© Tiroler Festspiele Erl/Xiomara Bender

Kritik
07/25/2021

"Lohengrin" in Erl: Szenisch eigenwillig, musikalisch oft überzeugend

Richard Wagners „Lohengrin“ bei den Tiroler Festspielen in Erl (Von Helmut Chr. Mayer).

  Ein Boot mit eingerolltem Segel steht inmitten der Bühne (Johannes Leiacker). Daraus wächst ein Baum. Kinder spielen noch vor dem Vorspiel auf Kisten Ball, Schnurspringen und Verstecken. Elsa erscheint mit ihrem kleinen Bruder Gottfried, spielt auch mit, schaut ein und als das Vorspiel beginnt, verschwinden alle Kinder, so auch Gottfried.

So lässt Katharina Thoma bei den Tiroler Festspielen in Erl Richard Wagners „Lohengrin“ als zweite Oper des Bayreuther Meisters der heurigen Sommersaison beginnen.

Das Volk erscheint dann in einem ziemlichen Kostümmix von Alt und Neu (Irina Bartels). So sind Ortrud und Telramund in eleganter, heutiger Abendgarderobe gewandet, während der König in mittelalterlichem Outfit erscheint. Elsa, in einem weißen Nachthemd, wird als visionäre, bedingungslos Glaubende gezeigt, die von zwei Krankenschwestern hereingeführt wird. Lohengrin erscheint aus dem Orchester heraus im blütenweißen Frack mit weißer Geige als Schwanenersatz und an einen aktuellen Unterhaltungsgeiger erinnernd.

Unterhaltungsgeiger

Das Segel des Bootes mutiert im letzten Akt zum Ehebett. Der Kampf zwischen Telramund und Lohengrin ist eher schwach inszeniert, letzterer entschwindet wieder mit der Geige. Gottfried steigt schließlich vom Baum herab: So die teils eigenwilligen Ideen, einer soliden und recht statisch wirkenden Inszenierung von Thoma, die eine archaische, irrationale Welt auf unser modernes Denken treffen lässt.

Pianissimi Klänge und ein silbriges Flimmern vernimmt man schon bei den ersten Takten im Orchester der Tiroler Festspiele Erl, das wie immer im Passionsfestspielhaus mangels anderer Möglichkeiten auf der Hinterbühne hinter einem Gazevorhang sitzt. Titus Engel schlägt zwar anfänglich etwas verhaltene Tempi an, aber die faszinierende Klangwirkung des Vorspiels bleibt gewahrt.

Im Laufe des Abends weiß er bei den Musikern reiche Facetten, Klangschönheiten, feinste Subtilität und Spannungsbögen zu erzeugen, ohne die Sänger zuzudecken. AJ Glueckert hört man als Schwanenritter mit einem hellen, sehr lyrischen Tenor, den er allerdings etwas eindimensional einsetzt. Manchmal fehlt es ihm auch an kraftvoller Attacke. Ihm zur Seite steht mit Christina Nilsson eine mädchenhaft jugendliche, innig singende Elsa von Brabant voll blühender Lyrismen und tiefer Wärme des Ausdrucks. Etwas knorrig erlebt man Andrew Foster-Williams als Telramund, dem es im Laufe des Abends an Kraft zu mangeln beginnt.

Mephistophelisch

Dschamilja Kaiser ist es eine sehr präsente, ihren Mann vollbeherrschende, mephistophelische Ortrud. Andreas Bauer Kanabas verfügt als König Heinrich über einen schönstimmigen Bass mit etwas enger Höhe. Domen Krizaj ist ein wunderbarer Heerrufer. Der meist kollektiv inszenierte und eher statisch agierende Chor singt sehr nuanciert und ausgewogen. Höflicher und differenzierter Applaus des Publikums. Mehr Jubel für die Damen.

 

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