Kultur
01.03.2018

Martha Jungwirth wird gefeiert: Sagte irgendwer, Malerei sei tot?

Eine Werkschau ehrt die Malerin, die heute den Oskar-Kokoschka-Preis erhält.

Wer Malerei mag, wird sich schwertun, das Werk von Martha Jungwirth nicht zu mögen: Wenn man die Fähigkeit, mithilfe von Farben auf einer Fläche Leben zu erzeugen und festzuhalten, als eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner dieser Kunstform nimmt, dann ist die Meisterschaft im Werk der heute 78-Jährigen in zahllosen Facetten zu entdecken.

Die Ausstellung, die die Albertina für und gemeinsam mit Jungwirth zusammengestellt hat (bis 3. Juni), macht zunächst einmal einfach Freude, bietet aber auch reichlich Gelegenheit, über Malerei als solche, ihre Möglichkeiten und Wahrnehmungsweisen nachzudenken.

Dass die Schau mit derÜberreichung des Oskar-Kokoschka-Preiseszusammenfällt, die heute, Donnerstag, an der Universität für Angewandte Kunst stattfindet, ist nicht wirklich ein Zufall: Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder hatte Jungwirth für den mit 20.000 Euro dotierten Preis, der in der Vergangenheit bereits Größen wie Gerhard Richter, William Kentridge und Yoko Ono zuteil wurde, nominiert – und war , wie er sagt, auf einhellige Zustimmung gestoßen. Die Werkschau in der Albertina sei aber schon länger geplant gewesen.

Tatsächlich ist Jungwirths Malerei auch im internationalen Kontext eine singuläre Erscheinung. Der Zuordnung zu einer gewissen Stilrichtung entzieht sich die Künstlerin allein schon durch die Bandbreite ihres Schaffens, das sich über mehr als sechs Jahrzehnte spannt – das Label der Gruppe "Wirklichkeiten", mit der sie 1968 prominent ausstellte, blieb auch nicht ewig picken.

Entspannte Spannung

Im Kern ist es aber das spezielle Verhältnis zwischen Motiv und Abstraktion, das Jungwirths Weg von vielen anderen abhebt. Ausgehend von einigen wenigen Arbeiten der 1960er Jahre zeigt die von Kuratorin Antonia Hoerschelmann gestaltete Schau diesen Pfad mit teils noch nie gezeigten Werkserien.

Die größten Formate der Schau etwa stammen aus den frühen 1980er Jahren und waren lange gerollt im Atelier "versteckt". Mit dem Titel "hier und jetzt und nie wieder" versehen, zeigen die Bilder die Lust am schnellen Malprozess mit all seinen mehr oder weniger gewollten Spuren, Strichen, Flecken, Tropfen und Rinnsalen . Doch zugleich spricht aus den Farben und ihrer Setzung eine Überlegtheit und die Anwesenheit von Gravitationszentren, die sich verzögert, aber doch als klare Motive – Köpfe, Gliedmaßen, Gebäude – zu erkennen geben.

Die Spannung in diesem "intelligenten Fleckgefüge" (O-Ton Jungwirth) lässt sich in der Schau in großen und kleinen Formaten, in älteren und jüngeren Werken erspüren. Ein ganzer Raum ist Werken gewidmet, die erst jüngst entstanden: In starken Violett- und Rottönen und mit teils ausladender Geste auf großen Karton-Untergründen gemalt, ist Jungwirth in diesen Bildern nochmal ganz anders und doch unverkennbar sie selbst. Eine große Freude, fürwahr.