahnte die ORF-Journalisten, "unbequem zu sein. und unbequeme Fragen zu stellen". Und in Anspielung auf Armin Wolf sagte er: "Man wird ja mit drohenden Konsequenzen und Auszeitforderungen konfrontiert."

Vor 25 Jahren wurde Meixner durch eine Briefbombe schwer verletzt. "Unbeeindruckt davon engagierte sie sich weiter journalistisch für geflüchtete Menschen, ethnische Minderheiten und Menschenrechte", heißt es in der Begründung der Jury. "Sie hat im ORF ein Team erstklassig arbeitender Journalistinnen und Journalisten aufgebaut, die inzwischen weit über die Stammredaktion von ,Heimat Fremde Heimat' hinausstrahlt." 

Ehrenpreis an Brandstätter

Der erstmals verliehene „Ari Rath Ehrenpreis“ ging an KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter. Sein Laudator war Altbundeskanzler Franz Vranitzky. Brandstätter thematisierte in seiner Dankesrede den zunehmenden Druck auf Journalisten, die Unabhängigkeit des ORF und den Beruf als Medienmacher.  „Die Regierung will nicht nur regieren, sondern auch mitreden und kontrollieren, was über das Regieren berichtet wird“,  so Brandstätter. „Aber: Wenn wir beim Schreiben, beim Berichten und Analysieren auch nur einen Gedanken an mögliche negative Auswirkungen unserer Arbeit zulassen, sind wir schon am Anfang vom Ende der Pressefreiheit.“ Diese, nämlich „eine echte, ehrliche Pressefreiheit ist auch Grundlage unserer Demokratie“.  

Journalisten sollen sich bewusst sagen: „Ich habe keine Angst – wir haben keine Angst“, so Brandstätter.  „Nutzen wir dafür auch die sozialen Medien, um das allen zu sagen – teilen wir den Hashtag #MedienohneAngst, je größer die Gruppe von Menschen wird, die das tut, umso klarer wird die Botschaft.“

Wahrung der Menschenrechte

Die Auszeichnung wurde eingerichtet, um im Sinne des im Jänner 2017 verstorbenen renommierten ehemaligen Chefredakteurs der Jerusalem PostJournalistinnen und Journalisten auszuzeichnen, die sich in ihrer Arbeit um eine kritische und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete Berichterstattung über Flucht, Vertreibung und Asyl in hervorragender Weise verdient gemacht haben.

Ari Rath war am 2. November 1938 als Kind im Alter von 13 Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme mit Gewalt vertrieben worden und hat in Palästina und später im Staat Israel eine neue Heimat gefunden. In den letzten Jahren lebte Ari Rath Großteils in Wien und wirkte als kritischer Mahner für eine demokratische und friedliche Zusammenarbeit der Menschen. Als Zeitzeuge des nationalsozialistischen Terrors plädierte er immer wieder für die absolute Ablehnung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die er in vielen Vorträgen und Gesprächen mit Schülern über den Antisemitismus hinaus als Botschaft vermittelte.