© Kurier/Gilbert Novy

Kritik
09/15/2019

Letztes Konzert der EAV: Rockig-bockige Einäscherung

Sänger Klaus Eberhartinger und Gitarrist Thomas Spitzer spielte in der Wiener Stadthalle das letzte Konzert ihrer Karriere.

von Brigitte Schokarth

„Viele glauben es nicht, aber es ist so: Das ist letzte Konzert der EAV.“ So begrüßte Klaus Eberhartinger, Frontmann der den Austropop mitprägenden Ersten Allgemeinen Verunsicherung 12.000 Zuschauer, die zur „Einäscherungsparty“ seiner Band in die Wiener Stadthalle gekommen waren. „Deshalb“, versprach er, „werden wir keine Ruhe geben, bevor nicht alle Hits gespielt sind.“


Es gab aber weit mehr als nur die Hits zu hören. An diesem Abend legten sich Eberhartinger und sein Partner, Gitarrist Thomas Spitzer, noch einmal richtig ins Zeug und zeigten drei Stunden lang, dass sie bei weitem nicht nur die Klamauk-Band sind, für die sie wegen Songs wie „Ba-Ba-Banküberfall“ oder „Küss die Hand schöne Frau“ gehalten wurden.

 

Wie schon mit dem Abschieds-Album „Alles ist erlaubt“ zeigten sich Eberhartinger und Spitzer, die einst aus der linken Szene kamen, auch zum Abschluss der Live-Aktivitäten noch einmal extra-bockig und gaben den politisch-kritischen Inhalten genauso viel Raum wie den ebenfalls humorvollen, aber in Themen und Aussagen weit seichteren Hits.

„Wir wollten immer eine Band sein, die nicht belehrt, aber politisch wach ist und alles kritisiert, was kritisierenswert ist. Unterhaltung mit Haltung, war unser Prinzip“, erklärte Spitzer im Interview mit dem KURIER.


Diese Haltung zeigte sich in der Stadthalle bei Songs wie „Die Toleranz“ oder „Trick der Politik“, vor allem aber mit den höchst unterhaltsamen Moderationen von Eberhartinger. Der 69-Jährige nahm dabei Donald Trump („gegen den ist George W. Bush ein Che Guevara“) genauso scharfzüngig aufs Korn wie Trumps „britischen Klon“ Boris Johnson. Und er verglich die politischen Strukturen unserer Zeit mit dem ältesten Gewerbe der Welt: „Die Konzerne sind die Freier, die Lobbyisten die Zuhälter und die Politiker die – wie sage ich das höflich – na ja, sagen wir die Liebesdiener.“

 

Auch die eigene Karriere, die er von den Anfängen an Revue passieren ließ, bedachte Eberhartinger mit so manchem zynischen Kommentar.

Musikalisch zeigte sich die EAV ebenfalls keine Spur altersmilde, rockte laut, hart und ambitioniert durch das Set und ließ Hits wie „Geld oder Leben“, „Go Karli Go“, „An der Copacabana“ und „Märchenprinz“ rauer klingen, als man sie von den Platten her kennt. Nur gelegentlich gab es auch Ausflüge in andere Stilrichtungen, mal Jodler oder Polka-Anklänge, hier etwas Jazz, dort Country-Blues-Einflüsse.

 

Dass der Abend historisch war, wurde aber erst spät spürbar. Es gab viele berührende, nachdenkliche Momente – etwa als Eberhartinger die kirchenkritische Ballade „s’Muaterl“ anstimmte, oder vor „Am rechten Ort“ darauf hinwies, dass 70 Millionen Menschen und davon 30 Millionen Kinder auf der Flucht vor Kriegen sind, es in Europa aber seit 70 Jahren Frieden gibt.


Sentimentale Abschiedsstimmung kam allerdings erst auf, als Gert Steinbäcker von STS (Eberhartingers Vorgänger als Frontmann der EAV) auf die Bühne kam und „Sandlerkönig Eberhard“ sang. Und natürlich als Eberhartinger mitten im traditionellen EAV-Abschluss-Song „Morgen“ die Crew auf die Bühne holte, um sich bei ihr zu bedanken, und dabei von Vertretern der Plattenfirma mit Platin für 200.000 verkaufte Einheiten des Best-Of-Albums überrascht wurde. Alles in allem also ein würdiger Abschluss der außergewöhnlichen EAV-Karriere.

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