Kultur
20.08.2018

Markiza TV: Harte Bandagen und fröhliche Väter

Der Österreicher Matthias Settele führt seit 5 Jahren den slowakischen Privatsender. Der Erfolg weckt obskure Begehrlichkeiten.

Es herrscht wieder Ausnahmezustand in Bratislava: Am nächsten Samstag machen sich Tausende aus allen Ecken der Slowakei auf den Weg, um den „Tag der offenen Tür“ beim größten Sender des Landes, Markiza, zu begehen. „Das ist beeindruckend und macht einen demütig. Manche nehmen eine stundenlange Fahrt auf sich, um hier ihre Stars zu treffen“, sagt Matthias Settele. Der Österreicher ist vor fünf Jahren , wie so oft in seiner Karriere, als Troubleshooter zur Sendergruppe gestoßen, hat sie aus den roten Zahlen geholt und beim Publikum zur quotenstarken Marke gemacht.

Finstere Seiten

Doch der Erfolg ist gefährdet. Die Gründe dafür führen auf die dunkle Seite des EU-Mitgliedsstaates, der mit Korruption zu kämpfen hat und im Frühjahr mit der Ermordung des dazu recherchierenden Journalisten Jan Kuciak für Schlagzeilen sorgte.

Es geht um Schuldscheine aus dem Jahr 2000 über 69 Millionen, die der umstrittene Geschäftsmann Marian Kocner vor Gericht geltend macht. Unterzeichnet wurden sie angeblich vom früheren Markiza-Eigner und Ex-Minister, Pavol Rusko, vormals „slowakischer Berlusconi“ genannt. Wenn der nicht zahlt, kommt Markiza, das auf einen Umsatz von etwa 95 Millionen taxiert wird, in die Ziehung.

„Die Wechsel sind gefälscht und rückdatiert. Wir können das beweisen, wenn man uns die Chance dazu gibt“, sagt Settele. Forensische und weitere Gutachten wurden aber bei einem Verfahren über einen Teilbetrag in erster Instanz nicht zugelassen – Kocner bekam recht.

Allerdings sitzt dieser derzeit in U-Haft, u. a. weil die Ermittler laut Medien von Fälschung ausgehen. Die Haft sei unrechtmäßig und unverhältnismäßig, meinen seine Anwälte. Hier ist der Oberste Gerichtshof am Wort. Die Schuldscheine aber, auf die es laut Settele weder in den Büchern des Senders noch des Geschäftsmannes Hinweise gebe, wurden zuvor von Kocner vom Gericht abgeholt und sind verschwunden. „Wir hoffen weiter auf ein faires Verfahren“, betont Settele. „Wenn dieser Fall aber durchgeht, sind alle Investitionen hier tendenziell gefährdet – es braucht nur zwei gerissene Geschäftsleute.“

Glaubwürdigkeit

Für den 51-Jährigen geht es hier nicht nur um Geld, sondern auch um die Pressefreiheit. „Markiza ist der einzige unabhängige TV-Sender in der Slowakei. Wir stehen keinen Oligarchen oder Parteien nahe. Das schätzen die Menschen und diese Glaubwürdigkeit halten unsere Journalisten hoch.“ Was zwangsläufig zu Verwerfungen mit Mächtigen führe. Und „natürlich gibt es dann von politischer Seite Druck auf allen Ebenen.“

Obwohl Markiza ein Privatsender ist und die Mutter CME an der Börse notiert, ist Eigenproduziertes Trumpf: Die Hauptnachrichten allein dauern über eine Stunde. In der Hauptsaison gibt es neben Frühstücks-TV werktags von 14 Uhr bis Mitternacht nur Eigenproduktion – und kaum Sport. „Wir können sehr effizient produzieren, stoßen aber auf Grund der Menge an die Grenzen des Möglichen bei Kreativen.“

Hauptsender Markiza – es gibt auch die Nischenkanäle Doma (Frauen) und daito (junge Männer) – sendet „internationale Showformate, die wir, ähnlich wie der ORF, teils mit dem tschechischen Schwesternsender Nova co-produzieren, Magazine, eigene Comedys und Drama-Serien.“ Der große Hit ist das am 1. Jänner gestartete „Oteckovia“ („Väter“). Auf die argentinische, für die Slowakei adaptierte Family-Soap machte der Ex-ORF-Mann und internationale TV-Berater Josef Andorfer aufmerksam. Die mit viel Witz gewürzten Geschichten um vier sehr unterschiedliche Väter und ihre Kinder versammeln regelmäßig mehr als ein Drittel aller TV-Zuseher vor dem Schirm. „Sie sorgen hier für das Tagesgespräch“, schmunzelt Settele und ahnt bereits, was sich beim „Tag der offenen Tür“ bei den „Väter“-Darstellern abspielen wird.