© Kurier/Gerhard Deutsch

Interview
06/24/2020

Lockl: "Der ORF wird massiv sparen müssen"

Mit Lothar Lockl zieht ein prominenter Grüner in den ORF-Stiftungsrat ein. Er sieht das Unternehmen vor großen Herausforderungen.

von Philipp Wilhelmer

Er brachte Alexander Van der Bellen in die Hofburg, pushte die Grünen 2006 auf Platz 3 und initiierte als Global 2000-Aktivist das erfolgreiche Gentechnikvolksbegehren. Nun sitzt Lothar Lockl (51) für die Grünen im ORF-Stiftungsrat. Im KURIER-Gespräch zieht er eine erste Bestandsaufnahme.

KURIER: Was macht der Stiftungsrat aus Ihrer Sicht eigentlich?

Lothar Lockl: Er ist das oberste Aufsichtsorgan des ORF. Das Wesentliche ist sicher die Ausrichtung des Unternehmens und die Kontrolle. Und was das Management betrifft: Er beurteilt, welche Personen auch geeignet sind, diese Ausrichtung umzusetzen.

Ist es nicht so, dass man sich in das Gremium hineinsetzt, mit seinem Privatvermögen haftet und Politik macht, die einem andere einsagen?

Nein. Ich habe den Eindruck, dass es innerhalb des Stiftungsrates wesentlich mehr Verantwortungsbewusstsein, offene Gesprächskultur, Verständnis füreinander, Respekt gibt, als ich mir das vorher gedacht habe. Ich bin außerdem sehr positiv überrascht, mit welcher thematischen Breite und Vielfalt der ORF ausgestattet ist. Gemeinsam mit anderen Medien ist er ein Fundament für die Demokratie.

Wird es den ORF in fünf Jahren angesichts der Corona-Einbrüche in dieser Vielfalt überhaupt noch geben?

Der ORF wird massiv sparen müssen, um zukünftig Investitionen tätigen zu können. Er soll ein modernes junges, digitales, Medienunternehmen werden. Er soll die Versorgung der Bevölkerung mit Informationen, aber auch Unterhaltung sicherstellen. Anders als US- oder chinesische IT-Giganten, bei denen ich mich auf die Information nicht verlassen kann, kann ich mich beim ORF darauf verlassen, dass Informationen doppelt und zum Teil dreifach gecheckt sind.

Vervollständigen Sie bitte diesen Satz: Generaldirektor Alexander Wrabetz ist als Manager ...?

… in einem extrem herausfordernden Job und er hat die Krise mit seinem Team und vor allem der Belegschaft sehr gut gemanagt.

Der rote Generaldirektor hat die falsche Parteizugehörigkeit für die türkis-grüne Regierung. Ist überhaupt vorstellbar, dass er nächstes Jahr verlängert wird?

Das derzeitige Management ist im Amt und jetzt geht es um das Handling der kommenden Monate – im Sinne der Belegschaft und des Publikums. Darauf fokussiert sich der Stiftungsrat im Moment und das ist auch gut so.

Sollte man die Alleingeschäftsführung nicht endlich durch eine zeitgemäße Boardlösung ersetzen?

Dafür ist der Gesetzgeber zuständig – wir werden sehen, wie die Debatte verläuft. Mein Ziel ist es generell, in der Medienbranche in Österreich zu einem „Wir“ zu kommen: Dass wir stolz sind, dass es gute Medien und Journalisten gibt, die ihren Job ausgezeichnet machen. Vielleicht schaffen wir es, eine gemeinsame Aufbruchstimmung in Richtung Zukunft zusammenzubringen.

Der ORF hat den ORF-Player im Köcher. Das ist ein großes Projekt in Richtung Digitalisierung. Reicht das aus Ihrer Sicht, um das Unternehmen zukunftsfit zu machen?

Dass es in den nächsten fünf Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen brauchen wird, um den ORF in die digitale Zukunft zu führen, ist evident. Das betrifft auch andere Medien. Der ORF-Player ist sicher ein wesentlicher Baustein dafür. Ich bin auch optimistisch, dass der ORF digitale Möglichkeiten vom Gesetzgeber bekommt, die er heute noch nicht hat.

Der ORF hatte in den vergangenen Jahren Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Die Corona-Krise mit umfangreicher Berichterstattung scheint das Image verbessert zu haben, oder?

Soweit mir die Daten bekannt sind, hat der ORF mit seiner Berichterstattung 90 Prozent der Bevölkerung erreicht. Das ist ein wichtiger und toller Wert. Er hat auch beim Thema Glaubwürdigkeit beim Publikum und bei vielen wichtigen Gruppen im Land massiv zugelegt. Der ORF hat da auch sehr viel richtig gemacht – von den Sicherheitsmaßnahmen bis hin zu Umstellungen im Programm – das waren ja riesige Herausforderungen.

Für die Sicherheitsmaßnahmen zeichnete der ehemalige grüne Stiftungsrat Pius Strobl verantwortlich. Empfiehlt er sich damit wieder für höhere Weihen im ORF ?

Ich hüte mich davor, irgendjemand einzeln hervorzuheben. Es ist wie im Fußball: Da ist jeder gut beraten, wenn er auch die Teamleistung in den Vordergrund stellt und nicht einzelne herausgreift.

Sie waren mit Claudia Reiterer verheiratet, die „Im Zentrum“ moderiert. Wie tragen Sie Vorsorge, dass mit ihrer Funktion im obersten ORF-Gremium keine Unvereinbarkeiten entstehen?

Wir sind getrennt. Es gibt keine Unvereinbarkeiten.

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