The murder of ML I. Abendlektüre 1973

© /Maria Lassnig Stiftung

KUNST
09/11/2016

Maria Lassnig: Die Genese eine Kulturexports

Das Werk der Malerin (1929 – 2014) feiert posthum Erfolge in den USA und Europa

von Michael Huber

Das Nachleben eines Künstlers oder einer Künstlerin ist eine Management-Aufgabe, an der Reputation und Marktwert wachsen oder zerbrechen können: Alfred Hrdlickas Ruhm ist heute deutlich verblasst, um Franz Wests Erbe toben weiterhin heftige Rechtsstreitigkeiten. Im Fall der 2014 verstorbenen Maria Lassnig, die vergangenen Donnerstag 97 Jahre alt geworden wäre, scheint dagegen vieles richtig zu laufen: Die Kunst der gebürtigen Kärntnerin ist gerade dabei, die Welt und insbesondere die USA zu erobern.

Während eine große Lassnig-Schau in der „Tate Liverpool“ am 18. September schließt und ins dänische Aalborg weiterwandert (ab 19.11.), finden in New York und Los Angeles zwei Galerieausstellungen statt, die sich für Lassnigs Verankerung in der US-Kunstgeschichte stark machen. Die Galerie Friedrich Petzel in New York eröffnete am Freitag mit „Woman Power“ eine Schau, die explizit die Zeit von 1968 – 1980 zum Inhalt hat, die Lassnig in der US-Metropole verbrachte (bis 26.10.). Kommenden Samstag eröffnet Hauser Wirth & Schimmel, die Niederlassung der Zürcher Galerie Hauser & Wirth, die ersteLassnig-Schau in Los Angeles(bis 31.12.). Die Galeristen Friedrich Petzel und Iwan Wirth, beides einflussreiche Personen in der Kunstwelt, sind Vorstandsmitglieder der Lassnig-Stiftung.

Rasant gewachsen

„Seit wir Lassnig 2002 erstmals einem amerikanischen Publikum vorgestellt haben, ist ihre Sammlerbasis exponentiell angewachsen“, erklärt Friedrich Petzel im e-mail-Interview. „Diese Ausstellung soll speziell die Wahrnehmung in Museen erhöhen. Es stehen nur wenige Werke zum Verkauf, und diese tragen die Auflage, dass sie nur von Museen erworben werden dürfen.“

Petzel zeigt auch eine Leihgabe aus der Essl-Sammlung – das Bild „Woman Power“ (1979), in dem die Künstlerin in King-Kong-artigen Dimensionen durch ein Häusermeer wandert, gibt der Schau den Titel. Doch es finden sich auch experimentelle Zeichnungen und Aquarelle mit Straßenansichten aus Manhattan in der Schau.

Preisniveau steigt

Papierarbeiten bietet Petzel ab 25.000 US-Dollar an, Gemälde zwischen 300.000 und 1,2 Millionen US-Dollar. Bedenkt man, dass der gültige Auktionsrekord für ein Lassnig-Gemälde bei 491.000 Euro (2014 im Dorotheum) erzielt wurde, so ist ein deutlicher Anstieg im Preisniveau zu bemerken; bei der Messe „Art Basel“ vergangenen Juni setzten Hauser & Wirth bereits ein Lassnig-Gemälde („Macht des Schicksals“, 2006) um 1,2 Millionen Dollar ab.

Da US-Museen derzeit ebenfalls auf Sparflamme fahren, wolle man Preise moderat gestalten, erklärt Peter Pakesch, Vorsitzender derLassnig-Stiftung, aus deren Besitz die nun veräußerten Werke kommen und die auch den Großteil der Erlöse einstreift. Er sehe im Vergleich mit Zeitgenossinnen wie der US-Malerin Joan Mitchell allerdings noch „deutlich Platz nach oben“.

Lassnig in L.A.

Der Boden für Lassnigs (Wieder-)Entdeckung in New York wurde 2014 durch eine Ausstellung im P.S.1, einem Ableger des Museum of Modern Art, gelegt. An der US-Westküste fehlt solche Grundlagenarbeit. Dennoch sieht Galerist Iwan Wirth auch in L.A. einen Lokalbezug: „Ihre Arbeit hatte enormen Einfluss auf Künstler wie Paul McCarthy, einen der wichtigsten lebenden Künstler Amerikas, der für die Kunstszene in Los Angeles eine definierende Figur war“, sagt er.

Schon jetzt wächst eine neue Generation heran, die Lassnig als Vorbild entdeckt. In der Schau „Painting 2.0“ im Wiener mumok (bis 6.11.) erscheint ihr Werk im internationalen Kontext, eine neue Ausstellung in der Wiener Galerie Ulysses folgt Anfang November. Die Klage, dass Österreich keinen globalen Kulturexport abseits von Mozart & Co aufzuwarten habe, könnte sich noch glatt als unbegründet herausstellen.