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10/08/2020

Literaturnobelpreis: Verlag "überrascht", Glück-Bücher vergriffen

Deutscher Verlag Luchterhand erklärt, man sei "gerade dabei, die Rechte neu zu verhandeln". In österreichischer Literaturszene weitgehend unbekannt.

Die auf Deutsch erschienenen Bücher der neuen Literaturnobelpreisträgerin Louise Glück sind beim Luchterhand Literaturverlag vergriffen. "Wir sind gerade dabei, die Rechte neu zu verhandeln", sagte Sprecher Karsten Rösel am Donnerstag der dpa. Bei Luchterhand erschienen zwei Bände auf Deutsch: 2007 "Averno" und 2008 "Wilde Iris". Die Gedichte wurden aus dem Amerikanischen von Ulrike Draesner übersetzt. Sie ist selbst eine preisgekrönte Romanautorin, Essayistin und Lyrikerin.

Favoritin Condé ebenfalls bei Luchterhand

Zur Nachricht aus Stockholm sagte Luchterhand-Sprecher Rösel: "Uns hat das überrascht und gefreut." Andere deutsche Übersetzungen von Glücks Texten seien ihm nicht bekannt. Rösel sagte weiter, wenn sie mit einem Gewinner aus ihrem Haus gerechnet hätten, dann eher mit Maryse Condé, die als eine der Favoritinnen galt.

Für Denis Scheck positive Überraschung

Der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck begrüßt die Auszeichnung der Lyrikerin Louise Glück mit dem diesjährigen Literaturnobelpreis. "Es ist eine Überraschung, aber keine schlechte", sagte Scheck am Donnerstag der dpa. Glück sei eine äußerst qualitätsvolle und in den USA sehr berühmte Lyrikerin, die dort alles an Preisen erhalten habe, was man gewinnen könne. "Das ist ein Festtag für Leserinnen und Leser und unterstreicht die Bedeutung der Lyrik auch im 21. Jahrhundert."

Überraschend komme die Entscheidung der Schwedischen Akademie in Stockholm deshalb, weil man den US-Musiker Bob Dylan erst im Jahr 2016 ebenfalls für seine Lyrik ausgezeichnet habe. "Dass jetzt vier Jahre nach Bob Dylan wieder eine weiße, US-amerikanische Lyrikerin den Nobelpreis bekommt - und kein Asiate, keiner aus Afrika, kein Südamerikaner - das ist eine Überraschung." In Stockholm sei man damit auf Nummer sicher gegangen. "Die Akademie hat sich damit einen sehr sicheren Hafen gesucht nach der Kontroverse um Peter Handke im letzten Jahr", sagte Scheck.

Glücks Werke zeichneten sich dadurch aus, dass sie immer wieder in den Mythos zurückkehre und man dabei auch Humor entdecken könne, etwa wenn sie Penelope und Odysseus ihre Eheprobleme in alltäglicher Sprache besprechen lasse, sagte Scheck. Viele ihrer Gedichtbände fokussierten sich zudem auf einzelne Personen, die das Wort ergriffen.

Setz: "instagramscreenshotpoesieartig"

In der österreichischen Literaturszene ist die neue Nobelpreisträgerin Louise Glück weitgehend unbekannt. Im APA-Rundruf am Donnerstag zeigte sich: Kaum jemand von den heimischen Kolleginnen und Kollegen hat etwas von ihr gelesen. Clemens J. Setz ist da eine Ausnahme. "Man kann sich sehr freuen über den Preis an Louise Glück, obwohl ich selber den Preis viel lieber an Sharon Olds oder Eileen Myles verliehen gesehen hätte", so der Autor und Lyriker gegenüber der APA.

"Louise Glück ist mir manchmal vielleicht etwas zu anständig und instagramscreenshotpoesieartig, aber in ihren besten Gedichten entwickelt sie eine ganz eigentümliche Vitalität und lebenskluge Melancholie", so Setz. Zuvor hatte der Autor, dessen neues Buch "Die Bienen und das Unsichtbare" demnächst im Suhrkamp Verlag erscheint, auf Twitter gepostet: "Finde Louise Glück eher da gut, wo sie nicht andauernd über Antike und Persephone und Achilles und Odysseus und Telemach schreibt - als zB hier über das Schicksal dieser Ente."

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