Landkrimi aus dem Burgenland: Der Stammtisch klärt keinen Mord

Landkrimi aus dem Burgenland: Der Stammtisch klärt keinen Mord
Marvin Kren lässt seine Mutter Brigitte und Christoph Krutzler in "Grenzland" ermitteln (20.15/ORFeins).

Die Dorfgemeinschaft ist sich beim abendlichen Stammtisch im verrauchten Tankstellen-Pub schnell einig: Für den Tod von Renate (Sophie Stockinger) ist ein Asylwerber verantwortlich.

Ganz sicher. Denn wer sonst hätte dieses „liabe Madl“, das jeder im Dorf kannte und gerne gehabt hat, umbringen können.

Zugegeben, es sprechen einige Indizien dafür, dass es sich beim Mörder um den Syrer Ahmed (Hassan Akkouch) handelt. Auch für den ortsansässigen Polizisten Boandl (Christoph Krutzler) ist die Lage eindeutig. Aber Vermutungen sind das eine, Fakten und Beweise das andere. Und um diese soll sich Oberinspektorin Jandrasits (Brigitte Kren) kümmern.

Ausgestattet mit einer in Österreich durchaus gängigen Fremdenfeindlichkeit zieht sie durch das burgenländische Niemandsland.

„Ich dachte mir anfangs: So eine blöde, rechtspopulistische Funsen“, sagt Brigitte Kren über die Jandrasits, die sie in „Grenzland“ verkörpert. Zuerst wollte die 64-Jährige die Figur auf keinen Fall spielen, aber sie habe sich von ihrem Sohn Marvin, der Regie führte, überzeugen lassen. „Der Marvin hat gesagt: ,Das ist eine Herausforderung, du machst das schon!“, sagt die Schauspielerin, für die ihr Landkrimi-Debüt nicht nur eine charakterliche, sondern auch eine körperliche Herausforderung war.

Landkrimi aus dem Burgenland: Der Stammtisch klärt keinen Mord

Mutter und Sohn: Brigitte Kren und Marvin.

Zweifel

„Grenzland“ (produziert von Graf Film, siehe Artikel rechts), der heute, Dienstag, um 20.15 Uhr auf ORFeins ausgestrahlt wird, ist auf den ersten Blick von einfachen Antworten geprägt. Die meiste Zeit gilt es, den Hauptverdächtigen Ahmed zu finden und zu verhaften. Aber mit Fortdauer des Falls kommen bei den zuständigen Ermittlern immer mehr Zweifel auf: Sie werden am Ende eines Besseren belehrt. Aber bis es so weit ist, eskaliert die Lage mehrmals – etwa nachdem der Tatverdächtige gefasst wurde und die Dorfbewohner die Polizeistation, in der er in Untersuchungshaft sitzt, in Brand setzen.

Die Reaktionen auf diesen Landkrimi, der im Zuge der Bluttat in Wr. Neustadt (Mordfall Manuela) leider sehr aktuell ist, werden ambivalent sein. Und „genau darum geht es auch“, sagt Marvin Kren. „Man muss mutig erzählen, der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und mit einer Figur einsteigen, die genau die Seele des Volkes auf der Zunge hat.“

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