Kultur
08.06.2014

Lana und die Liebe

Frau Del Rey macht sich wieder auf die Sinnsuche – ein Interview.

Ich will Geld, ich will Macht, ich will Ruhm" singt Lana Del Rey in "Money Power Glory", einem der Songs ihres Freitag erscheinenden Albums "Ultraviolence". Denn es gab eine Zeit, da dachten alle, dass sie das – und nur das – wolle. "Ich habe diesen Song geschrieben, weil mich das so frustriert hat", erklärt sie im KURIER-Interview. "Es ist natürlich sarkastisch gemeint, denn ich möchte einfach nur als gute Songwriterin anerkannt werden. Aber diese Art Respekt wurde mir damals nicht entgegengebracht."

Del Rey spielt auf die Medienberichte an, die ihrem Sensations-Hit "Video Games" von 2011 folgten. Auch wenn der Song später mit dem prestigeträchtigen " Ivor Novello"-Award ausgezeichnet wurde, waren die Kritiker schnell parat, die Millionärstochter wegen ihrer Herkunft zu verteufeln: Es hieß, der Papa habe ihr die Karriere gekauft, sie sei ein Produkt der Industrie – genauso künstlich wie die aufgespritzten Lippen.

"Ich denke, dass solche Kommentare genauso viel über die Journalisten und die Medien aussagen wie über mich", sagt sie. "Es hat mich auch getroffen, dass sogar renommierte Kultur-Zeitungen in New York ganze Artikel darüber verfasst haben, was andere über mich sagen, anstatt meine Musik und meine Songs zu analysieren."

Feminismusfrage

Noch schwerer, setzt sie hinzu, hatte sie daran zu knabbern, dass ihr mehr als fünf Millionen Mal verkauftes Debüt-Album "Born To Die" auch als "anti-feministisch" bezeichnet wurde. Das sei "einer der größten Tiefpunkte" gewesen. Aber dabei will sie nicht verweilen, weist schnell auf die wunderbaren Momente der Kometen-Karriere hin: "Das Wien-Konzert war toll. Und das ist so eine schöne Stadt! Aber auch, dass ich im Pariser Olympia, wo einst Edith Piaf gesungen hat, gleich mehrmals auftreten durfte. Und dass Leute wie Damon Albarn und Liam Gallagher zu mir gekommen sind und sagten, sie mögen meine Musik."

Ähnlich ging es Dan Auerbach von den Black Keys, der "Ultraviolence" produziert hat. Del Rey traf ihn in einem New Yorker Club und verstand sich sofort prächtig mit ihm. "Weil ich davor durch so viele Ups and Downs gegangen war, wollte ich beim Schreiben etwas ganz Neues versuchen und weniger episch und direkter werden."

Da kam ihr Auerbachs "Back to the roots"-Blues-Rock-Ansatz recht. Wobei sich der eher sanft in den Del-Rey-Sound einmengt, ihm den unnötigen Bombast nimmt, aber trotzdem seinen Charakter lässt. Denn auch "Ultraviolence" ist wie Del Reys Durchbruchs-Album von einer durchgehenden Melancholie geprägt.

Das, sagt die geborene New Yorkerin, liege an ihrer Jugend: "Als ich 15 war, kam ich in ein Internat. Dort habe ich mich aber überhaupt nicht wohlgefühlt, weil ich keine Freunde fand. Ich war ein Außenseiter. Und frustriert, weil alle immer nur darüber sprachen, was an diesem Tag passiert ist, während ich andere Fragen hatte. All diese großen Fragen, wie ,Woher kommen wir?‘, ,Wohin gehen wir?‘ und ,Welchen Sinn macht das Dasein?‘ Und ich denke, dass wir darauf keine Antworten haben, wird immer in mir stecken und sich bemerkbar machen – auch wenn die neuen Songs wieder vorwiegend von der Liebe handeln."

Die Sinnkrise in der Schule macht Del Rey auch dafür verantwortlich, dass sie schon als Teenager alkoholsüchtig wurde. "Ich glaube, das steckt schon auch in meiner DNA. Aber natürlich habe ich die Besinnungslosigkeit auch gesucht, weil ich so unglücklich war", sagt sie.

Prägend

Aber auch hier sucht sie gleich wieder das Positive daran: "Andererseits hatte ich dort einen Lehrer, der mich an den Wochenenden ins Kino zu klassischen Hollywood-Streifen und zu Konzerten mitgenommen hat. Er hat mich auf auf 90er-Jahre Hip-Hop oder Rockmusik gebracht hat. Und auf Schriftsteller wie Vladimir Nabokov und Allen Ginsberg. Also bekam ich in der Zeit so ziemlich alle Einflüsse mit, die mich auch heute noch prägen."

"Ultraviolence" zum Nachhören