Kultur 29.03.2012

Magdalena Kožena: Die neue "Carmen"

Magdalena Kožena singt ab Samstag die Titelpartie in Bizets "Carmen" und kommt im Herbst auch an die Wiener Staatsoper.

Ja, angespannt sei sie sehr wohl, denn "eine gewisse Nervosität gehört einfach dazu. Vor allem bei dieser Oper, die jeder kennt oder zu kennen glaubt." Ab Samstag singt die Mezzosopranistin Magdalena Kožena bei den Salzburger Osterfestspielen Georges Bizets "Carmen". Zum ersten Mal, und mit Ehemann Simon Rattle am Pult der Berliner Philharmoniker. Für Kožena ist das "ein echter Glücksfall".

"Natürlich ist es leichter, mit Simon und den Berlinern diese Rolle musikalisch erarbeiten zu dürfen. Stimmlich ist Carmen eigentlich gar nicht so schwer, da habe ich schon weitaus kompliziertere Partien gesungen", sagt die Künstlerin. Und weiter: "Die größte Herausforderung liegt darin, diese Person glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Das Publikum muss verstehen, warum jeder Mann diese Frau begehrt, warum sie allen den Kopf verdrehen kann. Regisseurin Aletta Collins, die ja auch Choreografin ist, hat sich daher für eine sehr bewegungsreiche Interpretation entschieden. Das muss gut herüberkommen."

Trauma

Die Oper "Carmen" verfolgt Kožena übrigens, und das nicht im allerbesten Sinn. "Als ich mit dem Gesang angefangen habe, als ganz junge Schülerin, hätte ich in meiner Heimatstadt Brünn im Chor der ,Carmen" singen sollen. Wir haben hart probiert. Bei der Generalprobe aber ist es dann passiert: Ich habe plötzlich nicht mehr gewusst, ob ich links oder rechts auftreten und abgehen soll. In der Premiere hat daher ein anderes Mädchen aus dem Chor gesungen. Das ist für mich fast ein Trauma. Bis heute habe ich Angst vor dem einen falschen Schritt", lacht Kožena.

Diese Angst musste die auch als Liedsängerin gefragte Künstlerin letztlich aber überwinden, denn "im Laufe der Karriere steht man vor ganz anderen Herausforderungen". Eine davon ist in naher Zukunft die Partie des Sesto in Mozarts "La clemenza di Tito", "die mich im Oktober 2012 endlich an die Wiener Staatsoper führt. Darauf freue ich mich sehr."

Zuvor aber erscheint eine neue CD: "Love and Longing" heißt sie und vereint Orchesterlieder von Ravel, Dvorák und Mahler. "Alles Stücke, die ich einfach sehr gern mag. Und wann darf man solche Piecen schon mit den Berlinern und Simon einspielen? Diese CD soll den Menschen vor allem Freude bereiten."

Auf welche neuen Rollen aber würde sich Magdalena Kožena freuen? "Eine Rolle wie die Mélisande in Debussys ,Pelléas et Mélisande" geht immer. Das ist eine sehr schöne und dankbare Partie. Eines Tages würde ich aber gerne die Blanche in André Previns ,A Streetcar Named Desire" singen. Ich liebe anspruchsvolle, widersprüchliche Charaktere. Insofern passt auch die Carmen gut."

Magdalena Kožena: Die neue Carmen

Biografie: Magdalena Kožena wurde in Brünn geboren, wollte eigentlich Pianistin werden. Eine Handverletzung zwang sie zur Aufgabe dieses Traums. Kožena studierte daraufhin Gesang, war u. a. in Brünn und an der Wiener Volksoper engagiert, ist heute freischaffend. Sie ist in zweiter Ehe mit Simon Rattle verheiratet.

Produktion: "Carmen" von Georges Bizet. Am 31. März und am 9. April im Großen Festspielhaus. Regie: Aletta Collins. Dirigent: Sir Simon Rattle. Berliner Philharmoniker, Es singen u. a.: Magdalena Kožena (Carmen), Jonas Kaufmann (Don José), Kostas Smoriginas (Escamillo), Genia Kühmeier (Micaëla).

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( Kurier ) Erstellt am 29.03.2012