Manuel Rubey (li.) und Marcel Mohab streiten, wer die Kleinfamilie aus Russland betreuen muss: „Waren einmal Revoluzzer“ 

© Filmladen

Kino
08/29/2020

Liebesgrüße aus Moskau im Wiener Bobo-Milieu

Interview mit Regisseurin Johanna Moder über ihre Tragikomödie „Waren einmal Revoluzzer“

von Alexandra Seibel

So hat sich das Helene nicht vorgestellt. Als sie einwilligte, ihren russischen Ex-Freund bei sich in Wien aufzunehmen, weil er aus Moskau verschwinden musste, dachte sie an ein romantisches Abendessen. Doch plötzlich steht Pavel nicht allein bei ihr im Wohnzimmer, sondern mit Frau und Kind.

Besser, die Kleinfamilie taucht woanders unter. Helene – verletzlich, aber eisern gespielt von Julia Jentsch – schiebt sie zu Freunden ab.

Es dauert nicht lange und die dissidenten Russen werden in einem Wiener Freundeskreis herumgereicht wie heiße Kartoffeln.

„Waren einmal Revoluzzer“ (derzeit im Kino) nennt Johanna Moder ihre unterhaltsam-nachdenkliche Beziehungstragikomödie, die im hippen Bobo-Milieu spielt und sich an einem Flüchtlingsschicksal entzündet.

Die Grazer Regisseurin ist eine Meisterin des gewitzten Generationen-Porträts.

Bereits mit ihrem ersten Langfilm „High Performance“ (2014) warf Moder, Jahrgang 1979, einen ironischen Blick auf Menschen Anfang dreißig, die versuchen, im (beruflichen) Leben Fuß zu fassen. In „Waren einmal Revoluzzer“ haben sich die Früh-Vierziger etabliert, leben in schicken Altbauwohnungen und suchen Ruhe im Haus am Land.

Die Idee zu „Waren einmal Revoluzzer“ kam ihr bereits 2014, erzählt Johanna Moder im KURIER-Gespräch. Gemeinsam mit ihren Hauptdarstellern Manuel Rubey und Marcel Mohab schrieb sie am Drehbuch – „noch bevor die Flüchtlingskrise ein großes Thema wurde“.

Groß daherreden

In ihrem Bekanntenkreis wurde eine russische Familie nach Österreich geholt und inspirierte sie zu ihrem Film: „Uns ging es vor allem darum, uns mit dem Narzissmus unserer Gesellschaft zu beschäftigen. Wir alle haben unsere Ideale – besonders als liberale, städtische Grünwähler. Wir reden gerne groß daher, aber wenn es ums praktische Tun geht, sind wir faul. Hauptsächlich sind wir alle mit uns selbst beschäftigt – und da nehme ich mich nicht aus.“

Jene Personen, die tatsächlich Haltung beziehen, sind die geflüchteten Russen: „Sie sind echte Aktivisten. Im Gegensatz zu den anderen geht es bei ihnen um Leben und Tod. Sie hätten wirklich etwas zu erzählen – aber es hört ihnen niemand zu.“

„Waren einmal Revoluzzer“ hält eine delikate Balance zwischen saftiger Komödie und traurigen Befindlichkeiten. Was den Humor betrifft, habe sie dem Einfluss von Rubey und Mohab viel zu verdanken, meint die Regisseurin: „Die beiden haben einen höheren Komikfaktor als ich. Wenn ich das Drehbuch alleine geschrieben hätte, wäre es mehr ins Dramatische gekippt.“

Johanna Moder hat übrigens bei Michael Haneke studiert: „Ich mache ein komplett anderes Kino als Haneke, aber eines habe ich bei ihm gelernt: Man sollte nur Geschichten erzählen, von denen man eine Ahnung hat.“

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