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Eine Demonstration für Hinterhäuser in Salzburg: Jubel schon vor dem Konzert

Lange wurde gerätselt, ob der Ex-Intendant der Salzburger Festspiele auftreten wird. Markus Hinterhäuser tat es, mit einer Programmänderung: Er und Matthias Goerne faszinierten mit der „Winterreise“.
Zwei Männer stehen neben einem offenen Flügel auf einer Konzertbühne vor Publikum.

Das nennt man eine Demonstration: Als Markus Hinterhäuser und Matthias Goerne das Konzertpodium betreten, legen die ersten Bravo-Rufer los. Der Applaus will im seit Monaten ausverkauften Saal des Mozarteums schon vor dem Konzert nicht enden. „Das ist für Hinterhäuser“, sagt eine Konzertbesucherin zwischen ihren Bravos. Auch zwei künstlerische Weggefährten Hinterhäusers jubeln ihm zu: Die Festspiellstars Asmik Grigorian und Teodor Currentzis.

Seine Geschichte ist bekannt. Zehn Jahre war er Intendant der Salzburger Festspiele und sollte es heute noch sein, wurde aber aus bisher beiderseits nicht kommunizierten Grüden aus seinem Amt entfernt. Viele fragten sich daher, ob er denn unter diesen Umständen seine beiden geplanten Konzerte spielen werde (das zweite ist am 11.8. mit dem Pianisten Igor Levit, Anm.) 

Viele gemeinsame Kilometer

Warum auch nicht? Nur das Programm hatte er geändert. Schuberts „Schwanengesang“ ersetzte er durch dessen „Winterreise“. Damit hatte diese künstlerische Partnerschaft 2014 bei den Wiener Festwochen, wo der Pianist Intendant war, begonnen. Mit animierten Illustrationen von William Kentridge ließ er Schuberts Liederzyklus zu einer neuen Form von Musiktheater werden. Der führte die beiden Musiker bis nach New York und Sydney. 

Jetzt aber „Die Winterreise“ pur. Als die ersten Takte am Klavier anklingen, spürt man, jetzt gilt’s der Kunst, wie es frei nach Wagners „Meistersingern“ heißt. Zügig intoniert der Pianist die Schritte des einsamen Wanderers, drückt das Schubert’sche „Fortepiano“ feinst nuanciert aus. Sänger und Pianist agieren wie durch eine unsichtbare Kraft verbunden. Einer zieht den anderen in seinen Bann. Man merkt, wie viele gemeinsame Kilometer Schubert diese beiden zurückgelegt haben. Goerne, der erst vor kurzem mit Daniil Trifonov Schuberts Liederzyklen aufgeführt hat, artikuliert jede Silbe deutlich, changiert mit seinem Bariton, der vom Falsett in der Höhe bis in tiefe Bassregionen reicht, zwischen Sprechgesang und wundersamen Phrasierungen, zwischen Sehnsucht, Verzweiflung, Hoffnung und Seligkeit. 

Trügerische Idylle

Sublim legt ihm der Pianist die Spur, würzt sein Spiel mit einer Dosis Sarkasmus („Rückblick“), wechselt zwischen Unerbittlichkeit und zarter, jedoch trügerischer Idylle („Frühlingstraum“), und lässt Töne zu pointilistischen, schillernden Bildern werden. „Die Nebensonnen“ bringt er in mystischen Klangfarben zum Leuchten und setzt sie so unter elektrisierende Spannung. Mit schwebenden Tönen führt er den Sänger vor den Leiermann. Klavier und Stimme erheben sich, als würden sie in den Raum fragen: Was jetzt? Stehende Ovationen.

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