© Volksoper/Philine Hofmann

Kultur
06/14/2021

"Leyla und Mednjun“ an der Volksoper: Sinnlichkeit und Liebesrausch

„Leyla und Mednjun“ feiert heute im Kasino Premiere.

von Peter Jarolin

Der eine ist sicher einer der wichtigsten Komponisten der Gegenwart, der andere ist ein Verfechter zeitgenössischer Musik und in allen Genres sattelfest. Gemeinsam haben nun Detlev Glanert und Dirigent Gerrit Prießnitz Glanerts Oper „Leyla und Mednjun“ für die Wiener Volksoper erarbeitet. Ruth Brauer-Kvam führt bei dieser Volksopern-Produktion im Kasino am Schwarzenbergplatz Regie; Premiere ist heute, Montag. Der KURIER bat Glanert und Prießnitz zu einer Doppelconférence über Musik, Liebe und Asymmetrien.

Doch worum geht es eigentlich in diesem auf einer Erzählung des persischen Autors Nizami aus dem 12. Jahrhundert basierenden Werk? Detlev Glanert: „Um die Liebe. Leyla liebt Medjnun, der jedoch liebt nur die Liebe an sich und seine Verse. Das ist eine Art ,Romeo und Julia’, nur dass es keine verfeindeten Familien gibt. Hier verwebt sich das Soziale mit den bekannten Mythen. Wenn man so will, ist das eine asymmetrische Liebesbeziehung“, so der mehrfach prämierte deutsche Komponist.

Neufassung

1988 wurde diese Kammeroper bei der Münchner Biennale uraufgeführt; 2016 erstellte Glanert eine Neufassung, die in Wien gespielt wird. Warum? Glanert: „Als junger Mensch schreibt man noch mit zu viel Forte und zu vielen Übergängen. Das wollte ich korrigieren“, so der 60-Jährige. Und Prießnitz ergänzt: „Diese Musik trifft einen Nerv, und es ist eine Freude, sie umzusetzen.“

Doch ist es als Dirigent nicht schwierig, den Komponisten bei den Proben quasi immer im Nacken zu haben? Prießnitz: „Überhaupt nicht! Ganz im Gegenteil! Das ist rückhaltlos positiv. Man kann sich das ganz praktisch vorstellen. Wir kennen einander. Da gibt es ein Vertrauensverhältnis, ein praktisches Ineinandergreifen und die Dinge spitzen sich in positiver Hinsicht immer mehr zu. Abgesehen davon, ist es ein Geschenk, sich mit einem Komponisten austauschen zu dürfen. Als Dirigent hätte ich ja an so viele Komponisten noch so viele Fragen.“ Detlev Glanert lacht: „Mir kannst du sie immerhin stellen, ich brauche nur noch die Antworten.“

Orient

Formal ist „Leyla und Mednjun“ eine klassische Kammeroper, ergänzt jedoch um eine Prise Orient durch den Einsatz des Saiteninstruments Ud. Glanert: „Untypisch für mich ist, dass die Figuren hier weniger Charaktere denn Prototypen sind. Sie sind stark inspiriert durch die arabische Miniaturmalerei. Mit geht es um den Liebesrausch als nachvollziehbares Gefühl, das Musiktheater als Kraftwerk der Gefühle, die Sinnlichkeit und Präzision in der Regie – das sind zentrale Komponenten für mich.“

Prießnitz ergänzt: „Diese Lebendigkeit der Charaktere zieht sich wie ein roter Faden durch Detlevs Werk. Und wir wollen ,Leyla und Mednjun so lebendig wie möglich auf die Bühne bringen.“ Viel Leben garantiert wohl auch die nächste Oper von Glanert. „Ich schreibe für die Semperoper in Dresden ,Die Jüdin von Toledo’ nach Franz Grillparzer. 2022 ist die Uraufführung. Robert Carsen wird sie inszenieren.“

Peter Jarolin

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