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Henisch, Menasse, Hochgatterer: Der rot-weiß-rote Literatursommer

In den nächsten Wochen erscheinen viele neue Bücher österreichischer Autoren, darunter Michael Köhlmeier, Mareike Fallwickl und Wilhelm Hengstler.
Ein Mann mit Brille gestikuliert an einem Tisch im Freien.

Mit zwei interessanten Neuerscheinungen von Judith Fanto und Johanna Sebauer startet kommende Woche der Literatursommer aus österreichischer Sicht. Richtig Fahrt nimmt er aber erst im August auf. Dann werden neue Bücher u.a. von Peter Henisch, Eva Menasse, Michael Köhlmeier, Anna Baar, Paulus Hochgatterer, aber auch einige Debütromane ausgeliefert. Im September kommt dann der lange erwartete große Roman von Wilhelm Hengstler, im Oktober Neues von Mareike Fallwickl.

Am 13. Juli erscheint bei Kein & Aber „Der Betrachter“ der Niederländerin Judith Fanto, die 2020 mit ihrem die Geschichte ihrer Wiener Familie schildernden Debütroman „Viktor“ für Aufmerksamkeit sorgte. Auch in ihrem neuen Roman, der sich in den Niederlanden 50.000 Mal verkaufte, bilden ihre jüdischen Großeltern den Ausgangspunkt: Nach dem „Anschluss“ muss eine Gruppe von Freunden in Wien und Altaussee entscheiden, wie es für sie weitergeht. Tags darauf kommt Johanna Sebauers „Popóm“ (Dumont) in die Buchhandlungen. Die nach Jahren in Hamburg nun wieder in ihrer Heimat lebende Burgenländerin, die vor zwei Jahren für ihren satirischen Text „Das Gurkerl“ in Klagenfurt den 3sat-Preis und den Publikumspreis bekam, legt eine fantasievolle Doppelgängergeschichte vor. Der Protagonist begegnet eines Tages sich selbst. Das wirft ihn, wie man sich vorstellen kann, aus der Bahn.

Im selben Bachmann-Wettlesen ging der Kelag-Preis an die in Wien lebende slowenische Musikerin und Autorin Tamara Štajner für ihren sehr persönlichen Text „Luft nach unten“. Der findet sich nun in ihrem gleichnamigen Roman, der am 21. Juli bei Zsolnay erscheint und als „Familiengeschichte, die vom Esprit der Frauen geprägt ist“, angekündigt wird. Um ein ganz spezielles Frauentrio, das einander auf einem turbulenten Flug kennenlernt, geht es in Heinrich Steinfests Novelle „Die Linkshänderinnen“, die am 31. Juli bei Piper erscheint. Sie eröffnen in der österreichischen Provinz eine Bar, die bald Furore macht. In die Schlagzeilen geraten sie aber wegen eines ganz anderen Umstands ...

Novitätenflut im August

Wer im August Strandlektüre braucht, wird bestens versorgt. Nach seinem Klassiker „Die kleine Figur meines Vaters“ und dem Roman über seine Großmutter „Eine sehr kleine Frau“ macht Peter Henisch mit „Muttersuchen“ die Familienaufstellung komplett. Der Residenz Verlag verspricht einen „bewegenden Roman über Erinnerung, Herkunft und Selbstbestimmung“ und kündigt für den 10. August auch „Fehlende Gespenster“, den Debütroman von Sarah Wipauer an, aus dem die 1986 geborene Wienerin vier Tage zuvor beim Literaturfestival O-Töne im Wiener Museumsquartier lesen wird. Am 13. August stellen dort Sandra Gugic ihren neuen Roman „Niemand weiß, dass wir hier sind“ (dtv) und der Bregenzer Buchhändler Hans-Joachim Gögl seinen bei Klett-Cotta erscheinenden Debütroman „Vatertag“ vor.

„Dreiundsiebzig Quadratmeter“ von Isabella Feimer wird vom Haymon Verlag als „ein Body-Horror-Roman, in dem die Grenzen zwischen Ich und Du verschwimmen“ angekündigt. „Buberlpartie“ (Dumont, 11. August) ist ein neuer Krimi von Petra Hartlieb. „Die Frau im Schrank“ (Galiani Berlin, 13. August) ein neuer Roman der Autorin und Regisseurin Jaqueline Kornmüller. „Das Haus verlassen“ hieß 2024 Kornmüllers Geschichte eines nicht geglückten Immobilienverkaufs, ein Wochenendhaus in „Alleinruhelage“ möchte in Eva Menasses gleichnamigem neuen Roman eine Frau nach dem Scheitern ihrer Ehe verkaufen, um noch einmal neu anzufangen. Diese „Zwischenbilanz eines Lebens“ erscheint ebenfalls am 13. bei Kiepenheuer & Witsch, eine Woche später liest die Autorin bei den O-Tönen daraus.

Stefanie Sargnagels Betrachtungen zum „Oktoberfest“ erscheinen am 14. August bei Rowohlt, kurz darauf erscheint bei Hanser „Mein privates Glück“ von Michael Köhlmeier: „Von den Fünfzigerjahren bis in die Gegenwart erzählt Michael Köhlmeier die Geschichte von sich und seiner Familie und hat damit sein Lebensbuch geschrieben“, heißt es vorab. „Amseln“ von Staatspreisträgerin Anna Baar (19. August) wird vom Wallstein Verlag als „wortgewaltiger Roman über ein von bizarren Selbstinszenierungen geprägtes Frauenleben zwischen Psychodrama, mystischem Wahn und Groteske“ annonciert. „Die grünen Augen der Liza de Mink“ heißt ein bei Kremayr & Scheriau erscheinender Roman von Konstantin Schwab, der in die Muehl-Kommune führt. Jung und Jung bringt „Die tage zwischen früher und jetzt“ des in Wien lebenden Schweizers Lorenz Langenegger.

Debütromane und endlich wieder ein neuer Hochgatterer

Zwei Debütromane kann man gegen Ende der O-Töne kennenlernen: Am 20. August liest die in Köln und Wien lebende Sasa Hanten (Jahrgang 1971) aus „Talent zum Glück“ (Blessing Verlag), am 27. August die in Salzburg lebende Marlen Mairhofer (Jahrgang 1991) aus „Alice“ (Jung und Jung), einem „poetischen Relaunch“ von „Alice im Wunderland“. Zum Festivalabschluss feiert Paulus Hochgatterer die Premiere seines ersten Romans seit über sechs Jahren: Erzähler in „Mio und die Unsterblichkeit“ (Zsolnay) ist der 16-jährige Ingemar, der an einer schweren Krankheit leidet, und im Gespräch mit einem 94-Jährigen ins Denken und Philosophieren kommt.

Das Angebot an Novitäten wird im September nicht geringer. Haymon bringt u.a. „Das Jahr der Verluste“ von Irene Prugger und Katharina J. Ferners „wir lieben nachts“, im Milena Verlag erscheinen etwa Florian Horwaths „Als ich einmal blind wurde“ und Daniel Nachbaurs Familienroman „Gutensohn“, bei Residenz Erika Pluhars „Rückblicke im Hier und Jetzt“ mit dem Titel „Es war einmal“ und Christina Walkers „Verteidigung eines Gartens“.

Der Otto Müller Verlag bietet Luka Lebens Debütroman „Nachts nur das Rauschen“ und Britta Steinwendtners „Am Weiher“ auf. Krimiautor Bernhard Aichner setzt seine wohl populärste Serie mit „Totenfrau - Die Rückkehr“ (Rowohlt Wunderlich, 18. September) fort. An seinem Indien-Roman „Zulm“ hat Wilhelm Hengstler schon vor 20 Jahren zu schreiben begonnen. Am 21. September erscheint nun das 500-seitige Opus magnum. „Es sind starke Bilder, Dialoge und Wendungen, die die Handlung in weitverzweigten Binnenerzählungen vorantreiben“, heißt es. „Zudem wird der Reise- und Abenteuerroman mit einer Krimihandlung verknüpft, die nicht nur Rätsel aufgibt, sondern unterhaltsam großes Kino im Kopf entstehen lässt.“

Christine Nöstlingers 90er

Am 13. Oktober feiert die Literaturwelt Christine Nöstlingers 90er. Am 21. September bringt der Residenz Verlag aus diesem Anlass unter dem Titel „I ken mi ned wiaglich aus auf da Wöd“ das gesamte lyrische Werk der Autorin mit unveröffentlichten Illustrationen heraus. Der Oktober bietet dann etwa Bettina Balakas Erzählband „Die Abgängigen“ (Haymon), Carolina Schuttis „Relative Ruhe“ (Droschl) oder die Debütromane „All These Pretty Girls“ von Evelyn Bubich (Otto Müller) und „Salinenkrebse“ von Linda Sensenberger (Kremayr & Scheriau). Vor allem aber bringt Mareike Fallwickl am 6. Oktober ihren neuen Roman „Haltet euch fest“. „Um zu schreiben wie Mareike Fallwickl, braucht es Mut“, wirbt der Rowohlt Verlag. Ihr neuer Roman „stellt unsere Glaubenssätze zu Freundschaft und Romantik infrage und beschreibt mutig die Utopie, die wir uns für unser Leben wünschen“.

Der Herbst bringt dann auch zwei Editionsprojekte: Im Oktober kommt mit den 1964 erstmals erschienenen „Figuren in Schwarz und Weiß“ der erste von drei geplanten Bänden von Jeannie Ebner (1918-2004) in der Edition Atelier. Ausgewählte Erzählungen sollen dann im Herbst 2027 folgen, ausgewählte Briefe im Herbst 2028. Und im November erscheinen bei Zsolnay „Werke“ von Hilde Spiel (1911-1990) in drei Bänden und über 2000 Seiten - inklusive dem unveröffentlichten Roman „Der Sonderzug“.

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