Kultur
27.06.2016

Manfred Deix gestorben: Der Beach Boy unter den Zeichnern

Das Enfant terrible der heimischen Karikaturszene ist im Alter von 67 Jahren gestorben.

Keiner konnte die Spezies Österreicher in ihren charakteristischen Ausprägungen so genau beobachten und bis zur Kenntlichkeit so überzeichnen, dass man diesen Figuren tatsächlich immer wieder begegnet. Oder einer den anderen unter fettleibigen, glubschäugigen Gestalten plötzlich erkennt: "Franz, das bist ja du!"

Die Reaktionen zum Tod des Karikaturisten

Er wollte bei seiner Arbeit immer möglichst viel Spaß haben und sagte, er habe bei all seinen Bildern herzhaft gelacht. Er nahm lustvoll das menschlich Abgründige ins Visier: pädophile Priester und Neonazis ebenso wie pickelige Spießbürger und Freaks aller Art.

Manfred Deix: Ein Leben in Bildern

Manfred Deix: Ein Porträt in Bildern

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FEST ZUM 65. GEBURTSTAG VON MANFRED DEIX:HELWEIN/R

Manfred Deix…

FEST ZUM 65. GEBURTSTAG VON MANFRED DEIX:DEIX.

FEST ZUM 65. GEBURTSTAG VON MANFRED DEIX:DEIX.

FEST ZUM 65. GEBURTSTAG VON MANFRED DEIX:DEIX/PRÖL

FEST ZUM 65. GEBURTSTAG VON MANFRED DEIX:DEIX.

Manfred Deix…

Manfred Deix…

Manfred Deix…

Manfred Deix…

Kurzum: Er war die brennende Lunte zwischen bissigster Karikatur und schonungsloser Gesellschaftskritik. "Man hat mir oft Geschmacklosigkeit und Brutalhumor vorgeworfen", sagte er. "Aber wer, wenn nicht der Satiriker, soll die Dinge beim Namen nennen?"

In der Vorhölle

Im September 2014 hatte der Kettenraucher einen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch erlitten. Nun hat Manfred Deix seinen Zeichenstift für immer aus der Hand gelegt. Er starb am Samstag, 25. Juni, im Spital.

"Die Welt ist ja noch viel grauenhafter als meine Zeichnungen. Die sind eher behübschend und verharmlosend", meinte der Karikaturist und Autor zahlreicher Bücher. "Im Vergleich zur Realität sind meine Bilder Oasen des Friedens und der Höflichkeit."

Eigentlich muss der gebürtige St. Pöltener und leidenschaftliche Katzenliebhaber, Jahrgang 1949, in den Himmel kommen, hat er doch sein irdisches Dasein in einer Art Vorhölle verbracht, die Österreich heißt. Wo vielen das Miese noch ein bisserl mieser erscheint, das Grausliche ein Euzerl unappetitlicher und die Korruption noch korrupter als anderswo.

Dabei sah sich der Mann mit dem bösen Strich keineswegs als unbequemer Künstler. Nur die Realität, die er abbilde, sei unbequem. Für ihn war Spott und mitunter derber Humor Notwehr.

Mit sechs Jahren verkaufte er seine Nackertenzeichnungen für 10, 15 Groschen an Klassenkameraden. Mit neun malte er ein erotisches Daumenkino. Hundert Zeichnungen über eine Frau, die sich auszieht. "Das Höschen hat sie anbehalten", erzählte er später, "weil ich nicht wusste, wie es darunter aussieht."

"Für immer Deix": Karikaturen des großen Manfred Deix

"Für immer Deix": Karikaturen des großen Manfred Deix

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Deix

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Als Elfjähriger bekam er eine wöchentliche Comic-Strip-Serie in der Niederösterreichischen Kirchenzeitung. An der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien studiert er ab 1965 u.a. mit dem späteren Roncalli-Gründer Bernhard Paul und Gottfried Helnwein.

Ab 1972 gab es erste Veröffentlichungen seiner Blätter u. a. in Profil, Trend, später auch in Stern, Spiegel und Pardon. Seine Signatur schmückt statt eines i-Punktes eine kleine Königskrone.

Der Grafiker, Cartoonist, Musiker, Schauspieler ("Blutrausch" unter der Regie von Thomas Roth, 1997) und Krimiautor, war Mitbegründer des Karikaturenmuseums Krems, das der "Welt des Manfred Deix" seit 2001 eine Dauerausstellung widmet.

Die Untiefen und Bodenlosigkeiten der österreichischen Seele lotete das Enfant terrible der heimischen Zeichnerszene schonungslos aus. Die von ihm dargestellten Typen wurden als "Deixfiguren" sogar in den Duden aufgenommen, wobei für den schadenfrohen Betrachter natürlich immer die anderen gemeint sind.

Menschenabbilder

Der Hollywood-Regisseur Billy Wilder war ein großer Fan von Deix. Und U2-Frontmann Bono verglich 1993 die Texte seiner Band mit den Bildern von Deix.

Der hatte ein Auge für das Skurrile und Komische – auch bei Tragödien. Als Menschenabbilder wollte er Menschen Spaß bereiten, Entertainment bieten und good vibrations verbreiten. Er sah sich als zeichnender Beach Boy und war selber der allergrößte Fan der kalifornischen Gute-Laune-Rockband der 60er-Jahre.

Das Material ging ihm nie aus. Denn solange es Menschen gibt, solange gibt es auch Makel. Also konnte er stets aus dem Vollen schöpfen.