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Kultur Medien
06/30/2022

4Gamechangers: Medienschwerpunkt lotete Zukunft der Branche aus

Die Chefs von ORF und Puls4 demonstrierten Kooperation statt Konkurrenz. Parallel wird zu Medienpolitik verhandelt.

Was wurde eigentlich aus dem ORF-Gesetz? Der √Ėffentlich-Rechtliche will endlich mehr M√∂glichkeiten im Digitalen Raum bekommen, Privatsender und Verleger halten dagegen. Umso st√§rker betont der ORF seine kooperative Seite, was am Donnerstag zu einem bisher ungekannten Moment f√ľhrte: ORF-Generaldirektor stand gemeinsam mit dem Puls4-Chef auf der B√ľhne.  Das von Puls 4 ins Leben gerufene Digitalfestival 4Gamechangers wurde erstmals gemeinsam veranstaltet. ORF-Chef Roland Wei√ümann und der CEO von ProSiebenSat.1 PULS 4, Markus Breitenecker gaben sich demonstrativ einen Fistbump auf der B√ľhne: "Die Herausforderungen der globalen Welt sind sehr gro√ü, daher ist die Zusammenarbeit besonders wichtig", so Wei√ümann.  Breitenecker betonte: "Wir m√∂chten ein Zeichen setzen und zusammenarbeiten, denn 'Kooperation statt Konkurrenz' ist das Motto."

Kein Schwerpunkt, aber doch wichtig

Die Veranstaltung, von ORF1 ins Nachtprogramm verr√§umt und unter tags gestreamt, ist kein Interessensschwerpunkt des ORF. Offenkundig ist die neue F√ľhrung aber darum bem√ľht, Einvernehmen mit seinem lautesten Konkurrenten herzustellen. Denn die Verhandlungen zum ORF-Gesetz gestalten sich z√§h: J√ľngst haben sich die Chefredakteure von √Ėsterreichs Zeitungen zu Wort gemeldet und vor einer Einschr√§nkung der Medienvielfalt gewarnt, wenn der ORF noch mehr Rechte bek√§me. Den Verlagen ist unter anderem ORF.at ein Dorn im Auge, das immer mehr einem t√§glichen Magazin gleicht. Und Breitenecker wird nachgesagt, gro√ües Interesse an ORF-Inhalten zu haben. Solange all diese B√§lle in der Luft sind, geht man lieber zu einer Veranstaltung zu viel als zu einer zu wenig - und schickt auch sein Spitzenpersonal hin: ORF-Anchor Martin Th√ľr war dort ebenfalls auf einem Panel wie Tobias P√∂tzelsberger das h√§tte sein sollen (er sagte ab).

Schwerpunkt Medien/Daten

Am Donnerstag gab es neben dem Paarlauf Wei√ümann/Breitenecker auch einen Medien- und Datenschwerpunkt. In der Marx Halle in Wien skizzierte dabei Gerhard Zeiler, President International bei Warner Bros. Discovery, die Zukunft des Fernsehens. Der Streamingboom setze sich fort, aber lineares Fernsehen sei nicht tot, prognostizierte er. Entscheidend f√ľr ein Medienunternehmen sei, ob es sich rasch an die W√ľnsche des Publikums anpassen k√∂nne. Denn: "Der Konsument entscheidet, der Konsument ist K√∂nig", sagte Zeiler. Dabei habe man im Bewegtbildbereich mit immer mehr Konkurrenz zu tun. L√§ngerfristig werde der Markt jedoch unter einigen wenigen Anbietern aufgeteilt werden - alleine schon aus finanziellen Gr√ľnden. "Gr√∂√üe z√§hlt", meinte der √∂sterreichische Medienmanager.

Eigene Marke wichtig

Um bestehen zu k√∂nnen und die produzierten Inhalte auch refinanzieren zu k√∂nnen, m√ľsse man sich auf die eigene Marke konzentrieren und den Nutzerinnen und Nutzern etwas bieten, das sonst niemand im Angebot habe. Auch sei es von Vorteil m√∂glichst breit aufgestellt zu sein und verschiedene Bezahlmodelle zu etablieren: neben Abonnements auch billigere Modelle mit Werbung oder auch reine Werbefinanzierung.

APA will Technologie-Genossenschaft

APA-Gesch√§ftsf√ľhrer Clemens Pig strich in einer Keynote die "Schl√ľsselrolle" von Nachrichtenagenturen f√ľr den Nachrichtenmarkt hervor. Sie seien zwar vielen in der Bev√∂lkerung nicht bekannt, verantworten aber bis zu zwei Drittel der t√§glich an die √Ėffentlichkeit gelieferten Informationen. "Bedr√ľckend" sei, dass lediglich 20 von 140 Nachrichtenagenturen weltweit staatlich unabh√§ngig agieren und diese mit schrumpfenden Ressourcen konfrontiert seien.Um weiter unabh√§ngig arbeiten zu k√∂nnen, m√ľsse man aktiv werden. "Lasst uns eine europ√§ische Technologie-Genossenschaft im Eigentum der freien Nachrichtenagenturen und Medien gr√ľnden", schlug der APA-Chef vor. Mit dieser k√∂nnte in einer europ√§ischen Digital√∂konomie kooperativ gewirtschaftet werden - ein echter "Gamechanger" w√§re das, so Pig, der auch Pr√§sident der europ√§ischen Nachrichtenagentur-Allianz EANA ist.

Digitalisierungsstaatssekret√§r Florian Tursky (√ĖVP) hielt fest, dass mit zunehmender Digitalisierung auch die Verantwortung des Staates wachse, sicher mit Daten umzugehen und etwa Vorf√§lle wie Datenleaks zu verhindern. Hier sollte verst√§rkt im europ√§ischen Kontext gedacht werden, meinte er. Auch sprach er ein gewisses Misstrauen gegen√ľber E-Government-Anwendungen an: "Wir m√ľssen das Vertrauen in digitale L√∂sungen des Staates massiv steigern."

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