Literaturver­rück­tes Island

Island ist Gastland auf der Frankfurter Buchmesse und sorgt ausnahmsweise nicht mit Vulkanausbrüchen oder Finanzkrisen für Gesprächsstoff.

Im 20. Jahrhundert erlebte die isländische Literatur eine  Hochblüte, die mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Halldór Laxness gekrönt wurde. Bücher genießen aber auch heute noch eine große Bedeutung in Island, das bemessen nach der Einwohnerzahl die größte Literaturdichte der Welt hat.  
Seit 1988 ist jedes Jahr ein Land oder Sprachgebiet als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse vertreten; mit Island wird heuer von 12. bis 16- Oktober erstmals ein skandinavisches Land Ehrengast in Frankfurt sein. Im Folgenden eine Auswahl wichtiger zeitgenössischen Autoren des kleinen Inselstaates. ...

Zum Durchklicken ... Arnaldur Indriðason
Arnaldur Indriðason zählt zu den bedeutendsten Krimi-Autoren Islands. In den meisten seiner Bücher spielen Erlendur Sveinsson und seine Kollegen von der Kripo in Reykjavík die Hauptrolle. Der Ursprung der Fälle liegt weit in der Vergangenheit. Eine ebenso wichtige Rolle wie der Krimiplot und die Verknüpfung mit der jüngeren isländischen Geschichte spielt dabei das Privatleben des Kommissars Erlendur und die problembehaftete Beziehung zu seinen erwachsenen Kindern. 
In seinem neuesten Thriller "Codex Regius" geht es um einen jungen Mann, der sich auf eine abenteuerliche Suche nach einer bedeutenden mittelalterlichen isländischen Handschrift macht. Andri Snær Magnason
Auf seine Anregung hin wurden 2006 in Reykjavík eine halbe Stunde lang sämtliche Lichter ausgeschaltet, während ein Astronom am Radio den Sternenhimmel erklärte. Auch zahlreiche Preise konnte Andri Snær Magnason im Laufe seiner schriftstellerischen Karriere schon verbuchen: "Die Geschichte vom blauen Planeten" war das erste Kinderbuch überhaupt, das mit dem Isländischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Sein Roman "LoveStar" wurde im Jahr 2002 veröffentlicht und gewann zahlreiche Auszeichnungen. Das Sachbuch "Draumalandið", in dem er die in Island ansässige Aluminium-Industrie angreift und die Zerstörung der Natur kritisiert, erregte 2006 großes öffentliches Interesse, gewann den Isländischen Literaturpreis in der Kategorie Sachbuch und wurde im Jahre 2009 verfilmt. Für sein Engagement zu diesem Thema erhielt den Kairos-Preis der Alfred Töpfer Stiftung. Das Buch erschien in deutscher Übersetzung 2011 bei Orange-Press unter dem Titel "Traumland. Was bleibt, wenn alles verkauft ist?". Guðrún Eva Mínervudóttir
Guðrún Eva Mínervudóttir zählt zu den vielversprechendsten jungen Autoren Islands und wurde in ihrer Heimat mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Dabei schreibt sie hauptsächlich über das, was sie erlebt hat und kennt: Familien-Geschichten, die sich über Generationen hinweg abspielen. Mit ihrem aktuellen Roman "Der Schöpfer" gelang ihr auch der internationale Durchbruch. Eine eigenwillige Liebesgeschichte, die auf kunstvolle Art demonstriert, was geschieht, wenn zwei plötzlich in einen Strudel aus unausgelebten Wünschen und Gefühlen geraten. Guðmundur Óskarsson
Für seinen Roman "Bankster" erhielt Guðmundur Óskarsson den Isländischen Literaturpreis 2009. Schon die Nominierung war überraschend, war "Bankster" erst Guðmundurs dritter veröffentlichter Roman. 
Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller arbeitete Guðmundur als Bankangestellter, was zweifellos sein neuestes Werk "Bankster" beeinflusst hat. Es behandelt in aufrichtiger und persönlicher Weise den vielbeschworenen Zusammenbruch der Finanzwirtschaft des kleinen Inselstaats. Seine Geschichten beschreiben die unscheinbaren Ereignisse des Alltags und beleuchten die Schönheit der Realität, die aus unzähligen Details besteht. Obwohl "Bankster" in den Bereich der Krisenliteratur gehört, ist es weder eine Verteidigung eines Systems, welches für das kleine Volk so große Konsequenzen hat, noch der Aufschrei eines zornigen jungen Autors. In dem Roman wird mit großem Einfühlungsvermögen die Leere des jungen Bankangestellten Markus beschrieben, der im Herbst 2008 ebenso wie seine Lebensgefährtin arbeitslos wird, und dadurch den Boden unter den Füßen und jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft verliert. Einar Már Guðmundsson
Er ist der am häufigsten übersetzte isländische Autor und Lyriker. Seine erste Prosaveröffentlichung "Die Ritter der runden Treppe" war ein Paukenschlag. Erzählt werden zwei Tage aus dem Leben des Jóhann Pétursson, der natürlich wie alle sechsjährigen Jungen ein aufregendes Leben führt, und für den die banalsten Dinge zu Abenteuern werden. Alles spielt sich in der kleinen Siedlung ab, in der Jóhann, seine Freunde und ihre Familien wohnen. Mit den wachsamen Augen eines Sechsjährigen kommentiert er die banalsten Sachen oft mit überraschender Weitsicht und der unschlagbaren Logik kindlicher Naivität, welche die Dinge auf den Punkt bringt. Ein großer, auch internationaler Erfolg wurde sein Roman "Engel des Universums". In diesem Text geht es um Páll, einen Geisteskranken und dessen Schicksal. Einar Már lehnt sich darin an die Geschichte seines eigenen Bruders an, dessen innere Welt er überzeugend wiedergibt. Der Nordische Rat verlieh dem Autor für dieses Werk 1995 seinen renommierten Literaturpreis. Im Jahre 2000 erfolgte die Verfilmung durch Friðrik Þór Friðriksson. Audur Jónsdóttir
Kurzgeschichten, Kinderbücher, Theaterstücke und Romane zählen zum Oeuvre der Autorin Audur Jónsdóttir. Darunter zwei Bücher für Kinder mit Leseschwäche und ein Porträt über ihren Großvater, den Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness. 
2004 gewann sie den Isländischen Literaturpreis und 2011 den Isländischen Theaterpreis. 
In deutscher Übersetzung ist gerade Audur Jónsdóttirs Roman "Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt" beim Münchner Verlag btb erschienen. Einar Kárason
Er gehört zu den wichtigsten Vertretern der neuen Generation isländischer Schriftsteller: Einar Kárason.
Berühmt wurde er durch seine Trilogie "Die Teufelsinsel", "Die Goldinsel" sowie "Das Gelobte Land". Die Trilogie wurde auch für die Bühne bearbeitet und der erste Teil unter dem Titel "Devil´s Island" ins Kino gebracht. Sein Roman „Sturmerprobt“ stand auf der Shortlist des Nordischen sowie des Isländischen Literaturpreises. Neben seinen Romanen schreibt Kárason seit 1993 auch zahlreiche Kinderbücher. Þórarinn Eldjárn
Der Sohn von Kristján Eldjárn, seines Zeichens Staatspräsident von Island zwischen 1968 und 1980, gehört vor allem durch sein Bestreben, die Kurzgeschichte im Isländischen weiterzuentwickeln, zu den bekanntesten Autoren Islands. Sein Werk ist groß, reicht von Romanen und Kurzgeschichten bis zu Gedichten, Anekdoten, Aphorismen und Kinderbüchern. Sein bekanntestes Werk, "Der blaue Turm", handelt vom Gelehrten Guðmundur Andrésson, der im 17. Jahrhundert ein politischer Gefangener war, weil er sich gegen die strenge Moral des dänischen Reiches aufgelehnt hatte. Yrsa Sigurðardóttir
Seit 1998 hat Yrsa Sigurðardóttir fünf Kinderbücher geschrieben. Doch seit ihrem ersten Kriminalroman "Das letzte Ritual" gehört sie zum festen Bestandteil der Island-Krimi Autoren. Inzwischen gibt es bereits fünf Bände um die Anwältin Dóra. Vigdís Grímsdóttir
Vigdís Grímsdóttir wurde für ihre Arbeit in vielfacher Weise ausgezeichnet. 1994 erhielt sie den isländischen Literaturpreis, zwei ihrer Geschichten wurden für das Theater umgeschrieben und in Schweden und Island aufgeführt. 2008 wurde ihre Geschichte "Cold light (Kaldaljós)" groß verfilmt. Auf Deutsch sind bisher der Roman "Das Mädchen im Wald" und die Biografie "Die Geschichte von Bibi" erschienen.

Mehr über isländische Literatur finden Sie auf dem hilfreichen Online-Portal www.sagenhaftes-island.is, das Gastland der Frankfurter Buchmesse gewidmet ist (siehe Link unten).

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