© Renee Nault / Berlin Verlag

Literatur
09/16/2019

Margaret Atwoods „Report der Magd“ hat neue Bilder

Zeitgleich mit der Fortsetzung ("Die Zeuginnen") erscheint der Klassiker als Graphic Novel, gezeichnet und gemalt von Renée Nault.

von Peter Pisa

Die Frauen, die im Gottesstaat Gilead als Gebärmaschinen leben, haben einander wie folgt zu grüßen:

„Selig sei die Frucht.“

Nur auf die „Frucht“ kommt es an. Abtreibungsärzte werden aufgehängt.

Auf solche Bilder konnte keine Verfilmung, nicht die dänische Oper und nicht die aktuelle TV-Serie verzichten.

Nun hat die kanadische Künstlerin Renée Nault gemeinsam mit Margaret Atwood den „Report der Magd“ aus 1985 gekürzt.

Und trotzdem ist es gelungen, neue Bilder zu finden, bisher weniger Beachtetes in den Mittelpunkt einer Szene zu stellen: erstmals in Tusche und Wasserfarben, als Comics (wie man früher zur Graphic Novel gesagt hat, Beispiel siehe oben); und immer im Geist des Originals; und mehr denn je mit politischer Aussage: Kürzlich hat der Senat des US-Bundesstaates Alabama ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Abtreibungen nahezu ausnahmslos verbietet, selbst im Fall von Vergewaltigung und Inzest.

Renée Naults Version ist die vierte zurzeit lieferbare Buchausgabe aus den Verlagen Piper und Berlin. In der Dystopie, von Margret Atwood nach Jahrzehnten fortgeschrieben – siehe links –, sind gebärfähige Frauen von den Männern versklavt worden, eine dieser rot gekleideten „Mägde“ erzählt. Sie wird kinderlosen Paaren zugeteilt – so wie ihr ein neuer Name zugeteilt wurde: Desfred. Desfred ist Nationaleigentum.

Ein kleiner Rest an Widerstandskraft ist ihr geblieben. Der Satz „Lass dich von den Bastarden nicht unterkriegen“ wächst in ihr.

Künstlerin Renée Nault mag die „Hellboy“-Comics.

Als Ausgleich zur Arbeit an Atwoods Klassiker hat sie viele Meerjungfrauen gemalt.

 

Margaret
Atwood und
Renée Nault:
„Der Report der Magd“
Übersetzt von Ebi Naumann. Berlin Verlag.
240 Seiten.
25,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern