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Kritik
07/12/2021

"Rheingold" in Erl: Menschliche Götter mit beeindruckenden Klängen

Tiroler Festspiele Erl: Wagners „Das Rheingold“ musikalisch auf hohem Niveau (Von Helmut Christian Mayer).

Aus dem Nichts heraus ertönt er, der berühmte Urton, dieser einzigartige Es-Dur- Urzustand, der großartige Beginn der Tetralogie, bevor dann der Rhein mehr und mehr zu fließen beginnt. Kaum wahrnehmbares, diffuses mystische Licht ist passend dazu zu sehen, das dann Projektionen von fließendem Wasser weicht.

Aber nicht nur der Beginn von Richard Wagners „Das Rheingold“ bei den Tiroler Festspielen in Erl, dem ja im Laufe der nächsten Jahre die gesamte Tetralogie folgen soll, ist verheißungsvoll: Ungemein kammermusikalisch transparent, mit subtilen Piani, differenziert wie auch reich an Klangfarben sowie immer sängerfreundlich kann man den Vorabend des „Ring des Nibelungen“ im Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter Eric Nielsen erleben. Lediglich so manche spannungsvolle Steigerung und Eruption könnte klanglich gewaltiger sein. Das liegt aber vor allem auch daran, dass die Produktion im Passionsspielhaus stattfindet und das Orchester mangels anderer Möglichkeiten auf der Hinterbühne situiert ist.

Geiler Alberich

Kein Nachteil ohne Vorteil. Denn die Protagonisten sind dadurch gut hörbar. Allen voran ist Simon Bailey ein ausgesprochen schönstimmiger Wotan, allein es fehlt ihm ein bisschen an göttlicher Präsenz. Ian Koziara im grellgelben Anzug ist ein geschmeidiger Loge mit allen hohen Tönen. Er zeigt auch ideal die Drahtzieherrolle des Feuergottes.

Aber da gibt es einen ebenbürtigen Gegenspieler: Craig Colclough ist ein geiler, machtgieriger Alberich von unheimlicher Bühnenpräsenz. Während die Stimme zu Beginn noch recht mulmig klingt, wird sie immer klarer und intensiver, vor allem in der packenden Fluchszene. George Vincent Humphrey gibt einen gequälten Mime mit höhensicherem Charaktertenor.

Dshamilja Kaiser ist eine sehr vibratoreiche Fricka, passabel ist Monika Buczkowska als Freia. Die Riesen Thomas Faulkner (Fasolt) und Anthony Robin Schneider (Fafner), mit hohen Hüten ausgestattet, sind bedrohlich und stimmgewaltig.

Wunderbar erlebt man die drei Rheintöchter mit Illa Staple (Woglinde), Florence Losseau (Wellgunde) und Katharina Magiera (Floßhilde). Schönstimmig sind Manuel Walser als Donner und Brian Michael Moore als Froh zu hören.

Vom Effekt her verschenkt wird der Auftritt der Erda von Judita Nagyová mit toller Präsenz, aber auch viel Tremolo. Dies ist aber eine der wenigen Schwachstellen, zu denen auch die lächerlichen Handpuppen bei der Verwandlung von Mime zählen.

Auf die Inszenierung von Brigitte Fassbaender haben alle gespannt gewartet. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten der Bühne gelingt der ehemaligen großen Sängerin eine kluge und detailreiche Regie des Endzeitdramas. Sie erzählt die Geschichte als Kammerspiel klar und ohne Firlefanz mit sehr menschlichen Göttern, wobei die Figuren immer am Text und der Musik geführt wurden, mit vielen durchdachten Ideen und Anspielungen. Minimalistisch ist die Ausstattung von Kaspar Glarner. Jubel!

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