© Manfred Willmann

Kultur
02/19/2019

Manfred Willmann: Der volkstümliche Fotokünstler

Eine Schau der Albertina zeigt das Werk des Grazer Fotografen, der soeben mit Andreas Gabalier aneinandergeriet

Am vergangenen Samstag erschloss sich Manfred Willmann unerwartet neues Publikum. Weil der Grazer Stadtsenat beschlossen hatte, sein Goldenes Ehrenzeichen unter anderem an den „Volks- Rock’n’Roller“ Andreas Gabalier zu verleihen, gab Willmann bekannt, dass er sein Ehrenzeichen, das er 2002 erhalten hatte, zurückgeben werde. „Diesen Kommerzialismus und diese Volksverdummung unterstütze ich nicht, das hat mit Volkskunst nichts zu tun“, erklärte er. Der Zorn der empörten Internetgemeinde folgte gewohnt verlässlich, der entsprechende Artikel auf kurier.at hielt zuletzt bei 167 Postings.

Wenn sich ein kleiner Teil der Empörten in die Albertina begibt, wo noch bis 26. Mai eine große Werkschau des Grazer Fotografen zu sehen ist, dürfte klar werden, dass Willmann vom Volkstümlichen und vom Heimatlichen, das Gabalier ja auch im Munde führt, durchaus etwas zu erzählen weiß: Ein großer Teil des fotografischen Werks, das er seit den 1970ern entwickelte, kreist um das Landleben und versucht es in allen Schattierungen zu zeigen – auch in den düsteren, aber nicht nur.

Schön & Schiach

„Die Welt ist schön“ und „Das Land“ heißen zwei von Willmanns zentralen Werkserien, die zwischen 1981 und 1993 entstanden und die nächste Umgebung des Fotografen zum Inhalt haben. In der Südweststeiermark, wo Willmann einen Wohnsitz hat, konnte über die Jahre alles zum Motiv werden: Wiesen und Wirtshaustische, Katzen und Kuttelflecken, Blumen und Bäume. Willmanns fotografische Methode blieb dabei konstant: Bei Tag und bei Nacht, drinnen wie draußen verwendete er Blitzlicht, was die Sujets zu einem gewissen Grad ihrer Natürlichkeit beraubt. Zugleich betont dieser Ansatz, dass bei einer Fotografie der Apparat und die Perspektive über die „Schönheit“ eines Bildes entscheiden, nicht das Motiv mit seinen per Konvention zugeschriebenen ästhetischen Eigenschaften.So kann etwa ein blutiger Sauschädel durchaus sinnlich ansprechen, während die gern zelebrierte ländliche Gemütlichkeit bei Willmann öfters in Tristesse ausartet.

Dass die idealisierte „Heimatfotografie“, die zu NS-Zeiten propagandistisch missbraucht wurde, für Willmann eine Negativvorlage ist, steht außer Zweifel. Anders als beim britischen Foto-Satiriker Martin Parr, mit dem Willmann die Vorliebe für Blitzlicht teilt, lässt sich aber der Vorwurf, die Fotos würden Menschen bloßstellen, nicht aufrechterhalten: Willmann ist an den Menschen spürbar nah dran, und da immer Serien und nie nur Einzelbilder präsentiert werden, wird das Bizarre stets mit Poesie aufgewogen. Der Fotograf ist „volkstümlich“, wie auch ein Hermann Nitsch „volkstümlich“ ist: Wer im Leben steht, kann es als Ganzes betrachten und muss das Hässliche nicht vertuschen.

Das, was sich im Internet für Volkes Stimme hält, agiert dennoch vorhersehbar einseitig und geißelt etwa den Umstand, dass Willmanns Verein „Camera Austria“, ein wichtiger Akteur der heimischen Foto-Szene, Subventionen erhält. Finden Sie selbst heraus, wo die wahre Tristesse sichtbar wird.

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